Abitur – und dann?

Alle Klausuren sind geschrieben, die Abschlusszeugnisse verteilt – doch längst nicht jeder Schulabgänger hat bereits einen Plan, wie es nach der Schule weitergehen soll. Vielleicht gerade deswegen, weil es so viele Möglichkeiten gibt: Reisen, arbeiten, ein FSJ – oder vielleicht doch lieber gleich studieren? NOISE zeigt sechs verschiedene Wege nach dem Abschluss, die alle die richtigen sein können.

 

 

Als Aupair nach Australien: Julia Schäufele aus Niederstotzingen hat 2013 Abi gemacht und ist nach dem Abschluss erstmal ans andere Ende der Welt gereist. Seit sie zurück ist, studiert sie Wirtschaftsmathematik an der Uni Mannheim und macht derzeit ihren Master.

Der Schulabschluss rückte immer näher, alle haben Pläne geschmiedet – aber ich wusste nicht so ganz, was ich mal machen will. Ein Studium, ja klar – aber was? Die Möglichkeiten sind schließlich fast endlos. Weil mir die Entscheidung so schwerfiel und ich auch noch andere Erfahrungen sammeln wollte, habe ich mich schließlich dafür entschieden, erst einmal ein Jahr als Aupair zu arbeiten.

Dabei wollte ich auch noch etwas von der Welt sehen, ins Ausland – und möglichst weit weg von zu Hause sein. Also stand schnell fest: Ab nach Australien! Klar, ich hätte dort auch Work & Travel machen können: Dabei kommt man mehr rum. Allerdings war es mir wichtig, feste Bezugspersonen zu haben.

Als Aupair habe ich mich in meiner australischen Familie um die Kinder gekümmert und auch vieles im Haushalt erledigt. Dadurch lernt man das Leben dort hautnah kennen und gehört wie ein richtiges Familienmitglied dazu. Außerdem bin ich dort selbstständiger geworden und habe gelernt, Verantwortung zu übernehmen – nicht nur für mich selbst, sondern auch für andere.

Das wichtigste war aber, dass ich ein Jahr Zeit hatte, mir darüber klar zu werden, wie meine Zukunft aussehen soll. Weil ich Zahlen liebe, habe ich mich dann für den Studiengang Wirtschaftsmathematik an der Uni Mannheim beworben. Ein Jahr zuvor hätte ich mir das noch gar nicht zugetraut: Durch das Auslandsjahr habe ich auch an Selbstbewusstsein gewonnen.

 

 

Praxis statt Theorie: Viktor Rimer hat sich nach dem Abi gegen ein Studium entschieden und zunächst eine Ausbildung gemacht.

 

Nach dem Abi hatte ich erstmal die Nase voll vom Lernen – und auch nicht so richtig Lust auf ein Studium. Ich wollte etwas Praktisches machen, hatte schon immer Spaß am Werkeln und entschied mich deswegen für eine Ausbildung zum Industriemechaniker.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung und währenddessen habe ich dann auch gemerkt, dass mich der Fachbereich zwar sehr interessiert, meine täglichen Aufgaben mir jedoch nicht genug Reiz bieten. Und mir standen ja nach wie vor alle Türen offen: Also habe ich nach der Ausbildung begonnen, Maschinenbau zu studieren.

Klar hätte ich das auch gleich machen können. Doch so wusste ich mit Sicherheit, dass mich dieser Beruf interessiert. Und im Studium war es wirklich hilfreich, bereits praktische Erfahrungen gemacht zu haben, diese nun mit der Theorie zu verknüpfen und meine Kenntnisse so zu vertiefen. Während dem Studium habe ich außerdem in meinem Ausbildungsbetrieb gearbeitet, was mir sehr weitergeholfen hat. Allerdings muss ich zugeben, dass es zu Beginn des Studiums ziemlich hart war, sich wieder ans Lernen zu gewöhnen.

Für mich war es auf jeden Fall der richtige Weg, zunächst eine Ausbildung zu machen. Wer bei der Berufswahl unsicher ist, sollte sich das ebenfalls überlegen: Eine Ausbildung ist wie ein Wegweiser für die Zukunft. Außerdem hat man danach bereits einen Abschluss vorzuweisen und weniger Druck, falls es mit dem Studium doch nicht klappen sollte.

