Am Konflikt wachsen

Zwölf Achtklässler in blauen Pullis, bedruckt mit dem Logo „Krise ist Gefahr und Chance“, sitzen im Schülercafé der Sontheimer Schule (548 Schüler) und tauschen ihre ersten Erfahrungen als neu ausgebildete Streitschlichter aus – Gravierendes gibt es bisher nicht zu beklagen.

Mit diesem Schuljahr wurde der Personalschlüssel von 1,5 auf 1,75 Stellen aufgestockt. Deshalb hatten die Schulsozialarbeiterinnen Uta Liegl und Stephanie Warlies mehr Zeit, das lange gewünschte Streitschlichter-Projekt im Sontheimer Schulzentrum in Angriff zu nehmen. Zwölf Schüler aus drei Werkreal- und Realschulklassen haben die Pädagoginnen in einer mehrwöchigen Ausbildung auf ihre neue Tätigkeit vorbereitet. Die Achtklässler sind jetzt freiwillige Streitschlichter, lernten Grundlagen: Was bedeutet eigentlich Streit und wie erkennt man den überhaupt? In geschütztem Rahmen wurden Konfliktsituationen durchgespielt und Deeskalation geübt. Ebenso lernten die Schüler, wo ihre Grenzen sind und wann sie sich Hilfe von einem Lehrer holen sollten – was bisher noch nicht notwendig war.

Zunächst nur für Grundschule

Vorerst sind die neuen Streitschlichter nur für die Grundschüler in den großen Pausen zuständig. Sie werden also nicht gleich ins kalte Wasser geworfen, sondern nach und nach an ihre Aufgabe herangeführt. Immer mit dabei: eine Lehrkraft als Pausenaufsicht. Damit die anderen Schüler erkennen, wer Streitschlichter ist, hat sich das Team zunächst in den Grundschulklassen vorgestellt und ist durch die einheitlichen Pullover gut erkennbar.

Doch auch zwischen Grundschülern kann es zu Konfliktsituationen kommen. „Zwei Drittklässler haben sich auf dem Pausenhof geschlagen und einer hat uns dann auch attackiert“, berichtet Esra Sarigül. Dennoch habe sie die Situation schlichten können. Keiner im Team bereue die Entscheidung, Streitschlichter geworden zu sein. Weil: es komme auch zu positiver Kontaktaufnahme seitens der jüngeren Schüler. „Die Grundschüler kommen auf uns zu, wollen spielen und mit uns reden“, erzählt Achtklässlerin Celine Bosch.

Um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig Tipps zu geben und Rat von den Profis Liegl und Warlies zu holen, treffen sich die Streitschlichter und Schulsozialarbeiterinnen nun in regelmäßigen Abständen. Zum tieferen Sinn und Zweck des Projektes sagt Uta Liegl, „es geht darum den Schülern soziale Kompetenzen zu vermitteln“. Es bringe die unterschiedlichen Schüler sogar selbst weiter und näher zusammen, ergänzt Stephanie Warlies. Ihre Erfahrung: Vor allem die ruhigeren Streitschlichter haben sich durch die Ausbildung weiterentwickelt.

Alle Streitschlichter erhalten eine Bescheinigung und eine Urkunde über diese Tätigkeit. Die Achtklässler mussten nämlich zwischen fünf Workshops, die überfachliche und berufsbezogene Kompetenzen vermitteln sollen, in diesem Schuljahr wählen. Die Ausbildung zum Streitschlichter war eine Wahlmöglichkeit und soll die Schüler auf eine demokratische Streitkultur vorbereiten, erläutert Rektor Rainer Schulz.

Nach dem ersten Treffen sind alle Beteiligten durchaus zufrieden. Besonders freuen sich die Pädagoginnen darüber, wie gut das Streitschlichter-Team untereinander auskomme und über die bereits erkennbaren Entwicklungen. Wenn sich die Streitschlichter sicher fühlen, werde man ihnen weitere Aufgaben anvertrauen. Geplant sei deshalb, das Team auch für höhere Klassenstufen einzusetzten.

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