Wer braucht schon Fußball?

Viele Jungs und Männer würden ihre Hand für den Fußball ins Feuer legen. Wir haben acht Nicht-Fußballer aus dem Kreis mal gefragt, warum ihnen ihre Sportart besser gefällt.

Lukas Wenzel, 16 Jahre

Lukas Wenzel_Schwimmen_Oli Vogel
„Ich schwimme im Verein, seit ich sechs Jahre alt bin. Ich schaue mir gern die FCH-Spiele im Fernsehen an, schwimme aber lieber, statt Fußball zu spielen. Und zwar weil Schwimmen ein sehr gesunder Sport ist, bei dem ich Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Kondition trainieren kann und das alles fast ohne Verletzungsrisiko. Bei einigen nationalen und internationalen Wettkämpfen traf ich bereits auf namhafte Schwimmer, welche bei Olympia oder Weltmeisterschaft am Start waren. Es ist besonders spannend, wenn diese Schwimmer in derselben Lage schwimmen wie man selbst, wenn auch deutlich schneller. Schön im Schwimmsport finde ich auch, dass man sowohl als Einzelsportler an den Start gehen kann, es aber auch Mannschaftswettkämpfe und Staffelwettbewerbe gibt, bei denen es auf jeden Schwimmer ankommt. Dieses Teamgefühl ist toll. Bei den Staffeln ist es außerdem sogar möglich, eine Mixed-Staffel zusammen mit Mädchen zu bilden, was im Fußball auch nicht möglich ist.“

Jordanis Konstantinidis, 18 Jahre

Jordanis Konstantinidis_Teakwondo_privat
„Mir gefällt Taekwondo mehr als Fußball, da ich der Meinung bin, dass ich in diesem Sport für jeden Erfolg und jede Niederlage selbst verantwortlich bin. Auf das Taekwondo bin ich durch meinen Vater gestoßen, weil er einen Trainer für Taekwondo von der Arbeit kannte. Ich finde, dass man für jeden Fortschritt hart kämpfen muss und nichts geschenkt bekommt. Da Taekwondo in Deutschland und auch in vielen anderen Ländern kaum verbreitet ist, ist es umso schwerer, sich zu etablieren und etwas zu erreichen. Einzigartig macht meinen Sport die Art an Talent die man benötigt, um auf internationalen Turnieren erfolgreich zu sein. Fußball können viele Menschen gut bis sehr gut spielen, von Taekwondo kann das höchstens nur die Hälfte behaupten. Ich fühle mich geehrt, dass ich solch eine Sportart auf hohem Niveau ausüben kann, und würde gerne mein Hobby zum Beruf machen, was allerdings kaum möglich ist.“

Johannes Kastler, 23 Jahre

Johannes Kastler_Turnen_Kreuzhang_privat
„Ich habe mit dem Turnen schon als kleines Kind angefangen. Meine Eltern sind Trainer und haben mich immer mit in die Halle genommen (an dieser Stelle: vielen Dank). Wir waren im Training eine Gruppe von fünf bis acht Jungs, doch die Gruppe wurde schnell kleiner. Als ich 14 war, waren nur noch mein kleiner Bruder und ich übrig. Als Junge hat man es in der Pubertät als Turner nicht so leicht, da es oft heißt, der Sport sei nur was für Mädchen. Die meisten revidieren ihre Aussage später wieder, wenn sie sehen, was man alles an den Geräten machen kann. Am Turnsport fasziniert mich die Vielfältigkeit und Körperlichkeit. Wer eine Grundlagenausbildung im Turnen hat, tut sich in anderen Sportarten leichter, da die körperlichen Voraussetzungen perfekt geschaffen werden. In keiner anderen Sportart werden so viele Muskeln des Körpers angesprochen wie durch die sechs verschiedenen Geräte im Turnen. Das Königsgerät, das Reck, verlangt alles von einem Turner ab – Kraft, Ausdauer und vor allem Mut. Die Stange loszulassen, zu fliegen, wieder zu fangen, und nach dem Doppelsalto als Abgang sicher zu stehen, ist eines der geilsten Gefühle. Oder nach einem intensiven Krafttraining an den Ringen die Arme nicht mehr über Schulterhöhe heben zu können – das macht meinen Sport so einzigartig. Geld verdienen kann man mit diesem Sport leider nicht. In vergleichbaren Leistungsklassen im Fußball und Handball werden Spieler schon im Jugendbereich bezahlt. Der Trainingsaufwand steht jedoch in keinem Verhältnis zueinander. Ich trainiere zurzeit fünf Mal pro Woche je zwei bis zweieinhalb Stunden und gehe zusätzlich noch ins Fitnessstudio. Der Spruch: „Wenn Turnen einfach wäre, würde es Fußball heißen“ ist also nicht nur eine Floskel, sondern es steckt ein ganzes Stück Wahrheit dahinter.“