 

 

Auf ins Studium: Kathrin Schuler hat 2013 Abitur gemacht und dann zum Wintersemester angefangen, Politikwissenschaft und Geschichte zu studieren. Seit 2017 arbeitet sie bei der Heidenheimer Zeitung.

Nach der Schule gleich studieren? Klingt erstmal langweilig, wo es doch mittlerweile Standard zu sein scheint, erstmal dies und jenes auszuprobieren oder einfach mal zu chillen.

Ich konnte es kaum erwarten, dass nach der Schule endlich das „richtige“ Leben losgeht. Trotzdem wusste ich nach dem Abi nicht sofort, wie es weitergehen soll – fest stand für mich nur, dass ich später mal bei einer Tageszeitung arbeiten möchte. Ein Studium sollte es sein – aber bloß nicht Journalismus. Mit meiner Fächerkombination aus Geschichte und Politikwissenschaft wollte ich mir mehrere Möglichkeiten offenhalten und gleichzeitig das studieren, was mir bereits in der Schule Spaß gemacht hatte.

Weil ich nach der Schule keine endlos lange Pause bis zum Studium hatte, musste ich nicht erst wieder in den Prüfungs- und Lernalltag reinkommen: Mit dem Unterschied, dass ich jetzt nur noch das lernen musste, was ich mir selbst ausgesucht hatte. Mit Beginn des Studiums, also gleich nach der Schule, bin ich außerdem von zu Hause ausgezogen: 200 Kilometer weit weg in eine andere Stadt. Meiner Meinung nach gibt es keine bessere Möglichkeit herauszufinden, ob man auf eigenen Beinen stehen kann. Während viele andere einiges ausprobierten und trotzdem hinsichtlich ihrer Zukunftspläne nicht weitergekommen waren, rückte mein Abschluss schon in greifbare Nähe. Weil mir klar war, was ich später machen wollte, war es für mich der beste Weg, nicht rumzutrödeln sondern meine Zukunft in die Hand zu nehmen.

 

 

Erstmal arbeiten: Patrick Vetter beschloss nach dem Abitur ein Volontariat zu machen, eine Ausbildung zum Redakteur, und kam so zur Heidenheimer Zeitung.

Zwölf Jahre Schulbankdrücken und drei Monate später schon wieder in der Uni sitzen? Das war nach den vielen Stunden der Abi-Vorbereitung und den letzten Prüfungen keine schöne Vorstellung. Viele, die das genauso empfanden, suchten das Weite, reisten ein Jahr durch die Welt, um sich selbst, schöne Städte oder einen spannenden Ferienjob zu finden. Damit waren die Möglichkeiten aber nicht ausgeschöpft: Wieso nicht eine Ausbildung? Geldverdienen. Arbeitserfahrung sammeln. Eine Grundlage schaffen.

Auch ein Weg – genau der richtige. Ein Volontariat ist die Ausbildung zum Redakteur. Bei der Heidenheimer Zeitung wird man auf das Arbeiten in einer Tageszeitung vorbereitet. Und das ohne Prüfungen und das Lernen in der Berufsschule, sondern nach dem Prinzip Learning-By-Doing. Praktisch jeden Tag bestimmen ganz neue Themen und Leute das Tagesgeschäft. Schnelles Einarbeiten in verschiedenste Sachverhalte ist gefragt. Eigenständige Recherchen werden in Artikel, Interviews und Reportagen verpackt. Und meistens hat man auch die Freiheit seine Themen selbst zu wählen. Trotzdem passiert alles im behüteten Umfeld einer Ausbildung. Eine Redaktion voller Zeitungsredakteure steht mit Rat und Tat zur Seite und hilft die ersten Versuche, zeitungsreife Texte zu produzieren, in die richtige Form zu bringen.

Nach einem zweijährigen Volontariat ist der frisch gebackene „Redakteur einer Tageszeitung“ dann bereit für die Arbeit in einer Redaktion und hat in Heidenheim die verschiedenen Lokalressorts sowie die Abteilungen für Kultur und Sport kennengelernt. Außerdem werden in einer modernen Redaktion auch der Umgang mit Sozialen Medien und die Pflege einer Homepage vermittelt.

