Schulhof 4.0

Schule und digitale Medien? Was lange Zeit gegensätzlicher nicht hätte sein können, wird heutzutage mehr und mehr zum Standard. Ob Tablets im Unterricht oder WLAN auf dem Pausenhof – die Zukunft hält auch langsam in den Klassenzimmern Einzug. Doch nicht jeder ist davon begeistert. Wie sieht es an Heidenheimer Schulen aus? Von leistungsstarkem Internet bis hin zu komplettem Smartphone-Verbot ist alles dabei.

 

Kratzige Tafeln und Technik aus der Vorkriegszeit – auch heute verbinden viele Schüler damit die Ausstattung ihrer Klassenzimmer. Dass es auch anders sein kann, zeigt die Heidenheimer Maria-von-Linden-Schule. Denn Tageslichtprojektoren und Röhrenfernseher sucht man hier vergebens. Stattdessen nutzen die Schüler der Berufsschule Großbildschirme, Dokumentenkameras und „eines der besten WLAN-Netze in Baden-Württemberg“, wie Schulleiter Willi Bennegger berichtet.

In der Tat hat die Schule schon früh damit begonnen, digitale Medien in den Unterricht zu integrieren. Bereits 2007 gab es Tablets für die Schüler, von der Idee hat sich die Maria-von-Linden-Schule jedoch nach einigen Jahren wieder verabschiedet. Stattdessen folgt man hier inzwischen dem Konzept „Bring your own device“. Schüler nutzen demnach ihre eigenen Smartphones im Unterricht.

 

Verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien

Laut Bennegger bringt das zwei entscheidende Vorteile mit sich: „Die Schüler kennen sich bereits perfekt mit dem Endgerät aus.“ Darüber hinaus lernen sie dadurch, dass ein Handy auch Arbeitsgerät sein kann. „Darin sehen wir auch unseren Auftrag“, erklärt der Schulleiter. „Wir wollen die Schüler auf eine digitale Zukunft vorbereiten und ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beibringen.“

In der Praxis sieht das wie folgt aus: „Im Unterricht vermitteln unsere Lehrer den Stoff über Power Point“, erzählt die 19-jährige Cemile Ezgin. Oft erhalten die Schüler auch den Auftrag, im Unterricht etwas per Internetrecherche herauszufinden. Dann zücken alle ihre Smartphones und fangen an zu googeln. „Und wenn jemand seinen Taschenrechner vergessen hat, nutzt er beispielweise einen digitalen Matrizenrechner“, erklärt Selina Mayer (18).

Die schuleigene „Blended Learning“-Plattform bietet darüber hinaus die Möglichkeit, auch von extern mittels Live-Mittschnitt am Unterricht teilzunehmen. Insbesondere für junge Eltern sei das oft die einzige Möglichkeit, an allen Unterrichtsstunden teilzunehmen. Nach Ende des Unterrichts gibt es zudem bestimmte Zeiten, in denen Lehrer per Videochat erreichbar sind und dort auf Fragen der Schüler eingehen. „Mehr Individualisierung kriegen wir anders nicht hin“, findet Bennegger.

Die Schüler selbst sind von der digitalen Unterstützung im Unterricht überzeugt: „Ich würde es mir nicht mehr ohne digitale Medien wünschen“, sagt Cemile. Das gratis WLAN der Schule ausnutzen tue im Übrigen niemand. „Das verliert auch seinen Reiz, da es ja frei ist“, glaubt die 18-jährige Lorena Jäger. Trotzdem unterstützen die Schüler keinen uneingeschränkten Medienkonsum. Man müsse auch eine gewisse Disziplin haben, um sich nicht von WhatsApp-Nachrichten ablenken zu lassen. „Das hängt auch vom Alter ab“, findet Cemile. Die Schüler können nachvollziehen, dass andere Schule Smartphone-Verbote insbesondere für Jüngere verhängen.

 

Waldorfschule wird zur handyfreien Zone

Die Freie Waldorfschule Heidenheim fährt hingegen einen anderen Kurs: „Wir haben nicht nur ein Smartphone-Verbot bei uns, sondern wollen auch eine handyfreie Schule werden“, sagt Constanze Eppel, Lehrerin an der Waldorfschule. Seit Dezember vergangenen Jahres dürfen internetfähige Geräte nicht privat auf dem Schulgelände genutzt werden. Das beinhaltet neben Handys nun unter anderem auch Smartwatches.

„Wir haben bemerkt, dass bereits Kinder schon sehr früh von Internet und sozialen Medien eingenommen werden“, erklärt Eppel das verschärfte Smartphone-Verbot. Die Schüler können laut der Lehrerin innerlich keine Freiräume mehr finden, darunter leide auch die Konzentrationsfähigkeit. Die Initiative zu dem Vorstoß sei sowohl von den Eltern als auch von den Schülern selbst ausgegangen. Einige Schüler hätten beim sogenannten „Handyfasten“ mehrere Wochen auf ihr Smartphone verzichtet und dadurch „eklatante Unterschiede festgestellt“, wie Eppel berichtet. Mit dem Verbot wolle die Waldorfschule ähnlich wie die Maria-von-Linden-Schule verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien vermitteln – nur eben auf ihre Art.

Unter den Kindern und Jugendlichen der Waldorfschule stößt das strikte Verbot auf geteilte Resonanz. „Schüler sehen das prinzipiell eh immer anders als ihre Eltern“, glaubt Johannes Geyer (17). Dennoch werde die handyfreie Schule von einigen Schülern auch positiv wahrgenommen. Laut dem Schülersprecher gebe es derzeit noch keine feste Regelung, was das Verbot angeht. Es sei vielmehr der Anfang eines langen Prozesses. Zu Unterrichtszwecken dürfen Smartphones jedoch weiterhin benutzt werden, erklärt hingegen Schülersprecherin Klara Mergenthaler (16).

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