Einmal um die halbe Welt

Die traditionelle Jugendbegegnung der Deutschen Sportjugend und der Japan Junior Sports Clubs Association (JJSA)  fand in diesem Jahr bereits zum 44. Mal statt und stand unter dem Jahresthema: „Fair Play: Respekt im Sport und persönlichen Umfeld“.
Am Freitag, den 21. Juli 2017, machten sich 120 deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Weg nach Japan. Dort wurden sie in Osaka empfangen, bevor sie in Kleingruppen für zwei Wochen in drei Präfekturen Japans weiterreisten und sich am Ende zur Sayonara-Party in Tokyo wieder trafen. Den Heimflug traten sie am 7. August 2017 an.

Diese Gelegenheit hat sich Sarah Renner aus Hürben nicht entgehen lassen. Im Internet mehr zufällig auf diesen Austausch gestoßen und als sehr Japan begeistert und schon länger mit dem Wunsch mal dorthin zu reisen, war schnell eine Bewerbung geschickt. Die beschriebenen Aktivitäten und Programmpunkte sah Sarah als Möglichkeit, um Erfahrungen mit der japanischen Kultur sammeln zu können und um andere, nicht alltägliche Sportarten kennenzulernen und auszuprobieren. Als Mitglied des TV-Hürben, vom Turnen und Leichtathletik begeistert, waren es gerade diese Sportarten, die das Interesse an diesem Austausch noch steigerten. Aber vor allem freute sie sich darauf, neue Bekanntschaften schließen zu können. Außerdem interessieren sie die japanischen Traditionen und Bräuche.

Und die Freude war dann auch riesengroß als tatsächlich eine Zusage kam. Sarah wurde als eine von neun Teilnehmern aus Baden-Württemberg ausgewählt. Nach mehreren Vorbereitungstreffen mit ihrer Gruppe und einem großen Seminar in Blossin bei Berlin, mit allen deutschen Teilnehmern, ging es dann Anfang der Sommerferien endlich los. Abflug von Frankfurt nach Osaka.

Am 21.07.2017 trafen sich alle Teilnehmer am Frankfurter Flughafen um gemeinsam nach Japan zu fliegen. Der Flug ging pünktlich und dauerte gute 11 Stunden. Die Zeit wurde mit Filme gucken, Musik hören und auch Spiele spielen tot geschlagen.

 

Osaka:

Angekommen in Osaka, wurde von jedem Teilnehmer erst mal ein Bild gemacht und Fingerabdrücke genommen, was zu den dortigen  Einreisebestimmungen gehört. Danach ging es dann endlich zum Hotel, was noch einmal eine Fahrzeit von 2 Stunden im Bus bedeutete und so langsam allen die Strapazen der langen Anreise anzumerken waren. Endlich im Hotelzimmer angekommen belohnte dieses mit super Ausblick auf Osaka. An diesem Abend gab es noch eine offizielle Begrüßung der deutschen Delegation mit anschließendem gemeinsamem Abendessen.

Tags darauf ging es auch schon mit dem offiziellen Programm los. Es stand der Besuch von gleich drei Tempeln auf der Liste. Unter anderem einer der Beeindruckendsten, der Kinkakuji Tempel, der auch als „Goldener Pavillon“ bezeichnet wird, da seine gesamten oberen Stockwerke mit Blattgold überzogen sind. Ebenso beeindruckend waren die anderen Tempelanlagen mit zum Teil sehr schön angelegten Gärten in deren Einfachheit doch auch viel Raffinesse steckt. Auch an diesem Abend war jeder froh wieder im Hotel zu sein und freute sich auf das Abendessen. Zum Abschluss des Tages gab es noch Gruppenbesprechungen, da am nächsten Tag die Abreise in die erste Präfektur bevorstand.

 

Mitake:

Dann ging es endlich zu unseren ersten Gastfamilien nach Mitake in der Präfektur Gifu, bei denen wir für die nächsten 4 Tage wohnen durften. Jeder war schon sehr gespannt darauf was ihn wohl erwarten würde. Jeder Teilnehmer war bei einer anderen Familie untergebracht und wie sich herausstellte war die Verständigung nicht für jeden ganz unproblematisch, da weder deutsch und auch zum Teil nur wenig englisch gesprochen wurde. Doch in der Not verständigte man sich auch mit Händen und Füssen. Was von Anfang an alle sehr beeindruckte, war die Gastfreundlichkeit und die Höflichkeit, sowie der Respekt, der uns entgegen gebracht wurde. Dies ist für Japaner eine Selbstverständlichkeit, ebenso wie das übergeben von kleinen Gastgeschenken.

