Über Stock und über Steine

Antje Alt ist Crossläuferin. Die 18-Jährige Leichtathletin ist erfolgreich in ihrer Sportart und gewann diesen Winter die Baden-Württembergischen Meisterschaften der Damen unter 20 für ihren Verein die LG Brenztal. Die Herbrechtingerin trainiert mehrmals die Woche mit ihrem Trainer. Crosslaufen? Was ist denn das eigentlich genau? Der Name verrät zugegebener Maßen schon viel, im Interview erklärt Antje den Rest.

 

Das Crosslaufen ist ein relativ unbekannter Sport. Wie muss man sich das dann genau vorstellen? Läuft man wirklich Querfeldein durch den Wald?

Das kommt darauf an, wie ein Veranstalter das Crosslaufen interpretiert und wie sehr er die Strecke als „echten“ Crosslauf gestaltet. Insgesamt sind Crossläufe einfach spannender als Bahnwettkämpfe, weil jede Strecke anders ist. Manche Crossläufe finden komplett auf Waldwegen statt, bei anderen wird auf einer Wiese eine Strecke abgesteckt. Das ist dann schon sehr Cross. So war das auch bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften. Da ging es richtig durch anspruchsvolles Gelände. In den Tagen davor hatte es auch noch eine ganze Menge geregnet und alles war aufgeweicht. Die Strecken variieren zwischen vier bis fünf Kilometer Länge.

 

Gibt es bei einem Lauf, unter solchen Bedingungen, dann auch mal Verletzungen und umgeknickte Knöchel?

Man muss natürlich deutlich konzentrierter laufen um Verletzungen zu vermeiden. Der ein oder andere Läufer kommt auch mal ins Straucheln, aber man zieht ja Spikes an. Die haben beim Crosslauf auch bedeutend längere Dornen als sonst, damit man speziell bei solchen Bedingungen besseren Halt hat.

 

Da bekommt man ja Angst, dass jemand einem mit den Spikes auf den Fuß tritt.

Das kommt eigentlich nicht vor. Angst muss man deshalb keine haben. Ich habe mich selbst bei einem Crosslauf noch nie verletzt. Beim Laufen gibt es ja auch ganz allgemein eine relativ kleine Verletzungsgefahr, wenn man alles richtig macht.

 

Wie bist du selbst zum Crosslaufen gekommen?

Der Crosslauf ist ja ein Teil der Leichtathletik und die betreibe ich schon seit sehr vielen Jahren. In den letzten Jahren habe ich mich dann zunehmend auf die Mittelstrecke und den Hindernislauf spezialisiert. Im Winter kann man dann neben dem Training im Stadion auch gut Crossläufe machen. Mir hat das immer gut gefallen und dann war es selbstverständlich, dass ich auch bei diesen Wettbewerben laufe.

 

Laufen ist ja weniger ein Mannschaftssport. Wie ist das bei euch im Training bei der LG Brenztal, gibt es da einen Teamzusammenhalt?

Es läuft natürlich jeder für sich alleine und im Wettkampf zählt auch meistens nur die Einzelleistung, aber im Training kann man sich gegenseitig gut motivieren und pushen. Deshalb versucht man natürlich so oft es geht in der Gruppe zu trainieren. Ich glaube ohne Trainingspartner, wäre man auch weniger erfolgreich und nicht so schnell. Beim Crosslauf gibt es außerdem auch eine Mannschaftswertung die zusätzlich motiviert, das steigert den Teamzusammenhalt.

 

Wie sieht denn eine Trainingseinheit bei euch aus?

Man läuft sich als erstes warm. Dann kommt es darauf an, was man an dem Tag trainieren möchte. Einen Dauerlauf, Tempoläufe oder vielleicht auch kurze Sprints oder Krafttraining. Jedes Training sieht da unterschiedlich aus. Ich trainiere im Schnitt vier bis fünf Mal pro Woche. Dabei konzentriere ich mich vom Trainingsaufbau her auf die Mittelstrecke. Im Winter kommt dann der Crosslauf dazu.

 

Ist das Crosslaufen also eher eine Wintersportart?

Ja genau. In der Leichtathletik ist es so: In der Sommersaison läuft man die Wettkämpfe im Stadion. Im Winterhalbjahr sind dann die Crossläufe neben den Hallenwettkämpfen eine schöne Abwechslung.

 

Du gehst in die Oberstufe des Buigen-Gymnasiums. Wie lassen sich vier bis fünf Trainingseinheiten pro Woche mit der Schule vereinbaren?

Im Grunde macht das keine Probleme. Mit einem guten Zeitmanagement passt das schon. So viel Zeit nimmt der Sport auch nicht in Anspruch, wenn man sein Training gut organisiert. Man hat vielleicht nicht ganz so viel Freizeit, aber das nehme ich in Kauf.

 

Wie läuft ein gewöhnlicher Wettkampftag für dich ab?

Die Vorbereitung beginnt schon am Tag zuvor, damit steigt auch schon etwas die Aufregung. Nach der Anreise am Wettkampftag schaut man sich die Strecke erstmal an, um sich zu orientieren. Ungefähr eine Stunde vor dem Start beginne ich mit dem Warmlaufen. Kurz vor dem Start schlägt das Herz dann schon etwas schneller. Dann erfolgt der Startschuss und der Lauf beginnt. Man ist voll Konzentriert und gibt alles. Nach dem Rennen wird dann nur noch ausgelaufen. Im Idealfall gibt es noch eine schöne Siegerehrung, bei der die Leistung gewürdigt wird.

 

Unterstützen dich deine Eltern bei deiner Sportart?

Ja meine Eltern fahren mich auf Wettkämpfe und unterstützen mich natürlich sehr. Mein Vater ist ja auch mein Trainer, dann passt das ganz gut und erleichtert einiges. (lacht).

 

Und Freunde und Mitschüler, wissen die überhaupt was Crosslaufen ist?

Ja ich glaube schon, dass die meisten eine Ahnung haben. Aber das ist jetzt nicht so ein Thema. Ich erzähle auch nicht besonders viel von meinem Sport.

 

Wie war das Gefühl als du ins Ziel bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften eingelaufen bist?

Es war auf jeden Fall eine Erleichterung, als ich ins Ziel gekommen bin. Weil aber unterschiedliche Altersklassen dabei waren, war ich mir nicht sofort sicher, ob ich gewonnen hatte. Dass ich meine direkten Gegnerinnen aber hinter mir gelassen hatte, wusste ich. Also war ich schon ziemlich glücklich. Direkt nach dem Lauf ist man dann auch nicht sehr erschöpft, da überwiegt die Freude und die Euphorie.

 

Hast du mit dem Titel gerechnet?

Die Platzierung bei einem Crosslauf ist allgemein viel offener als zum Beispiel bei einem 800-Meter-Lauf auf der Bahn. Da kann man sich meistens schon an den Bestzeiten der Gegner orientieren und die Konkurrenz einschätzen. Im Teilnehmerfeld waren zwei besonders starke Konkurrentinnen. Ich wusste das es sehr schwer sein würde da dran zu bleiben, aber eine Chance hatte ich immer. Der Sieg war natürlich trotzdem eine Überraschung für mich.

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