 

 

Keine Zulassung: Patricia Henning ist 24 und studiert Humanmedizin an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen im dritten Semester. Um bis dorthin zu kommen, hat sie einen langen Weg hinter sich – und nach dem Abi erstmal ein FSJ gemacht

Nach dem Abi wollte ich Medizin studieren. Das Problem war allerdings, dass mein Notendurchschnitt nicht gut genug war. Um einen Bonus zu bekommen, habe ich mich dafür entschieden, zunächst ein FSJ beim Rettungsdienst in Heidenheim zu machen –  was bis heute die beste Entscheidung meines Lebens ist.

Das FSJ ist sehr fachspezifisch und man wird dabei schnell erwachsen durch die viele Verantwortung, die man dort übernimmt. Man lernt dabei sowohl die Arbeit des Rettungsdienstes kennen als auch die Kliniken im Umkreis. Während der zwölf Monate habe ich unter anderem den Rettungswagen gefahren, Patienten im Krankentransport betreut und bei Notfalleinsätzen assistiert.

Ich würde sagen, dass ein solches FSJ nicht nur dann super ist, wenn man später mal Medizin studieren möchte. Man sammelt generell viele Erfahrungen und lernt den Beruf des Notfallsanitäters besser kennen. Auch wenn man sich noch nicht sicher ist, ob die Arbeit im medizinischen Bereich das richtige für einen ist, kann man es bei einem FSJ herausfinden.

Nach meinem FSJ habe ich auch noch eine Ausbildung zur Rettungsassistentin absolviert. Nach dem Abi dauerte es für mich so insgesamt viereinhalb Jahre, bis ich mein Studium beginnen durfte. Auch wenn ich meinen Weg nicht bereue würde ich mir wünschen, dass in den Schulen besser über Zulassungsverfahren aufgeklärt wird – und welche Möglichkeiten es gibt, seinen Schnitt zu verbessern. So hätte ich mir den langen Weg zum Studium verkürzen können.

 

Erstmal nichts wie weg: Nina Görlitz hat 2015 am Max-Planck-Gymnasium in Heidenheim Abi gemacht und sich danach erstmal eine Auszeit gegönnt. Seit Oktober 2016 studiert sie Medienkommunikation in Würzburg.

Ein Plan stand schon ganz schnell fest: Noch nicht direkt studieren zu gehen. Klingt faul, aber wie so viele wollte ich das Jahr nach dem Abschluss erst einmal dafür nutzen, um herauszufinden, wie es weiter gehen soll.

Vier Wochen Schichtarbeit im Hochsommer haben mir gezeigt, dass ein Studium und die damit verbundenen Chancen nicht selbstverständlich sind. Mein Übermut, der nach dem Abi erst einmal aufkam, wurde auf positive Art durch die stupide Arbeit mit lustigen und herzlichen Kollegen gedämpft. Die Arbeit brachte mich auf den Boden der Tatsachen und ich begriff noch mehr, welche Möglichkeiten mir mein Abi eröffnet hatte.

Im Anschluss an die Schichtarbeit folgte ich wenige Monate später dem Mainstream: Zwei Monate Neuseeland, zwei Wochen Australien. Ich war die meiste Zeit der Reise ohne Reisepartner unterwegs und auch wenn ich mir damals in manchen Momenten gewünscht hätte, eine Vertrauensperson und nicht nur Hostelbekanntschaften an meiner Seite zu haben, habe ich sehr viel aus dieser Reise mitnehmen können. Im Nachhinein würde ich Einiges anders machen: Zum Beispiel mir mehr Zeit zu nehmen, um dort richtig arbeiten zu gehen, ein Auto kaufen um nicht auf Busse und Hostels angewiesen zu sein, mehr wagen und mutiger sein.

Die Monate zurück in der Heimat habe ich mit Kellnern, Bewerbungen und Urlauben gefüllt und auf einmal hieß es dann: „Tschüss Heidenheim, hallo Studium.“

Mir hat dieses Jahr Auszeit sehr dabei geholfen herauszufinden, wie ich mir meine Zukunft vorstelle. Ich war mir sicher, dass ich gerne etwas in Richtung Ernährungswissenschaften studieren möchte. Durch die Pause zwischen Abi und Studium habe ich dann jedoch auf mein Bauchgefühl gehört, mich kurz vor knapp für etwas ganz anderes entschieden und es bis heute nicht bereut.

 

 

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