Manchmal auch einfach nur Kummerkasten

Ob Prüfungsstress, Wohnungsnot oder Zweifel am eigenen Studiengang – das Leben als Student ist nicht immer leicht. Die Studienberatung der DHBW Heidenheim kennt diese Probleme und will mit offenem Ohr für Studenten da sein. Anne Popplow und Joanna Wirth sind Ansprechpartner bei der Studienberatung, an die sich die jungen Menschen der Dualen Hochschule wenden können. Im Interview erzählen sie, mit welchen Fragen Studenten zu ihnen kommen und warum die Beratung an der DHBW persönlicher ist als an einer großen Universität.

Frau Popplow, Frau Wirth, was war das schönste oder vielleicht auch das ungewöhnlichste Erlebnis, dass Sie jemals in einer Sprechstunde hatten?

Joanna Wirth: Jede Sprechstunde ist ungewöhnlich. Eine besonders schöne Herausforderung ist für mich, wenn ganz ahnungslose Studieninteressierte in die Beratung kommen und noch gar nicht wissen, was sie wollen und ob sie überhaupt studieren wollen. Wenn sie dann nach einer guten Beratungsstunde rausgehen und sagen: Ja, jetzt habe ich tatsächlich einen Plan – das finde ich immer toll. Ungewöhnlich kann es auch sein, wenn Eltern mit ihrem Kind kommen und man nicht so recht weiß, ob das Kind wirklich beraten werden will –  Eltern dürfen sich ruhig trauen, ihre Kinder alleine zur Studienberatung zu schicken. Auch schon mit 15 oder 16 Jahren können Studieninteressierte gerne zu uns kommen.

Sie sind also gewissermaßen Vermittler zwischen den Instanzen?

Anne Popplow: Wir versuchen, neutral zu beraten und herauszufinden, was am besten für die Person ist. Unser Ziel ist es, sie auf ihr späteres Berufsleben vorzubereiten und da sollten sich Eltern, auch wenn ihnen das manchmal schwerfällt, ein Stück weit zurückzunehmen.

Dieses Vermitteln – tun Sie das auch zwischen Studenten und ihren Dozenten?

Popplow: Sehr selten. Bei uns an der Hochschule herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Das heißt, Studierende haben einen guten Draht zu den Lehrbeauftragten und wenn dann doch mal Probleme auftreten sollten, werden diese direkt besprochen. Ich persönlich musste noch nicht zwischen Studierenden und Lehrbeauftragten vermitteln.

Tun wir mal so als wäre ich Studienanfänger. Ich bin neu in der Stadt, ich habe mein Elternhaus zum ersten Mal verlassen und weiß nicht wohin. Mit welchen Fragen komme ich auf Sie zu?

Wirth: Es ist eigentlich gar nicht so, dass die Erstsemester-Studierenden zu uns kommen. Hauptsächlich beraten wir Studieninteressierte und Schüler vor Studienbeginn. Studienanfänger selbst kommen eher selten. Durch unser Kurssystem lernen sich die Studierenden schnell kennen, sehen sich täglich in der gleichen Gruppe und schließen rasch Freundschaften. So können die Studierenden sich untereinander austauschen und voneinander lernen.

Popplow: Zudem bekommen die Studierenden gleich zu Beginn des Studiums Informationen an die Hand, in denen sie auch wirklich nochmal alles gezielt nachlesen können.

Foto: stock.adobe.com/bluedesign

Wer kann eigentlich alles die Beratung in Anspruch nehmen?

Popplow: Zu uns kann natürlich jeder Studieninteressierte und Studierende kommen, der Gesprächsbedarf hat.

Wirth: Wir gehen auch viel an Schulen und informieren vor Ort. Oder bekommen Anfragen von Lehrern, die wissen wollen, welche Möglichkeiten es bei uns für ihre Schüler gibt. Grundsätzlich versuchen wir immer offen zu beraten. Wenn wir sehen, ein Studieninteressierter ist vielleicht doch gar nicht so studieninteressiert, oder eine Ausbildung würde besser passen, dann sagen wir das auch.

Sind Sie manchmal auch einfach „Kummerkasten“ für Studenten, die regelmäßigen Gesprächsbedarf haben?

Popplow: Ja, wir sind Ansprechpartner für alle Fragen, die sich während des Studiums ergeben. Dazu gehört es auch, mal der Kummerkasten zu sein, sich die Probleme anzuhören und die Studierenden wirklich ernst zu nehmen.

Wirth: Manchmal kennen wir die Studierenden schon als Schüler von Schulbesuchen, Sprechstunden oder Veranstaltungen wie dem „Girls‘ Day“ oder dem „Boys‘ Day“. Wenn sich die Schüler dann aufgrund der Beratung entscheiden, an der DHBW zu studieren, freut es uns dann natürlich besonders. Dadurch, dass man sich dann schon kennt, ist die Schwelle niedriger, frühzeitig zu kommen, wenn es irgendwo mal brennt.

Nehmen Studenten Ihre Ratschläge auch an oder blocken die eher ab?

Popplow: Ganz wichtig ist: Von uns kommen vorab nicht irgendwelche Ratschläge, sondern oft sind es die Personen selbst, die durch das Gespräch, Informationen und durch gezieltes Nachfragen zu Lösungen kommen.

Man muss sich also erst ein bisschen kennenlernen?

Wirth: Ja, Studierende müssen offen über Ihre Probleme reden können.

Gibt es auch Studenten, die Sie schon ziemlich gut kennen? Leute, die sozusagen Dauergast bei Ihnen sind?

