Haarige Auferstehung

Zurzeit ist die Friseurausbildung in Heidenheim wieder sehr beliebt. 25 Schüler befinden sich momentan im ersten Lehrjahr an der Maria-von-Linden-Schule (MvL) und bereits für das nächste Schuljahr gibt es Bewerber. Das war aber längst nicht immer so. Die Friseurabteilung ist zwar erst seit drei Jahren an der MvL, aber bereits davor wurden an der Technischen Schule in Heidenheim Friseure ausgebildet.

Über die Jahre hinweg gingen die Bewerberzahlen immer weiter zurück. Soweit, dass der Abteilung vor ein paar Jahren sogar die Schließung drohte. Denn in jedem Lehrjahr müssen es mindestens 16 Schüler pro Klasse sein. „Der Rückgang der Schülerzahlen lag vermutlich am Wandel im Schulsystem. Nicht nur der Friseurberuf war von dieser Entwicklung betroffen“, sagt Wioletta Pawlak, die als Friseurmeisterin für die praktische Ausbildung an der Schule zuständig ist. Auch auf andere Ausbildungsberufe fanden sich weniger Bewerber.  Inzwischen gewinne der Beruf des Friseurs allerdings wieder mehr Ansehen, so Christa Straub, ebenfalls Lehrerin für die Friseurausbildung an der MvL. „In den sozialen Netzwerken sieht man überall Beauty-Bilder. Bestimmt sind deshalb gute Friseure wieder sehr gefragt“, sagt Straub, die bereits seit 30 Jahren unterrichtet. Die beiden Lehrkräfte sind über diese Entwicklung sehr froh. „Es ist wichtig, dass die Ausbildung im Landkreis stattfindet und die Jugendlichen nicht wegziehen“, so Pawlak.

Trotz dieser positiven Entwicklung ranken sich noch immer viele Vorurteile um den Friseurberuf. „Die Vorstellung, dass Friseure sehr wenig Geld bekommen, stimmt oft nicht. Wenn man sich fortbildet, spezialisiert, hart arbeitet und nicht stehen bleibt, dann kann man als Friseur auch sehr gut verdienen“, erklärt Pawlak.

Auch was den Männeranteil in der Ausbildung betrifft, hat sich ein Wandel vollzogen. Es gibt immer mehr Barbershops – auch in Deutschland. „Das ist für Männer ein ganz neuer Trend“, so Straub. Deshalb gibt’s nun immer mehr männliche Auszubildende – auch an der Maria-von-Linden-Schule.

Mehr Infos zur Friseurausbildung in Heidenheim findet Ihr hier.

Tipps von angehenden Friseuren

links Evelyn Gottschalk und Franziska Keck

Für Franziska Keck (17), Heidenheim (links) war die Friseurausbildung eine impulsive Entscheidung. „Eigentlich wollte ich Lehrerin werden, das hat aber nicht so geklappt“, sagt die 17-Jährige. Da sie gerne frisiert, war ein Praktikum beim Friseur der nächst Schritt. „Es hat mir Spaß gemacht und deshalb bin ich zum Halbjahr noch in die Ausbildung eingestiegen.“

No-Go: Knallig grüne Haare.

„Ich habe angefangen mein Fachabi zu machen. Das war aber gar nicht mein Ding“, sagt Evelyn Gottschalk (17), Sontheim (rechts). Ihre Mutter hat sie auf ein Praktikum beim Friseur aufmerksam gemacht.

No-Go: Lange Haare, Dutt und Zopf bei Männern.

 

Erika Eleni Giannelis

Erika Eleni Giannelis (19), Heidenheim lebt erst seit eineinhalb Jahren in Deutschland. „Ich komme aus Griechenland, aber meine Mutter kommt aus Heidenheim und meine Oma lebt noch hier. Da ich schon immer Friseurin werden wollte und die Sprache kann, bin ich nach Heidenheim gezogen, um hier meine Ausbildung zu machen“, sagt Erika. „Es ist ein kreativer Beruf, bei dem man jeden Tag etwas Neues machen kann. Man erfährt auch immer tolle Geschichten von den unterschiedlichen Kunden.“

No-Go: Ombré-Look ohne sanften Übergang.

Dario Pisone

Dario Pisone (17), Bächingen kam durch seine Schwägerin auf die Idee, Friseur zu werden. Nach einem Praktikum hat er sich direkt für die Ausbildung beworben. Seine Eltern finden es toll, dass er Friseur wird und auch er ist sehr glücklich mit seiner Entscheidung. „Meine Kumpels haben anfangs zwar Witze darüber gemacht, aber sie freuen sich jetzt auch für mich“, sagt der 17-Jährige. Fragen zum Gehalt und ob er einem nicht mal die Haare schneiden könne, seien allerdings an der Tagesordnung.

No-Go: Männer, die mit ungestylten Haaren aus dem Haus gehen und aussehen, als wären sie gerade aus dem Bett aufgestanden.

 

Aynur Demrici

Aynur Demrici (16), Heidenheim ist noch keine Auszubildende an der Maria-von-Linden-Schule, aber die 16-Jährige macht dort für zwei Wochen Praktikum. Schon als kleines Mädchen hat sie sich für diesen Beruf interessiert, weil ihre Mutter selbstständige Friseurin ist. Die Heidenheimerin hofft, dass sie als Friseurin ihre Kreativität ausleben kann.

No-Go: Dauerwelle!

Jessika Mazko

„Es ist mein absoluter Traumjob“, sagt Jessika Mazko (20), Bolheim. Schon immer hat die 20-Jährige ihre Freundinnen frisiert und geschminkt. Nur ihre Eltern waren anfangs dagegen, dass sie eine Friseurausbildung macht. Hauptgrund hierfür war das Einkommen. Nach dem Fachabi hat sie sich erstmal auf Bürojobs beworben, obwohl sie sich dafür gar nicht interessierte. „Meine Freunde sagten aber, dass ich besser das machen soll, was mir Spaß macht“, sagt Jessika.

No-Go: Ganz kurze und fransige Haare.

 

Jamilia Barro

Die Friseurausbildung ist für Jamilia Barro (16), Heidenheim nur ein Schritt zu ihrem eigentlichen Traumberuf – sie möchte Modejournalismus studieren. „Mit dieser Ausbildung habe ich später bessere Chancen, einen Studienplatz zu bekommen“, so die 16-Jährige. Wenn sie mit der Ausbildung fertig ist, will sie erstmal ihr Abi machen und dann an die Uni. „Die Ausbildung ist interessant, aber eben nicht das, was ich eigentlich machen will“, sagt sie.

No-Go: Lange Haare mit zu krassem Obré-Look.

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