Städtepartnerschaft: Freundschaften in Stein gemeißelt

Europa steht für Gemeinsamkeit. Für Vielfalt, Solidarität und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Was das konkret heißt, haben Schüler aus Heidenheim, Clichy und St. Pölten bei einem gemeinsamen Workshop erarbeitet. Dabei wurde geklopft, gehämmert und gegrübelt: Nicht nur intellektuell, sondern auch ganz praktisch setzten sich die Jugendlichen mit Europa auseinander.

Die dreitägige Begegnung drehte sich jedoch nicht nur um die Bedeutung Europas, sondern im Vordergrund stand auch die Partnerschaft zwischen den drei Städten. Denn diese wird vom 9. bis 12. Mai groß gefeiert: „Und neben den offiziellen Anlässen mit den Delegationen wollten wir nun auch noch ein Jugendprojekt auf die Beine stellen“, sagte Kulturamtsleiter Matthias Jochner.

Wie Europa ein Zuhause sein kann

Dazu reisten aus dem österreichischen St. Pölten und der französischen Stadt Clichy je neun Jugendliche an. Gemeinsam mit 18 Schülern der vier Heidenheimer Gymnasien setzten sie sich von Dienstag bis Donnerstag mit ihrer Vorstellung von Europa auseinander. „Was braucht es, damit wir uns hier zu Hause fühlen? Das ist die zentrale Frage“, erklärte Ingrid Kriesten, die als Moderatorin für EU-Projekte in Baden-Württemberg den Workshop im Hellenstein-Gymnasium anleitete.

„Building the European House“ heißt das Projekt: „Ein Haus ist nicht gleich ein Heim – dabei brauchen wir genau das“, sagte Kriesten.

Sicherheit, Geborgenheit, eine gemütliche Einrichtung – und offene Fenster. So sollte das Haus Europa aussehen, um für die Staaten mehr zu sein als ein Zweckverband. Auch ein Wartezimmer mit offenen Türen fand sich in den Überlegungen der Schüler: Für die Länder, die gerne in das Haus einziehen würden.

Christian Thumm

Europa als Chance

Kontinent, Staatenverbund, Parlament und Kommission – um Institutionen und Begrifflichkeiten sollte es bei dem Workshop gar nicht gehen. Doch wofür steht Europa eigentlich? „Europa ist für mich eine Chance, die wir wertschätzen sollten“, sagte Michaela Medic. Denn die Möglichkeit, ohne Grenzkontrolle oder Visum in ein anderes Land zu reisen, dort zu arbeiten oder sogar zu leben, sei etwas ganz Besonderes, meinte die 17-jährige Heidenheimer Schülerin. „Für kleine Länder wie Österreich ist eine Gemeinschaft wie Europa sehr wichtig, denn alleine würden wir viel weniger erreichen“, meinte Michelle Thron, die für St. Pölten an dem Workshop teilnahm.

Während der Großteil der Schüler sein Haus Europa mit Leben füllte, meißelte der Rest die Freundschaft zwischen den Partnerstädten buchstäblich in Stein.

Aus zwei großen Kalksteinblöcken wurden im Lauf des Tages Meilensteine – im doppelten Sinn: „Wie die antiken römischen Meilensteine zeigen sie die Entfernung zu den Partnerstädten an und sind gleichzeitig Zeichen für die jahrzehntelange Partnerschaft, die wir im Mai feiern“, erklärte Kathrin Vahle-Jochner, die den künstlerischen Workshop anleitete.

Die guten Seiten Europas

Ziel der Begegnung war, die Schüler für den europäischen Gedanken zu sensibilisieren: Damit dieser Bestand hat, muss er gelebt werden. „Gerade in Frankreich nimmt die Wertschätzung für Europa im Moment ab“, sagte Anja Hagemann, die als Lehrerin die Schüler aus Clichy nach Heidenheim begleitete. Hier könnten die Schüler auch die guten Seiten sehen – und dass durch die gemeinsame europäische Identität auch Freundschaften entstehen können.

Dass die länderübergreifende Zusammenarbeit funktionieren kann, bewiesen die Schüler bei ihrem Projekt im Kleinen. Diese soll mit der dreitägigen Begegnung jedoch noch nicht zu Ende sein: „Es wäre schön, wenn in Zukunft ein regelmäßiger Austausch unter den Schülern stattfinden würde“, meinte Hagemann. Schließlich seien es die Jugendlichen, die in Zukunft die Städtepartnerschaft zwischen Clichy, St. Pölten und Heidenheim prägen werden.

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