Aus dem Leben eines Fußballprofis #1

„Spielerfrauen“ könnte man sagen… Und es negativ meinen. Doch in diesem Fall nehme ich von der negativen Konnotation bewusst Abstand. Um das Klischee vorwegzunehmen: Wie ich erleben durfte, sind diese Frauen vielmehr als nur die Ehefrauen eines Fußballprofis. Sich selbst ein schönes Leben zu machen und als Accessoire ihrer Männer zu fungieren? Weit gefehlt. Es sind Frauen, die liebevolle Mütter sind, die nachts kaum schlafen, Hausfrauen, die alles tun um für deren Männer -in welcher Fußballstadt auch immer- ein schönes zu Hause zu gestalten, und nicht selten sogar selbst große Ziele haben, wenn es um die eigene Karriereplanung geht. Wenn ich den Begriff „Spielerfrauen“ verwende, nutze ich diesen daher ausschließlich um auszudrücken, dass es die Frauen der Spieler sind. Ihre Individualität stelle ich damit keinesfalls in Frage.

Ich habe mich mit den Frauen einiger Profifußballer des FC Heidenheim getroffen. Das BEST WESTERN PREMIER Schlosshotel Park Consul Heidenheim und das Team um Herrn Michael Mönch empfing uns mit offenen Armen. Auch viele der FCH-Damen erinnern sich zurück an die erste Zeit, die viele dort im Hotel untergebracht waren, bevor eine eigene Wohnung gefunden worden ist.

Ronny Philp beispielsweise hat sechs Wochen lang im Hotel gewohnt, erzählt seine Frau Patrizia: „Man kann nicht an den eigenen Kühlschrank in einem Hotel, das ist ein großer Nachteil!“ Sechs Wochen waren es also letztlich, bis sie ein Haus gefunden haben und Patrizia mit Sohn Emilian aus Augsburg in den Landkreis Heidenheim zog.

Um direkt mit Familie Philp zu starten: Dieses Jahr wurde kirchlich geheiratet.

Patrizia, ihr habt eure Hochzeit während der vergangenen Saison geplant und in der Sommerpause geheiratet. Wie liefen die Vorbereitungen?

Patrizia Philp: „Eigentlich hatte Ronny nicht so die Vorstellung davon, was genau er sich davon erwartet, deshalb habe ich das größtenteils alleine geplant oder mit Freundinnen. Was zum einen natürlich positiv war, weil ich das Meiste selbst entscheiden durfte, aber zum anderen natürlich auch anstrengend war, weil man nicht so die Hilfe hatte. Aber es war okay, wir haben da einen ganz guten Kompromiss gefunden.“

Wie war es von der Terminwahl her? Konntet ihr das gut im Voraus planen?

Patrizia Philp: „Da wir zuvor in Augsburg und damit in der ersten Liga waren, war das etwas schwierig. Wir haben uns den Termin dementsprechend danach ausgesucht, wann Augsburg frei hatte und die zweite Liga hatte aber früher aufgehört und früher wieder angefangen, dass heißt wir konnten anschließend leider nicht mehr in die Flitterwochen fliegen. Wir wollten das jetzt eigentlich im Winter nachholen, aber mal schauen ob das klappt.“

Ihr seid viel umgezogen, kennt viele Leute aus unterschiedlichen Städten. Wie bringt man das dann alles zusammen?

Patrizia Philp: „Wir haben uns dann überlegt, da sowieso alle von irgendwoher kommen, ist es ganz egal wo man feiert. Wir wollten erst in der Nähe von Nürnberg feiern, da von dort die meisten Verwandten und Freunde kommen, aber wir haben auch viele Freunde aus München. Es war uns vor allem wichtig, dass es in Bayern ist. In Nürnberg war es dann schwierig etwas Schönes zu finden, wo alle reinpassen, denn wir waren etwa 150 Leute. Die meisten schönen Locations dort waren für bis zu 100 Personen und die, die für mehr Leute waren, die waren einfach nicht schön. Deswegen habe ich dann etwas Perfektes in München gefunden.“

Manchmal geht es ziemlich schnell. Die Profis werfen den ein oder anderen Vertrag über Bord und zack: neuer Verein, neue Stadt, neues Leben. Doch wie fühlt sich eigentlich so ein Umzug an für die Familie der Profis?

Patrizia Philp: „Ich finde vor allem, nicht nur der Umzug an sich ist sehr anstrengend, nachdem man natürlich mit einem Kind zu nichts kommt, es ist aber auch das ganze Drumherum: Die Suche nach neuen Ärzten, eine Krippe oder Kindergarten, neuen Anschluss finden. Man kann die Kinder auch nicht völlig isolieren, wir sind mit Emilian nun auch immerhin schon vier Mal umgezogen. Und dann die Anrufe bei den Ärzten, die sagen: „Rufen Sie bitte nächstes Jahr nochmal an.“ Das ist natürlich super nervig.“

Kann man grundsätzlich sagen, dass es in großen Städten einfacher ist Anschluss zu finden? Oder wie war es für euch hier in Heidenheim?