Popplow: Es gibt sicherlich Studierende, die gewisse Ängste plagen, die man dann etwas häufiger in den Sprechstunden sieht. Da ist es natürlich wichtig, dass man gerade in Situationen, in denen solche Ängste häufiger auftreten, einen Gesprächspartner hat.

Wie sieht es bei heikleren Themen aus? Sie sind auch Anlaufstelle für Fragen im Zusammenhang mit sexueller Belästigung. Benötigt man dafür eine bestimmte Aus-, beziehungsweise Fortbildung?

Popplow: Wir haben Kollegen hier im Haus, die für diese Thematik besonders fortgebildet und entsprechend sensibilisiert sind.

Dann gibt es da mit Sicherheit auch eine Schweigepflicht, oder?

Popplow: Ja, wer zu uns in die Beratung kommt, wird immer vertraulich beraten. Das zählt zur Basis unserer Arbeit.

Gibt es Situationen, in denen Sie eine Grenze ziehen und beispielsweise die Polizei verständigen müssen?

Wirth: Das kam bei uns noch nicht vor. Aber klar, da wo unsere Kompetenz aufhört, schalten wir andere Fachkräfte ein. Ein Beispiel sind psychische Auffälligkeiten. Teilweise kommen diese bereits in der Beratung zur Sprache. Wir selbst sind aber keine Therapeuten. In diesem Fall verweisen wir auf die psychosoziale Beratungsstelle des Studierendenwerk Ulm, dem die DHBW Heidenheim auch angehört. Dort gibt es Experten, an die sich Studierende kostenlos wenden können.

Klingt auch so, als sei die Hemmschwelle dort geringer als wenn man direkt zum Arzt geht.

Wirth: Genau.

Foto: Christian Thumm

Folgendes Szenario: Es ist Klausurenphase, bei dem ein oder anderen liegen die Nerven bereits blank. Stehen die Leute in dieser Zeit vor Ihrem Büro Schlange?

Popplow: Schlange stehen sie zwar nicht, aber es ist tatsächlich so, dass vor den Prüfungen die Prüfungsangst steigt oder die Studierenden merken, dass sie vielleicht doch etwas früher mit Lernen hätten anfangen sollen. Für uns ist es dann auch ein bisschen schwierig, einen Tag vor der Klausur das Patentrezept aus der Schublade rauszuholen. Wir ermuntern daher alle Studierenden, frühzeitig zu uns zu kommen. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, mit Prüfungsangst umzugehen. Dass es beispielsweise wichtig ist, einen Ausgleich für sich zu finden, etwa über Sport oder dass man gewisse Entspannungsangebote, beispielweise der Hochschule, wahrnimmt. Es geht auch darum, zu zeigen, ihr seid hier nicht alleine. Jeder muss sich der Prüfungssituation stellen und der größte Teil meistert das dann auch wunderbar. Im Nachgang haben wir dann eher Studierende, die auf uns zukommen, weil die Prüfungen bei ihnen nicht ganz so gut gelaufen sind.

Mit welchen Problemen kommen Studenten sonst zu Ihnen?

Wirth: Grundsätzlich ist es so, dass rund 90 Prozent der Beratungen sich an Studieninteressierte auf der Suche nach einem geeigneten Studienmodell oder Studiengang richten. Oft sind auch Zulassungsvoraussetzungen ein Thema, wenn man zum Beispiel kein Abitur hat oder aus dem Ausland kommt. Studierende haben eher selten Beratungsbedarf. Wenn doch, dann meistens, wenn etwas nicht wie geplant läuft. Wenn beispielsweise etwas dazwischenkommt, was das Studium erschwert wie Schwangerschaft, irgendetwas in der Familie oder Krankheiten.

Sie haben Schwangerschaften angesprochen: Wie stark ist das Thema Studieren mit Kind hier Thema, gerade in der Sprechstunde?

Wirth: Schwangerschaften kommen hin und wieder vor. Wir schauen dann, was möglich ist. Meistens wird ein Urlaubssemester für die Familienphase empfohlen oder Studierende können sich ein Jahr lang beurlauben lassen. Dadurch ist es auch strukturell ganz gut möglich, mit dem Studium weiter zu machen. Studieren mit Kind ist natürlich auch möglich, wenn man schon vor Beginn des Studiums ein Kind hat. Man muss aber auch bedenken, dass das Studium an der DHBW ein Intensivstudium ist.

Während meines eigenen Studiums hatte ich vor allem in der Anfangszeit etliche Fragen. Bei der Zentralen Studienberatung wurde ich aber meistens nur an verschiedene Dezernate verwiesen. Ist das an der DHBW ähnlich oder kann Beratung auch mal „persönlicher“ sein?

Popplow: Wir beraten gerne persönlich. Sie waren vielleicht an einer großen Hochschule mit vielen Instituten, wo sich nicht jeder direkt kennt. Das ist an der DHBW Heidenheim anders, hier können wir in der Studienberatung viele Fragen, die gerade am Anfang auftreten, selbst beantworten, weil wir die Abläufe kennen. Wenn es speziell um Themen des Studiengangs geht, verweisen wir auch an die Ansprechpartner aus den Studiengängen, weil dort fachspezifische Fragen, vielleicht auch zu Prüfungen, konkreter beantwortet werden können.

Welchen Ratschlag möchten sie Studenten auf den Weg mitgeben?

Popplow: Ich möchte die Studierenden ermutigen, ruhig früher in die Beratung zu kommen. Man muss nicht erst kommen, wenn es um schwerwiegende Probleme geht. Wenn man das Gefühl hat, dass etwas nicht in die richtige Richtung geht oder unsicher ist, sind wir gerne Ansprechpartner.

Foto: Sabrina Balzer

Das neueste aus der Rubrik Campus