WG gesucht

Nach dem Abi beginnt für alle, die ab Oktober studieren wollen, die nächste spannende Phase: Erst muss man sich für einen Studiengang entscheiden, sich bewerben, dann auf die Rückmeldungen der Unis warten udn hoffen, dass man angenommen wird. Nachdem man sich aber eingeschrieben hat, stellt sich die nächste große Frage: Umziehen oder pendeln? Und wenn man umzieht, wie will man dann wohnen? Ob Wohnheim, WG oder eigene Wohnung –  da gibt es schließlich viele Möglichkeiten. Diesen Fragen musste auch ich mich stellen und hier lest ihr meine Erfahrungen auf der Suche nach einem neuen Zuhause mit der App „WG-Gesucht“.

Zwischen den Vorlesungen ein Schläfchen halten

Ich hatte tatsächlich von meiner Wunschuni Augsburg eine Zusage erhalten. Alle Studenten, mit denen ich mich unterhalten habe, gaben mir den Tipp, auf jeden Fall nach Augsburg zu ziehen: um schneller Anschluss zu finden, abends nach dem Feiern fix zu Hause zu sein und zwischen den Vorlesungen auch einfach mal im Bett chillen zu können. Obwohl ich mit dem Zug innerhalb einer halben Stunde nach Augsburg pendeln könnte, entschied ich mich also, dort hin zu ziehen.Dabei war mir von Anfang an klar, dass für mich nur eine WG in Frage kommt – da ich dann gleich neue Leute kennen lerne und ohnehin nicht gern alleine bin.

In der App WG-Gesucht kann man jede Menge Filter eingeben. (Foto: Anna Gessler)

Doch wie findet man eine passende WG? Auf Empfehlung hin habe ich mir die App „WG-Gesucht“ heruntergeladen und fing an, ein bisschen herumzustöbern und einige Filter einzugeben: Ich wollte im Uni-Viertel oder der Innenstadt wohnen, maximal 350 Euro bezahlen, ein Zimmer mit mindestens 15 Quadratmetern haben, eine WG ohne Haustiere, Männer und Frauen gemischt, mindestens drei Mitbewohner – und bitte kein Rauchen in der Wohnung.

 

 

20 Bewerbungen – und jede Menge Absagen

Daraufhin schlug mir die App genau eine einzige WG vor – doch deren Anzeige konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Also: alle Filter wieder gelöscht, die Ansprüche etwas rutnergeschraubt – und tatsächlich bin ich auf einige ansprechende WGs gestoßen.Ganze 20 davon habe ich kontaktiert – geantwortet haben mir allerdings nur acht. Vier Absagen waren direkt darunter und so wurde ich letztlich zu gerade einmal vier Besichtigungen eingeladen. Glücklicherweise hatten alle vier WGs am selben Tag Zeit für eine Besichtigung und so starteten wir, meine Mama als Chauffeurin, und ich, um 14 Uhr unseren Besichtigungsmarathon. Dank der Baustelle auf der B17 durch Augsburg kamen wir gerade noch pünktlich zum ersten Termin an.

WG Nummer 1: Und wo sind die Mitbewohner?

Vor dem großen Einfamilienhaus, in dem die WG untergebracht war, trafen wir uns mit der Vermieterin. Sie erklärte uns, dass die WG komplett neu zusammengestellt wird, nachdem alle Vormieter zur gleichen Zeit ausgezogen sind. Aus diesem Grund konnten wir zwar das Zimmer besichtigen, jedoch nicht die zukünftigen Mitbewohner kennenlernen. Dabei sind diese meiner Meinung nach eigentlich das wichtigste bei einer WG.

WG Nummer 2: Hallo, Konkurrenz!

Weiter ging es also zu nächsten Adresse. Diesmal hatte ich mich entschieden, die WG alleine zu besichtigen und lernte gleich beim Eintreten in die zweistöckige, sehr schöne Wohnung sofort vier von den potentiellen zukünftigen sechs Mitbewohnern kennen. Die Vormieterin zeigte mir  das Zimmer, das meines werden könnte. Dann sollte ich allen WG-Bewohner etwas über mich erzählen und mich vorstellen. Ich, natürlich total unvorbereitet, wollte die anderen von mir überzeugen – denn die WG gefiel mir auf Anhieb: „Joa, also ich heiße Anna, bin 18 Jahre alt und komme aus der Nähe von Günzburg. Ich werde ab Oktober Medien und Kommunikation an der Uni studieren und bin in meiner Freizeit sportlich sehr aktiv.“ Wow, super gemacht –  dachte ich mir dann auch gleich. Mit so einem 0815-Satz überzeugst du sie bestimmt – NICHT. Die WG-Bewohner stellten mir noch ein paar Fragen und erzählten von sich – als dann auch schon ein weiteres Mädchen vor der Tür stand: Eine andee Bewerberin, quasi meine Konkurrenz! Also ging es für mich weiter.

