Kein Welpenschutz

Beim ersten Gerstetter Bandlift-Festival im Sommer 2015 räumte ein sehr junges Ulmer Trio namens Van Holzen ab: Obwohl sie schon früh am Tag auf die Bühne mussten, überzeugten Sänger und Gitarrist Florian Kiesling, Basser Jonas Schramm und Schlagzeuger Daniel Kotitschke mit einer rauen, lauten und verblüffend erwachsenen Rock-Variante.

Seither ist bei Van Holzen viel passiert: 2016 erschien eine erste Single, das Label Warmer Music nahm die Band unter Vertrag, sie spielten das Debüt „Anomalie“ ein, das Magazin „Visions“ nahm Van Holzen sogar aufs Cover seiner Abo-Auflage, das Album landete auf Platz 1 der monatlichen Neuerscheinungen.

Der kleine Hype ist da, und obwohl die drei Musiker noch immer nicht volljährig sind, ist der Welpenschutz wohl abgelaufen.

Nicht glattgebügelt

Nur: auf „Anomalie“ scheint sie das alles überhaupt nicht zu beeindrucken. Beeindruckt sind dagegen viele Hörer.
Auf Nummer Sicher geht bei den zwölf Songs jedenfalls nichts. Das Schlagzeug bollert, der Bass drängt sich nach Post-Punk-Manier in den Vordergrund, der Gitarrensound ist herrlich räudig und kratzt beharrlich am Lack aller Melodien, die sich ohnehin nicht gerade aufdrängen.

Mit „Herr der Welt“ steigen Van Holzen flott ein, das nachfolgende „Erfolg“ hat die verspielte Wucht der Queens Of The Stone Age. Van Holzen gelingt es, so transparent und gleichzeitig dicht zu klingen, wie es nur Trios können. Die Hooks brauchen einige Durchläufe, um zu zünden, und der eine oder andere instrumentale Ausbruch könnte auch etwas energischeren Gesang vertragen. Auf die gesamte Länge klingt Kieslings Stimme manchmal zu distanziert. Aber das ist Geschmackssache.

Jung und abgeklärt

Wenn etwa bei „Schüsse“, vom Bass getrieben, eine krachtrockene Nummer gezockt wird, darf man schon erstaunt sein, woher die junge Band solche Abgeklärtheit hernimmt. Allerdings waren sie als Rockfish vorab schon Jahre unterwegs.

Es macht Spaß, immer wieder an ganz große Band erinnert zu werden, seien es Rage Against The Machine (bei „Jagd“) oder gar Nirvana in ihrer Spätphase („Leichenschmaus“), vor allem aber überzeugt Van Holzen mit einer eigenen Note, die sie mit vielen spannenden Kanten versehen haben. Toller Start.

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