Gut Holz!

Junge Kegler. Ein Widerspruch in sich? Ganz im Gegenteil sagen Pascal Weidl, 23, Florian Oker, 28 und Manuel Benz, 24. Die Drei sind Sportkegler beim SVH Königsbronn und erzählen
von der Komplexität des Spiels, den schönsten Erlebnissen und wie sie mit Klischees umgehen. Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Kegeln und Bowling zwei verschiedene Welten sind. „Es gibt gravierende Unterschiede“, so Weidl. „Beim Kegeln werden 9 Kegel als Raute aufgestellt, beim Bowling hingegen 10 Pins als Dreieck. Die Kugeln sind beim Kegeln außerdem gleich groß und gleich schwer, beim Bowling zwar gleich groß, aber unterschiedlich schwer.“ Ob Kegeln und Bowling das Gleiche ist, ist eine der häufigsten Fragen, die einem Sportkegler gestellt werden, erzählt der 23 –Jährige.

Kegeln, die Regeln:

Florian Oker erklärt, worum es bei einem Sportkegel Turnier generell geht: „Es geht darum, mit einer bestimmten Anzahl von Würfen innerhalb einer festgesetzt und beschränkten Zeitspanne so viele Kegel wie möglich zu treffen bzw. umzuwerfen.“ Wie die Punkte zustande kommen und zusammengezählt werden, erklärt Pascal Weidl: „Gespielt wird der Modus „120 Wurf kombiniert“. Das heißt. 120 Wurf, 4x 30 Wurf, 1x 15 in die Vollen und 1×15 Abräumen. In die Vollen bedeutet, dass nach jedem Wurf wieder alle Kegel aufgestellt werden im Gegensatz zum Abräumen, hier wirft man so lang, bis der letzte Pin getroffen ist. Gespielt wird in der Regel über 4 Kegelbahnen. In einem Duell werden somit 4 Sätze ausgespielt. Ähnlich wie beim Tennis. Nach 30 Wurf werden die umgeworfenen Kegel zusammengezählt. Manuel Benz erläutert: „Erzielt man mehr Holz als der Gegner, bekommt man einen Satzpunkt pro Bahn. Wurden 3 Satzpunkte errungen, bekommt man einen Mannschaftspunkt. Gespielt wird mit 3 Paarungen und jeweils 2 Spielern pro Mannschaft. Wer am Ende mehr Mannschaftpunkte erkämpft und die höhere Holzzahl hat, gewinnt das Spiel.
Soweit die Theorie des Spiels. Doch wie kommt man zum Sportkegeln?

„Durch meinen Vater, der schon sehr lange sehr erfolgreich kegelt und früher regelmäßig zu den besten 12 Spielern Deutschlands gezählt wurde. Durch seine aktive Laufbahn in der 1. Bundesliga bei Ravensburg wurde ich für den Sport begeistert und bin somit seit meinem 8. Lebensjahr aktiv dabei.“, so Oker. Auch bei Manuel Benz ist das Kegeln Familientradition: „Mein Vater, meine Mutter, mein Opa und meine Oma haben schon gekegelt. Somit ist mir der Sport praktisch in die Wiege gelegt worden. Als kleines Kind war ich oft auf Wettkämpfen als Zuschauer dabei und jetzt spiele ich seit 2 Jahren selbst.“

Training, Fitness und Mentalraining

Pascal Weidl erzählt: „Da mein Vater früher kegelte und ich damals als kleiner Bub im Alter von 5 Jahren eine Menge Zeit auf der Kegelbahn beim Zuschauen verbrachte, kannte ich das alles schon. Ich habe nach den Wettkämpfen dann öfters mal selber „gemurmelt“ wenn die anderen gegessen haben. Selber angefangen habe ich dann erst viel später mit 14 Jahren. Ich habe eben zuerst Fußball ausprobiert. Das mache ich aber auch heute noch.“ Der Sport bringt das ein oder andere Klischee mit sich und Sportkegler werden häufig danach gefragt. Die drei Mannschaftskollegen sind sich einig, viele Außenstehende meinen, es sei ein Altmännersport oder etwas für Rentner. Außerdem meinen viele, dass das Kegeln ein Kneipensport ist und man sich nur „zur Gaudi“ trifft, so Benz. „Aber das hier ist Sportkegeln mit mindestens 2 mal Training die Woche auf der Kegelbahn.“, erläutert Weidl. „Dazu kommt noch was für die körperliche Fitness und ein wenig Mentaltraining schadet keineswegs. Wir treffen uns nicht ein mal die Woche und spielen um ein Bier. Aber wenn wir ein Spiel gewinnen, wird das natürlich gefeiert! Manche behaupten auch, dass Kegeln ein Wirtshaussport oder Kneipensport sein soll. Das liegt aber denke ich mal daran, dass es Viele eben nicht anders kennen. Beim Sportkegeln ist das nicht der Fall. Striktes Alkoholverbot während den Wettkämpfen für die Spieler!“

