Rockende Professoren

Wenn die „Mad Profs“ auftreten, wird es kuschelig auf der Bühne. Schließlich besteht die Band nicht aus vier oder fünf Musikern, sondern gleich aus gut einem Dutzend. Und eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind keine Berufsmusiker. Wenn sie nicht gerade die Saiten schwingen oder altbekannte Rocksongs ins Mikro singen, halten sie Vorlesungen, korrigieren Hausarbeiten oder forschen. Denn die Mitglieder der „Mad Profs“ sind allesamt Mitglieder und Professoren an der Dualen Hochschule in Heidenheim. Und neben dem Arbeitsplatz teilen sie eben auch die Leidenschaft zur Musik.

Legendär sind mittlerweile die Auftritte der „Mad Profs“ bei den Abschlussbällen der Bachelorabsolventen. Jedes Jahr aufs Neue sorgen sie für Stimmung, wobei die Studenten ihren Professoren zujubeln. Schließlich sieht man diese nicht alle Tage in lässigen Outfit rockige Songs spielen und die Hüften schwingen. „Das ist mal ein anderer Blickwinkel“, sagt Wolfgang Faber, der musikalische Leiter der „Mad Profs“ und E-Gitarrist, der das Labor Wirtschaftsinformatik an der DHBW leitet.

Bereits Ende der 80er-Jahre hatten sich vier Heidenheimer Professoren zusammengeschlossen und als Sänger eine musikalische Einlage präsentiert, erzählt Faber. Allerdings hatte sich die kleine Musikgruppe schnell wieder aufgelöst. Das Interesse aber sei immer vorhanden gewesen, so Faber. 2003 kam die Idee einer Band unter den Professoren der DHBW erneut auf, erinnert sich der 58-Jährige: „Viele waren Feuer und Flamme.“

Ein Jahr später trat die neu gegründete Band, damals mit acht Mitgliedern, erstmals auf. Beim Abschlussball in der Stadthalle in Giengen gaben die Professoren eine halbe Stunde lang ein Beatles-Medley zum Besten. Und wie kam das an? „Uns hat es gefallen und den Studenten noch mehr“, sagt Faber. Eine Tradition war geboren.

Heute gehören zwölf Musiker den „Mad Profs“ an. „Wir haben eine gute Mischung“, sagt Gaby Sakowkski, die gemeinsam mit Uli Hummel, Florian Lohmann, Sabine Möbs, Petra Sklenar und Manfred Träger den gesanglichen Part übernimmt. Mit sechs Sängern ist auch mehrstimmiger Gesang möglich. Alexander Botzenhart spielt Bass, Marcel Sailer Saxophon, Klaus Sakowski Gitarre, Wolfgang Faber E-Gitarre und Heinz Geiger Schlagzeug. Zu guter Letzt hat es sich auch der Rektor der DHBW, Rainer Przywara, nicht nehmen lassen, sich mit seinem musikalischen Talent in die Hochschulband einzubringen. Er hat den Posten des Keyboarders übernommen, mit dem sich die Band zuvor immer wieder schwergetan habe, diesen zu besetzen.

Den Altersdurchschnitt der Gruppe drücken jedes Jahr ein bis drei musikalisch begabte Studenten, die man gezielt einbinden wolle, sagt Faber. So reihten sich etwa in diesem Frühjahr mit einem Trompeter, einer Sängerin und einer Ukulele-Spielerin drei junge Talente ein. Anders als im normalen Hochschulalltag laufe die Zusammenarbeit bei den „Mad Profs“ aber auf einer anderen Ebene, beschreibt Gaby Sakowkski: „Hier ist nicht wichtig, wer wer ist. Man sagt meistens du und geht nach der Probe  noch ein Bier trinken.“ Und Kollege Faber ergänzt: „Ich möchte auch nicht den Prof spielen, sondern Musik auf Augenhöhe machen.“

Die „Mad Profs“ haben sich auf Rocknummern spezialisiert. „Die gefallen uns allen und dem Publikum auch, vor allem ältere Sachen“, sagt Faber. So haben sie etwa Klassiker wie „Jailhouse Rock“, „Johnny B. Goode“, „Born to be wild“, „Sweet home Alabama“ oder „Westerland“ im Programm. Aber auch aktuellere Hits wie „Havana“ arbeitet die Band ein. Durch die Bläser ist das Repertoire der Band noch vielseitiger, da auch swingige Songs gespielt werden können, etwa von den Blues Brothers. Und wo es keine Bläsersätze gibt, notiert sie der Chef der DHBW höchstpersönlich. Auch ein eigenes Lied – den „Mad Profs Song“ – habe er für die Hochschulband schon geschrieben, erzählt Faber.

Und wie oft findet ein Professor Zeit zum Proben? Feste Tage gibt es nicht. „Wir üben, wann es die Zeit erlaubt“, sagt Faber. Meist nehmen die „Mad Profs“ ein paar Wochen vor dem Auftritt beim Abschlussball im November die Proben wieder auf. Dafür hat die Hochschule der Band einen Raum in der alten DH in der Wilhelmstraße zur Verfügung gestellt, dessen Wände schon eifrig mit Fotos von Auftritten tapeziert wurden.

Schaut man sich die Aufnahmen genauer an, erkennt man: Die Mad Profs schrecken nicht davor zurück, ihre Gigs auch mal mit Verkleidungen oder Showeinlagen das gewisse Etwas zu verleihen. „Wir möchten nicht steif rüberkommen“, sagt Gaby Sakowski. So haben sich die Musikerinnen der Mad Profs bei einem Autritt bunte Boas umgelegt. Ein anderes Mal haben die Damen der Verwaltung getanzt, erinnert sich Faber. „Wir möchten eine halbe Stunde maximale Freude bieten“, fasst Sakowkski das Ziel der Hochschulband zusammen. Und das scheint den Musikern auch zu gelingen. So sei das Feedback immer gut.

Drei bis vier Auftritte bestreiten die Musiker jedes Jahr. So sind sie nicht nur auf den Bachelorbällen, sondern auch bei den Sommerfesten der DHBW im Einsatz. Diesen Sommer sind sie erstmals auch im Brenzpark aufgetreten. „Das war ein ganz toller Auftritt.  Vielleicht spielen wir dort nächstes Jahr wieder“, so Sakowkski.

Und wie kam es zum Bandnamen? Der Bassist hatte die Eingebung „Mad Profs“, alle anderen waren einverstanden. „Was Verrücktes haben sie ja alle“, sagt Sakowkski.

Mit wie viel Spaß die Mad Profs an die Sache gehen, wird spätestens klar, sobald man ihre zwei Weihnachtsvideos angesehen hat, die auf Youtube zu finden sind. Musik ab.

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