In Mitake stand auch ein Besuch beim dortigen Bürgermeister auf dem Programm, wo wir recht herzlich empfangen wurden. Auch hier gehörte die Besichtigung eines Tempels, des Gukeji Tempels und eine Shoppingtour zu unserem Programm. Außerdem hatten wir das Vergnügen mit der Volleyball AG der Junior High School zu „trainieren“, was sehr anstrengend war, aber trotzdem sehr viel Spaß gemacht hat.

An den beiden folgenden Tagen besuchten wir eine weitere Schule, Kultur und Kochen waren das Thema. Zuerst durften wir unser musikalisches Talent beim Spielen auf der japanischen Harfe unter Beweis stellen und danach kochten wir gegenseitig füreinander. Von den schwäbischen Käsespätzle waren unsere japanischen Gastgeber sehr begeistert. Kulturell ging es im Museum weiter, wo wir viel über die Stadt Mitake erfahren haben und bei der Besichtigung einer Webstube durften wir eigene Untersetzer für Becher und Tassen weben. Am letzten Abend in Mitake trafen sich alle zur Abschiedsfeier – Sayonara-Party, es wurde nochmal gemeinsam gegessen und gefeiert, bevor am nächsten Tag der Abschied und die Weiterreise in die nächste Präfektur, zu den neuen Gastfamilien auf dem Programm stand.

Yokkaichi:

Es ging nach Yokkaichi, eine Industrie- und Hafenstadt in der Präfektur Mie. Auf dem Weg dorthin machten wir noch einen Halt in einer Fabrik, der Firma Ajinomoto, für eine Führung in einem weltweit agierenden Unternehmen in der Nahrungsmittelbranche, das vor allem Aromen, Gewürze und Öle herstellt. Danach ging es weiter zu unseren „neuen“ Gastfamilien und auch hier war es beim Kennenlernen wieder so freundlich und höflich, dass man trotz „Kommunikationsschwierigkeiten“ sich gleich bestens verstand. Für die nächsten Tage standen natürlich wieder sportliche Veranstaltungen und kulturelle Treffen im Vordergrund.

Im Yokkaichi Municipal Youth Friendship Center trafen wir uns mit Kindern und Jugendlichen zum Herstellen von Blattfächern und Lesezeichen, sowie gemeinsamen sportlichen Gruppenspielen. Beim Wettlaufen, Ball-Ziel-Werfen und Seilhüpfen war viel Spaß geboten und alle deutsch-japanischen Teams kämpften um den Sieg. Letztendlich waren alle Sieger und beim gemeinsamen BBQ freute sich jeder über die neuen Bekanntschaften. Dann stand ein „Familientag“ auf dem Programm und wir ließen uns überraschen und waren gespannt darauf was wir wohl machen werden. Meine Gastfamilie und Ich machten einen Ausflug ins Nagashima Spa Land, einen der bedeutendsten Vergnügungsparks in Japan, der die längste Achterbahn der Welt zu bieten hat, die wir natürlich gleich mehrmals voller Begeisterung gefahren sind.

Dann folgte einer der coolsten Tage in Yokkaichi, denn wir sind in die Mitaki Budo Sporthalle gegangen, um Naginata (jpn. Lanze), Aikido und Kendo, hierbei handelt es sich um verschiedene Kampfsportarten, auszuprobieren. Zuerst haben wir mit zwei älteren Frauen Naginata gemacht. Wir durften uns davor eine traditionelle Kampfsport-Kleidung mit entsprechendem Schutz, anziehen. Danach hat sich jeder eine Lanze genommen und wir konnten anfangen. Als erstes haben wir uns in einer Reihe aufgestellt. Die zwei älteren Damen haben uns eine Schrittfolge gezeigt, die wir dann geübt haben. Anschließend sind wir in eine andere Halle gegangen, um Aikido zu testen. Dort haben wir als erstes die Grundschritte gelernt, bevor es zu den Techniken ging. Wir haben als Technik zum Beispiel einen Wurf oder einen Hebel gelernt. Wir sind Paarweise zusammen und durften die Techniken an unserem Trainingspartner ausprobieren, was bei den meisten auf Anhieb sehr gut aussah. Die zwei Meister, die uns Aikido gezeigt haben, demonstrierten zu Beginn noch ihr Können und haben uns gezeigt was sie drauf haben. Nach Aikido ging es zur letzten Sportart: Kendo. Beim Kendo bekommt jeder einen Helm und einen Oberkörperschutz, der vor Verletzungen schützen soll. Als Waffe haben wir ein Schwert aus Bambus bekommen. Auch hier haben wir erst eine Schrittfolge und die dazugehörige Schwertbewegung gelernt, bevor wir es an einer Person ausprobieren konnten. Diesmal haben wir aber Gegner bekommen, die Kendo schon lange Zeit machen. Und bei unseren Trainingskämpfen ging es dann richtig zur Sache, da blieb auch der ein oder andere Schlag auf den (geschützten) Kopf nicht aus. Hat aber einen riesen Spaß gemacht.