Das klingt alles in allem nach einem starken Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Mit einem Kader von 14 Keglern in der ersten und zweiten Mannschaft sind alle Altersgruppen von 23 bis 52 vertreten. „Jegliche Charaktere einer Familie sind enthalten, fürsorgliche Vater-Figuren, Brüder, seltsame Onkels, alles in allem eine super Atmosphäre.“ sagt Florian Oker. „Das Verhältnis ist sehr kumpelhaft, aber auch familiär.“

Die Atmosphäre passt, das Sportkegeln an sich ist etwas für Kopf und Physis. Wie könnte man darauf aufbauen und den komplexen Sport für jüngere Generationen attraktiver machen und das Bild nach Außen hin verbessern? Für Pascal Weidl wird hier bereits viel getan: „Ich denke, durch das neue Spielsystem ist der Kegelsport um einiges attraktiver geworden. Ein großes Problem ist eher, dass einige gar nicht wissen, dass es so etwas noch gibt. Z.B. eine Bundesliga eine Weltmeisterschaft oder gar eine Champions League. Attraktiver geht es doch nicht oder?“ Manuel Benz sieht diese Frage eher kritisch: „Das ist schwierig, weil Kegeln eben eine Randsportart ist. Wir machen jedes Jahr ein Kinderferienprogramm von der Gemeinde aus. Das Interesse hierbei ist groß und die Kinder sind begeistert, allerdings bleibt es dabei, da die Kinder meist schon populäreren Sportarten wie z.B Fußball nachgehen.“ Florian Oker hat Ideen, die zur Lösung führen könnten: „Der Teamgeist und sonstige Aktivitäten des Vereins sollten bewusster gemacht werden und die Motivation könnte durch kleinere Veranstaltungen gesteigert werden. Mit Wettbewerben und weiteren gesonderten Maßnahmen könnte man die Professionalität intern steigern, beispielsweise mit Trainingslagern, Gruppenmaßnahmen, gemeinschaftlichen Leistungstrainings im Bereich Cardio etc. und diese nach außen hin präsentieren.“

Die schönsten Erfahrungen

Zum Abschluss erzählen die drei Sportkegler noch von ihren schönsten Erlebnissen, die sie zusammen mit ihrer Mannschaft erleben durften. „Ich spielte mein schlechtestes Spiel, doch nach meinem Durchgang hatte jeder aufmunternde Worte für mich. Danach in der Kabine feierten wir trotzdem zusammen, obwohl wir das Spiel verloren hatten und der Aufstieg für uns somit ausblieb“, so Benz. Für den 23-jährigen Pascal Weidl ist es eher schwer sich für ein Erlebnis zu entscheiden. „Eigentlich ist das Schönste, dass man weit herum kommt und immer neue Leute kennenlernt. Es ist allerdings ein grandioses Gefühl, wenn man auf der Kegelbahn steht und es schafft einen Wurf wie den anderen zu spielen und dich deine Mitspieler und die Zuschauer lautstark unterstützen.“ Glasklar ist die Entscheidung für Florian Oker: „Die Aufstiegsfeier in die zweite Liga und das erste Spiel in der ersten Mannschaft waren für mich ein Highlight.“

Für mich bleibt als Fazit, dass das Sportkegeln eindeutig unterschätzt wird, zumindest gesellschaftlich gesehen. Die Spieler kämpfen um jeden Pin, unterstützen sich gegenseitig mit Liedern und Sprüchen, wobei natürlich auch die Fans lautstark helfen. Beim Spiel erkennt man die hohe Konzentration und die hohen Erwartungen der Spieler an sich selbst. Eindeutig einen Besuch wert!

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