“Friday” ist geschlossen

Veit Walter hat dieses Wochenende seine Heidenheimer Bar „Friday“ geschlossen und verabschiedet sich damit nach 30 Jahren aus der Gastronomie.

Es war immer ein bisschen skurril im öffentlichen Wohnzimmer von Veit Walter: Sitzmöbel zwischen Retro-Look und Sperrmüll, Lava-Lampe und Discokugel, jede Menge Deko-Gegenstände, eine ordentliche Plattensammlung und die angesagte Getränkespezialitäten im Kühlschrank. Offen war die Bar in einer Lagerhalle an der Scheidemannstraße nur freitags (und manchmal samstags) ab 22 Uhr.

Jetzt hat der 54-Jährige, der seit über 30 Jahren in der Heidenheimer Kneipenszene mitmischte, das „Friday“ geschlossen – und sich damit auch aus der Stadt verabschiedet.

Angefangen hat Walter 1985 mit seiner ersten Kneipe, dem „Veit’s“ in der Bergstraße. Nach einem Intermezzo in München öffnete er 1994 ein kleines Einrichtungsgeschäft in der Hinteren Gasse, „Veit’s Wohnwitz“. Ab 2000 betrieb er parallel dazu zusammen mit Axel Zott den „Felsen“ in der Schnaitheimer Straße. Aus einem Absturzlokal wurde eine Szenekneipe – auch dank Walters Faible für Einrichtungsgegenstände. „Der Felsen war als lebendiger Ausstellungsraum für meinen Möbelladen gedacht – das hat aber nicht so richtig funktioniert“, sagt er heute. Beruflich sattelte Veit Walter um, studierte an der Dualen Hochschule (damals noch BA) Sozialmanagement und eröffnete parallel dazu „am ersten Freitag im Dezember 2004“ das „Friday“ in der Weststadt. Das Konzept der Bar passte damals zu seinem Lebensentwurf: Sein Ausbildungsbetrieb befand sich in Tübingen, so dass er nur noch quartalsweise ganz in Heidenheim lebte.

Einmal in der Woche Kneipe, das funktionierte gut. „Ich hatte ohnehin die Erfahrung gemacht, dass viele Kneipen den Umsatz von zwei Tagen an den drei anderen Öffnungstagen verbrennen“, meint er.

Dem Studium folgte eine Festanstellung in Tübingen, dann noch ein Masterstudium Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg. Der Lebensmittelpunkt von Veit Walter blieb – bis heute – Tübingen.

„Ich habe immer einen Partner fürs Friday gesucht, aber nie jemanden gefunden“, erzählt der scheidende Wirt. Schließlich sprang Tochter Carla, 22 Jahre alt, ein. Doch sie studiert mittlerweile Lehramt in Stuttgart, für die Wochenend-Kneipe blieb immer weniger Zeit. Nun schließt das Vater-Tochter-Unternehmen, das sich auch an den Weihnachtstagen zur Institution etabliert hatte: Schon im ersten Jahr fand am 25. Dezember ein Konzert im „Friday“ statt, bei dem es rappelvoll war.

Das wiederholte sich jährlich, auch 2016 war der Auftritt von „Sandy Lee & the Wantons“ nochmal ein voller Erfolg. „Wo sollen wir denn hin an Weihnachten?“, das hätten ihn viele Gäste gefragt, erzählt Walter mit ein bisschen Stolz. Auch zum Abschiedswochenende kamen noch einmal viele Gäste, Freunde und Weggefährten ins „Friday“.

Die skurrile Möbelsammlung soll noch unter die Leute gebracht werden – eine letzte Chance für Fans, sich ein Stück „Friday“ zu sichern.

Text: Silja Kummer

Das neueste aus der Rubrik Webnews