WG Nummer 3: Lieber nicht

Die nächste Adresse war ein riesengroßes Studentenwohnheim: nur fünf Minuten von der Uni entfernt, jedoch war das Zimmer nur für ein paar Monate zur Zwischenmiete inseriert. Auch dort lernte ich ein paar andere Bewohner der Wohngruppe kennen, durfte mir das Zimmer anschauen und musste mich vorstellen. Jedoch fühlte ich mich von Anfang an nicht wirklich wohl und auch die Mitbewohner waren viel älter und auf einer ganz anderen Wellenlänge als ich. Obwohl der Preis des Zimmers und der kurze Weg zur Uni natürlich ideal gewesen wären, versuchte ich, das Gespräch so schnell wie möglich zu beenden.

WG Nummer 4: Klein aber fein

Um 20 Uhr, nach drei Besichtigungen und fünf Mal im Stau stehen auf der B17 war dann endlich mein letzter Besichtigungstermin in einer sehr kleinen WG, in der nur zwei weitere Mitbewohnerinnen wohnten. Auch sie waren viel älter als ich und das Zimmer zwar klein, aber sehr schön. Nach einem netten Gespräch verließ ich dann auch das letzte Haus und war überraschenderweise echt erschöpft und froh, dass unser Marathon nun beendet war.

Mit Absagen muss man leben können. (Foto: Anna Gessler)

Mein Fazit

Ich habe an diesem Tag sehr unterschiedliche WG-Typen kennengelernt und habe nun einen guten Gesamteindruck, was WGs betrifft, bekommen. Am Ende war ganz klar die zweite WG mit den sechs Mitbewohnern mein Favorit, und tatsächlich habe ich auch schon auf der Heimfahrt von dieser WG die Nachricht erhalten, dass sie sich für mich entschieden haben – und das, obwohl mir bei der Vorstellung nichts besonders kreatives eingefallen war. Aber darauf kommt es in erster Linie wohl nicht an, sondern auf gegenseitige Sympathie. Deshalb werde ich nun ab dem 1. November, 20 Minuten von der Uni entfernt in einem sehr familiären Stadtteil von Augsburg, mit zwei Mädels und vier Jungs zusammenziehen. Ob das die richtige Entscheidung war?  Wir werden sehen…

Meine Tipps an euch

Da ich nun viele Erfahrungen gesammelt habe, hier ein paar Tipps für eure WG-Suche:

  • Schreibt so viele WGs wie möglich an, da meist nur sehr wenige antworten.
  • Schaut so früh wie möglich nach WGs, dadurch habt ihr eine größere Auswahl und eine höhere Chance. Außerdem empfehle ich euch, an mehreren Tagen in der App zu suchen, da fast täglich neue Anzeigen online gestellt werden.
  • Kontaktiert auch Anzeigen auf die ihr, beispielsweise aufgrund des Alters oder des Geschlechts, nicht zu 100% passt. Auch in meiner WG wurde eigentlich nach einer 20-jährigen Person gesucht.
  • Habt nicht zu hohe Ansprüche, jedoch sollten sie so sein, dass ihr euch in eurem neuen Zuhause wohlfühlt.
  • Besichtigt, wenn möglich, verschiedene Arten von WGs (große und kleine WGs, Wohnheime etc.) um einen besseren Eindruck zu bekommen und um sicherzugehen, dass ihr die richtige Entscheidung trefft.
  • Legt, wenn möglich, die Besichtigungen alle auf einen Tag. So habt ihr einen direkten Vergleich und spart zudem noch Fahrtgeld und Zeit.
  • Sucht euch jemanden, der euch von Adresse zu Adresse fährt. So spart ihr euch zusätzlichen Fahrtstress und ihr könnt euch während der Autofahrt nochmal auf die Gespräche und Besichtigungen vorbereiten.
  • Besichtigt die WGs alleine und nicht mit euren Eltern, so lauft ihr nicht der Gefahr, dass eure Eltern für euch die Vorstellung übernehmen und die Mitbewohner lernen euch so kennen, wie ihr seid.
  • Verstellt euch nicht um unbedingt zu den anderen Mitbewohnern zu passen, denn ihr werdet mit diesen Menschen lange zusammenwohnen und solltet euch deshalb auch so präsentieren, wie ihr wirklich seid.
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