Patrizia Philp: „Ich glaube es kommt auch immer auf den Verein an, denn der Verein kann auch viel dafür tun, dass die Frauen sich auch zumindest innerhalb des Vereins schneller besser kennenlernen. Damit meine ich zum Beispiel kleine Events oder gemeinsame Essen oder ein gemeinsames Frühstück. Wobei ich finde, nur wenn man die Gemeinsamkeit hat, dass man ein Kind hat versteht man sich nicht gleich automatisch. Und so ist es auch wenn man die Gemeinsamkeit hat, mit einem Fußballer verheiratet zu sein. Manchmal hat man wirklich Glück und man versteht sich total und manchmal hat man auch einige dabei, wo man sich denkt: „Hm, sind zwar nett, aber sind jetzt nicht so auf meiner Wellenlänge.“ Aber man hat dafür natürlich direkt immer Gesprächsstoff.“

Kaum ist man hier angekommen geht die Vorbereitungsphase inklusive Trainingslager los. Wie empfindest du diese Vorbereitungsphasen, die zwei Mal jährlich (jeweils nach der Sommer- und Winterpause) anstehen?

Patrizia Philp: „Also ich fahr meistens nach Hause, weil ich auch Angst alleine habe. Und außerdem, wenn man ganz alleine ist und wenn man eben auch nicht so viele Leute kennt, ist es auch einfach schöner, wenn man bei der Familie ist oder halt Besuch vorbeikommt.“

Merkst du dann auch bei eurem Sohn, dass der Papa fehlt?

Patrizia Philp: „Ja, auf jeden Fall! Ich glaube je älter die Kinder werden, desto extremer wird es auch, dass sie es merken und auch darüber reden.“

In der Vorbereitung hat die Mannschaft oftmals zwei bis drei Mal täglich Training. Wie ist es dann wenn der Papa abends nach Hause kommt? Ist er dann für Emilian noch zugänglich oder ist er dann überhaupt noch zu etwas zu gebrauchen?

Patrizia Philp: „Ronny kommt auch oft nach Hause zur Mittagszeit, aber nicht immer. Dieses hin und zurück ist eine Stunde, deshalb lohnt es sich manchmal nicht. Abends ist das aber bei uns mittlerweile echt so zum Ritual geworden, dass wenn Ronny heim kommt, er auf jeden Fall noch etwas mit Emilian macht. Und unsere Nachbarn haben momentan eine Baustelle mit Traktoren im Garten und dann rennt Emilian schon am Papa vorbei und ruft „Traktor! Traktor! Traktor!“ und das bedeutet, dass sie dann da gemeinsam hin müssen und spielen, wenn der Papa nach Hause kommt.“

Dadurch, dass dein Mann Sportler ist kann ich mir vorstellen, dass auch die Ernährung eine andere ist. Merkst du das beim Kochen?

Patrizia Philp: „Bei uns gibt es eigentlich keinen Alkohol. Oder auch Süßes gibt es kaum und wenn, dann muss ich es verstecken, sodass er nicht in Versuchung kommt. Und ansonsten muss ich manchmal wirklich für Ronny speziell etwas kochen und für uns etwas Anderes, weil er sehr wählerisch ist.“

Nun ist es ja so, dass Fußballer oftmals den Verein wechseln. Gibt es mittlerweile Spiele gegen ehemalige Mannschaftskollegen und Freunde?

Patrizia Philp: „Ja, das ist eigentlich total oft der Fall. Gerade so in der gleichen Altersklasse kennt man sich irgendwie untereinander und dann gibt es wirklich überall, in jedem Verein, jemanden mit dem man schon mal gespielt oder zu tun hatte.“

So meine Liebe: Abschließend darfst du mit dem Spielerfrauen-Klischee aufräumen.

Patrizia Philp: „Es sagen viele: „Ja he, die arbeiten ja nichts!“, aber mal hinter die Kulisse zu schauen und zu sehen wie schwierig es auch ist unter den Vereinswechseln bei einer konstanten Arbeit zu bleiben, das wäre schön. Manchmal bleibt einem auch gar nichts Anderes übrig, als nicht zu arbeiten oder etwas Kleines zu machen. Ja und wenn man jetzt tatsächlich zum Beispiel als Lehrerin arbeitet, und da gibt es durchaus Beispiele, dann kann man jahrelang nicht mehr gemeinsam in den Urlaub, weil man es zeitlich einfach nicht hinbekommt. Das ist total schwierig. Und welcher Arbeitgeber gibt einem dann wirklich auch in dem Zeitraum frei, also das machen nicht viele. Ich denke einfach, dass dieser Beruf „Profifußballer“ wie jeder andere auch seine Vor- und Nachteile hat. Man will sich nicht beklagen, denn es gibt viele positive Aspekte, aber es hat auch einige negative Seiten, die man nicht vernachlässigen kann.“

Ich bedanke mich für dein Vertrauen, Patrizia! Es ist nicht selbstverständlich solch private Einblicke zu bekommen.

Beim nächsten Mal begrüße ich Michelle, die Ehefrau des Heidenheimer Stürmers John Verhoek mit ihrem Sohn Jezz. Stay tuned!

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