Jan Andersen, 14 Jahre

Jan Andersen_ Nordische Kombination_privat

„Ich finde, dass die Nordische Kombination viel cooler als Fußball ist. Es ist ein sehr abwechslungsreicher Sport, bei dem es um spezielle Fähigkeiten wie Kondition, Koordination, Gleichgewicht, Sprungkraft, Schnellkraft, Ausdauer, Körperbeherrschung und Fluggefühl geht. Diese Fähigkeiten sind alle perfekt aufeinander abgestimmt, um zum einen die größtmögliche Weite zu erreichen, und zum anderen genau zum richtigen Zeitpunkt für den Lauf alles Nötige abrufen zu können. Die Mischung aus Skispringen und Langlaufen ist der perfekte Ausgleich. Bei uns in der Region spielt ja jeder zweite Jugendliche Fußball, was bei der Nordischen Kombination ganz anders ist. Diesen Sport betreibt nicht jeder und das macht es zu einer sehr einzigartigen Sportart. Das Coolste jedoch beim Skispringen ist das Fliegen, wenn man den Boden unter den Füßen verliert. Und wann fliegt man denn schon einmal beim Fußball? Außer auf die Nase. Beim Langlaufen finde ich die Geschwindigkeit am besten, wenn es mal richtig zur Sache geht. Die Nordische Kombination ist jedoch nichts für Weicheier, wie man sie im Fußball oft findet. Da verletzen sich die Spieler am kleinen Finger und bleiben oftmals reglos am Boden liegen. So etwas findet man bei uns nicht, all das macht es zu der coolsten Sportart die ich kenne.“

Dominik Feil, 16 Jahre

Dominik Feil_Baseball_privat
„Ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr Baseball bei den Heidenheim Heideköpfen. Damals habe ich an einem Ferienprogramm „Sport trifft Wissenschaft“ der Stadt Heidenheim teilgenommen. Mit dabei war auch Klaus Eckle, der Manager der Heidenheim Heideköpfe, der uns diesen Sport vorgestellt hat. Ich war total begeistert und habe schon in der darauffolgenden Woche mit dem Vereinstraining begonnen. Bereits ein Jahr später habe ich mit dem Schülerteam der Heideköpfe den dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft errungen. Seither bin ich mit dem Baseballsport weit herumgekommen. Ich war bei Turnieren und Camps in Prag und Italien, mit der Deutschen Baseball Akademie in der Dominikanischen Republik und in Südkorea, habe mit einer Europaauswahl ein internationales Turnier in St. Louis/USA gewonnen und im letzten Jahr als Catcher der deutschen Jugend-Nationalmannschaft den dritten Platz bei der Europameisterschaft in Frankreich geholt. Es ist die Vielseitigkeit, die den Baseball interessant macht: Athletik, technische Fertigkeiten und mentale Stärke sind gleichermaßen gefordert.“

Benedikt Bassmann, 24 Jahre

Benedikt Bassmann_Kunstrad_privat
„Kunstradfahren ist cooler als Fußball, weil wir Glitzerleggings tragen dürfen. Nee, Spaß beiseite! Kunstradfahren ist echt cool, weil man so viele verschiedene Fähigkeiten dafür benötigt. Nur mit Gleichgewicht ist es noch nicht getan, auch Kraft, etwas Beweglichkeit und eine sehr gute Koordination gehören dazu. Und außerdem, wer kann schon auf dem Sattel seines Fahrrades stehen?“

Sascha Baß, 18 Jahre

Sascha Baß_Leichtathletik_privat
„Meine Sportart ist cooler als Fußball, weil Leichtathletik beziehungsweise das Laufen einem das Gefühl gibt, sich frei zu fühlen. Während dem Laufen entspannt man sich und vergisst mal alle Probleme. Wenn man in einer Gruppe trainiert, feuert man sich während des Trainings gegenseitig an und das gibt einem nochmal die Kraft für den letzten Endspurt. Das beste Gefühl ist, wenn man im Sommer auf der Tartanbahn mit Spikes Sprinttraining macht!“

Niklas Multerer, 29 Jahre

Niklas Multerer_Fechten_Oli Vogel

„Ich finde es schön, wenn Menschen ihre Sportarten aus Überzeugung betreiben und dies für sich selbst und den Spaß am Sport machen. Ich würde keine Sportart cooler als die andere bezeichnen, jede hat ihre eigenen Reize. Jedoch stört mich die überdimensionale Aufmerksamkeit für den Fußball und das finanzielle Ungleichgewicht. Ich habe das Gefühl, das vor allem Sportarten gefördert werden, mit denen man über die Medien die meisten Menschen erreicht. Wie viel Arbeit und Erfolg andere Sportarten leisten, scheint kaum noch eine Rolle zu spielen. Das finde ich schade. Meine Sportart ist das Fechten. Ich habe sie mir bei einem Anfängerkurs angeschaut und weil es mir so viel Spaß gemacht hat, bin ich dabei geblieben. Mir gefällt daran, dass es keine monotone, sondern sehr vielfältige Sportart ist. Der Erfolg ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und schwer vorhersagbar. Die Herausforderung liegt darin, im Training die richtige Mischung für die Arbeit an den verschiedenen Faktoren zu finden und dann am Tag X die volle Leistungsfähigkeit abrufen zu können. Man braucht die richtige Technik, die richtige Taktik und Ideen, wie man seinen Gegner hereinlegen kann. Je weiter man kommt, desto wichtiger werden auch Fitness und Psychologie. Nach fast 20 Jahren in dieser Sportart habe ich viel über mich und für mein Leben lernen können. Ich bin froh, mich für das Fechten und nicht für eine andere Sportart entschieden zu haben, auch wenn ich mir manchmal andere Rahmenbedingungen wünsche.“

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