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Die Fridays for Future Demonstrationen, die Minimalismus-Bewegung oder auch der Veganismus-Trend: Zu Zeiten der Klimaerwärmung und zunehmenden Umweltverschmutzung scheint das Thema Nachhaltigkeit hochaktuell.

Der Ernst der Lage ist klar, aber wie kann man als einzelne Person aktiv werden und etwas verändern, wenn man nun einmal auf sein Auto angewiesen ist, Plastikverpackungen im Supermarkt kaum vermeiden kann und man Fleisch und weitere tierische Produkte zu gerne mag, um darauf zu verzichten? Hier ein einfacher und zudem sehr preiswerter Vorschlag: Kleidung Second Hand kaufen.

Umweltschutz und die Bekleidungsindustrie

Was an Kleidung schädlich für die Umwelt ist? Für die Herstellung werden zahlreiche Ressourcen benötigt. Baumwolle muss angebaut und bewässert, mit Pestiziden besprüht, geerntet  und daraufhin weiterverarbeitet werden. Der Weg vom Anpflanzen der Baumwolle bis zum T-Shirt im Laden ist lang. Für die Herstellung einer Jeans wird zum Beispiel durchschnittlich eine Wassermenge von 8000 Litern benötigt. Das entspricht in etwa 53 gefüllten Badewannen. Dazu kommt, dass die meiste Kleidung außerhalb von Europa in Billiglohnländern des Globalen Südens produziert wird und so einen langen Weg zurücklegen muss, bis sie in den Schaufenstern der Schlossarkaden ausgestellt werden kann. Abgesehen von den großen Mengen an CO2, die auf diesem Weg verbraucht werden, spielt hier auch der Aspekt der sozialen Nachhaltigkeit eine Rolle: Die meiste Kleidung wird unter miserablen Arbeitsbedingungen und Löhnen angefertigt.

Im Hinblick auf das Umweltschutz-Thema wäre es kurz gesagt also schade, jede Saison neue Kleidung zu kaufen und die älteren Kleidungsstücke im Schrank verkommen zu lassen oder sogar wegzuwerfen. Wer eine neue Hose braucht kann demnach, bevor er in einen Laden geht, erst einmal auf Flohmärkten stöbern oder, etwas bequemer, auf online-Plattformen wie Kleiderkreisel suchen. Und wer merkt, dass sein Kleiderschrank aus allen Nähten platzt oder Kleidung hat, die er überhaupt nicht mehr trägt, kann in Betracht ziehen, sie im Internet zu verkaufen oder eine Kleidertauschparty mit seinen Freunden veranstalten.

Second Hand  – aber wie und wo?

Aber Second Hand Kleidung  sieht doch sicherlich total altbacken, ökomäßig und zerlumpt aus? Von wegen! Wer weiß, wo er suchen muss, findet stylische Teile und Einzelstücke zu Preisen, die dazu noch schonend für den Geldbeutel sind. Orte, an denen man fündig werden kann, sind zum Beispiel Flohmärkte, Kleidertauschpartys, Second-Hand-Läden oder auch Internetseiten wie Kleiderkreisel und eBay.

In der Hinteren Gasse in Heidenheim befindet sich zum Beispiel seit sieben Jahren der Second-Hand-Laden Sieben Zwerge, der sich auf Gebrauchtes für Kinder spezialisiert hat. Von Dienstag bis Samstag ist der Laden besetzt, alles rein ehrenamtlich. Martina Maier ist von Anfang an dabei. „Bei uns können die Leute das ganze Jahr über Sachen abgeben“, erklärt die 69-Jährige. Und: „Zu uns kann wirklich jeder kommen.“ Viele der Menschen, die in den Laden kommen, seien auf die angebotene finanzielle Entlastung angewiesen. Das habe in der Vergangenheit teilweise Menschen abgeschreckt, die nicht darauf angewiesen sind. Doch mittlerweile, so betont es Maier, sei das Thema Second-Hand schon viel breiter akzeptiert. „Inzwischen kommen auch Bekannte von mir hier her“, erzählt Isolde Barwig-Haag, die ebenfalls in dem Laden arbeitet. „Es wäre auch einfach schade drum. Unsere Kleidung hier ist in einem optimalen Zustand. Hier fängt die Nachhaltigkeit an.“

Kleiderkreisel ist eine online-Plattform, auf der man einen Account anlegen kann, um Kleidung zu verkaufen, kaufen oder auch zu tauschen. Das Prozedere funktioniert recht unkompliziert: Das gewünschte Kleidungsstück lässt sich ganz einfach über die Suchfunktion finden. Die Verkäufer laden zu ihren Klamotten Bilder hoch und sind auch dazu verpflichtet anzugeben, in welchem Zustand diese sich befinden. Findet man ein Teil, das einem zusagt, kontaktiert man den Verkäufer, vereinbart eine Zahlungsmethode und wenige Tage später bekommt man es per Post zugeschickt. Wohnt der Verkäufer in der Nähe, besteht auch die Möglichkeit, das Kleidungsstück persönlich abzuholen. Ein kleiner Tipp: Bei Kleiderkreisel werden oft noch ungetragene Schuhe, die gekauft wurden und dann doch nicht passen, zu geringen Preisen angeboten.

Wer ein paar Klamotten loswerden will, sich gleichzeitig aber gerne neu einkleiden würde, ist auch auf einer Kleidertauschparty genau richtig. Wann und wo eine stattfindet, erfährt man meist über Flyer oder Social Media. Zum Treffen bringt man dann ein paar Kleidungsstücke mit und kann dort herumstöbern und mitnehmen, was einem zusagt.  Findet man keine Kleidertauschparty in der Nähe, kann man aber auch problemlos selbst seine Freunde zusammentrommeln und so untereinander Kleidung tauschen.

Und wie man herausfindet, wann ein Flohmarkt in der Nähe stattfindet? Auch hier ist das Internet eine große Hilfe. Auf marktcom.de kann man Flohmärkte im Umkreis recherchieren. Ansonsten lohnt es sich aber auch, auf Autofahrten die Augen offen zu halten. Oft wird mit Plakaten für die nächsten Flohmärkte in der Nähe geworben. In Heidenheim findet beispielsweise regelmäßig in den Seewiesen ein Flohmarkt statt.

Einfach ausprobieren!

Wie man sieht, gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Überproduktion und Kurzlebigkeit von Kleidung entgegenzuwirken, die sich nicht nur für die Umwelt lohnen, sondern auch für sich selbst. Für „neue“ Outfits muss man weniger Geld ausgeben und bekommt obendrauf noch die Möglichkeit, auf Flohmärkten und Kleidertauschparties neue coole Leute zu treffen. Probiert es einfach mal aus, vielleicht findet ja auch ihr euer nächstes Lieblings-T-Shirt aus zweiter Hand.

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