Mord im Orient-Express

Mehrfach schon gab es im Kino Wellen von Agatha-Christie-Verfilmungen – so etwa in den sechziger Jahren die bis heute beliebten Miss-Marple-Krimis mit Margaret Rutherford und in den Siebzigern und Achtzigern die Hercule-Poirot-Mysteries mit Albert Finney und Peter Ustinov. Und jetzt bahnt sich eine neue Poirot-Welle an, die wie schon 1974 mit dem Klassiker „Mord im Orient-Express“ beginnt.

Der britische Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh hat sich als Regisseur der Vorlage angenommen und schlüpft im Remake auch gleich selbst in die noble Robe des belgischen Meisterdetektivs. Die Story um einen Mord im luxuriösen Zug, der 1934 von Istanbul nach Calais unterwegs ist, kann Branagh freilich nicht neu erfinden. Doch wie er den atmosphärischen Old-Style-Thriller auf die Leinwand bringt, ist schon erste Klasse.

Eine schwelgerische Ausstattung und grandiose Bilder sind das Eine, was die Neuversion des „Orient-Express“ sehenswert macht. Auf der anderen Seite ist es der sensationelle Cast, mit dem der Film ebenso glänzt, wie es vor 43 Jahren der Vorgänger machte: damals unter anderem Lauren Bacall, Ingrid Bergman, Sean Connery, Richard Widmark, Vanessa Redgrave und Anthony Perkins – heute Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Penelope Cruz, Judi Dench, Willem Dafoe und Daisy Ridley. Branaghs Auftritt als überheblicher und etwas snobistischer Meisterdetektiv ist nicht minder exzellent. Mehr große Schauspielkunst gibt es in einem einzelnen Film nur selten.

Die Erzählweise des Whodunnit-Krimis ist klassisch, der Look dagegen modern. So können auch Zuschauer, die die Auflösung kennen, diesem neuen „Mord im Orient-Express“ etwas abgewinnen. Darüber hinaus gibt es inzwischen aber mehrere Generationen, für die die reizvolle Story vom Verbrechen im Luxus-Zug etwas völlig Unbekanntes darstellt. Mitfahren lohnt sich. Und wenn es sich auch für die Filmemacher lohnt, dürfte der „Tod auf dem Nil“ bald folgen. Auch englische Fassung; Kino-Center, ab 12 Jahren.

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