Im Rahmen unseres Kulturaustausches besuchten wir eine Schule um japanische Manieren kennen zu lernen. Als erstes wurde jedem ein Yukata (leichter Kimono) angezogen, bevor wir gelernt haben, wie man sich mit diesem richtig hinsetzt und wieder aufsteht. Außerdem haben wir an einer traditionellen japanischen Teezeremonie teilgenommen und die wichtigsten Dinge gelernt die es hier zu beachten gilt.

Bevor es dann zu unseren letzten Gastfamilien ging war wieder ein Höflichkeitsbesuch angesagt. Wir wurden vom Bürgermeister und dem Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung und Erziehung empfangen. Dies war zugleich auch der Abschied von Yokkaichi und wir fuhren nach Aisai, in der Präfektur Aichi.

 

Aisai:

Auf dem Weg dorthin machten wir einen Stop in einer Sake-Brauerei und bei der Besichtigung derselben wurde uns alles über die Herstellung des Reisweins erzählt. Anschließend fuhren wir zum Saigenji Tempel, wo uns Worte aus den buddhistischen Schriften vorgetragen wurden. Dann ging es zum Rathaus von Aisai, dort warteten dann auch schon unsere Gastfamilien, die wir bei der Empfangszeremonie und einem gemeinsamen Abendessen näher kennenlernten. Hier überraschte mich meine „Gastschwester“ mit sehr guten Deutsch-Kenntnissen, was das alltägliche miteinander doch sehr vereinfachte. Auch in Aisai kam keine Langeweile auf. Es ging zum Kyudo, dem Bogenschießen mit einem traditionellen japanischen Langbogen, wo mit der richtigen Technik und auch etwas Glück mancher Pfeil ins Schwarze traf. Bei der Regatta auf einem See war wieder mehr die Kraft gefragt und beim abschließenden Rennen konnten wir unsere Ruderfähigkeiten unter Beweis stellen. Was natürlich nicht fehlen durfte war ein weiterer Tempel, um genau zu sagen, ging es zum Nagoya Castle, Hierbei handelt es sich um eine sehr beeindruckende Burg, die besonders für ihre zwei goldenen Kinshachi (金鯱) berühmt ist. Dies sind stilisierte Delfine, die an den Giebeln des Hauptdaches angebracht sind. Sie sind gleichzeitig Symbol der Stadt Nagoya. Hierzu passte dann auch noch der Besuch des Aquariums von Nagoya, daß neben Orkas und Schildkröten, auch eine Delfin-Show zu bieten hatte. Am letzten Abend gab es dann wieder eine tolle Sayonara-Party, dies hieß Abschied nehmen von Aisai und bedeutete das nun noch die letzte Station unserer kleinen Rundreise auf uns wartete: Tokyo, eine Weltmetropole und die Hauptstadt Japans.

 

Tokyo:

Bei der Ankunft in der Hauptstadt wurden wir sogleich von den vielen neuen und gigantischen Eindrücken geflasht. Riesige Wolkenkratzer, unter anderem der höchste Fernsehturm der Welt, ein Straßenverkehr, bei dem man sich wundern muss das überhaupt was voran geht und wo man auch hinschaute wuselte es vor lauter Menschen wie in einem Ameisenhaufen. Im Hotel gab es dann ein großes Wiedersehen mit den anderen Gruppen, bevor wir uns in die Menschenmassen stürzten und einen Tag mit Shopping und SightSeeing in dieser nie ruhenden Stadt verbrachten. Zum Abschluss gab es dann im Hotel noch eine riesen Feier, bevor am nächsten Tag  unser Flieger wieder zurück in die Heimat ging. Und abschließend lässt sich sagen: „Wir haben viel erlebt und gesehen, haben neue Freundschaften geschlossen, sind in diesen 2,5 Wochen zu einem super Team zusammen gewachsen und hatten bei allem auch immer richtig viel Spaß.“

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