„Der Glaube ist Teil meines Lebens“

Die Bibel hat Dich also schon in jungen Jahren fasziniert. Was konkret hat Dir daran gefallen?

Tim: Ich hatte ein paar Stellen in der Bibel gelesen, die einem sowohl in schweren als auch in guten Zeiten Mut zusprechen. Das hatte mich davon überzeugt, an Gott und Jesus zu glauben. Auch in der Schule habe ich mich immer schon für Religion interessiert. Der Glaube ist ein Teil meines Lebens. Ich habe auch eine Bibel-App. Jeden Tag kommt darüber ein Tagesvers. Manchmal passen sie echt gut zu deinem Tag.

Was wäre ein Spruch, der passend war und der die Kraft gegeben hat?

Tim: (durchstöbert sein Smartphone) „Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn Du bist bei mir. Aus deiner Hand empfange ich unendliches Glück.“ Das passt auch gut zu Weihnachten.

Der Glaube ist für Dich also eine Kraftquelle, wie du sagst in guten wie in schlechten Zeiten. Über welche schwere Zeit, hat er Dir schon mal hinweggeholfen?

Letztes Jahr im Dezember hatte ich eine OP an der Leiste. Da war noch alles okay, denn danach lief es wieder richtig gut für mich. Doch dann musste ich mich an der anderen Leiste operieren lassen und das war der Punkt, an dem ich gezweifelt habe: Was soll das? Wieso passiert das in einer so guten Phase? Irgendwann kam ich auf den Gedanken, dass das vielleicht einfach so sein soll. Dass ich mir eine körperliche Auszeit nehmen soll. Aber das zu begreifen, geht nur mit Familie und Freunden, die zu einem halten. Und natürlich mit Gott, der immer zu einem steht und ein offenes Ohr hat.Der Glauben hilft dir also auch im Beruflichen weiter.

Würdest du sagen, du würdest ohne ihn heute nicht dort stehen, wo du bist?

Bestimmt. Weil man in vielen Situationen die Kraft gar nicht hätte, um so weit zu kommen. Aber wie gesagt, mir helfen neben dem Glauben auch viel die Familie und Freunde. Hätte ich das alles nicht und würde alles nicht so gut zusammenpassen, dann glaube ich, wäre ich niemals so weit gekommen.

Hast Du dann vor Spielen bestimmte religiöse Rituale?

Wenn ich auf den Platz laufe, bekreuzige ich mich. Dann weiß ich, dass Gott auf mich herabschaut, dass er bei mir ist, ich keine Angst haben brauche und alles gut wird. Manchmal ist es dennoch schwer. Aber wenn man die Sache einfach laufen lässt, dann wird das schon. Es passiert letztlich alles so, wie Gott es will. Ansonsten gehe ich im Vorbereitungsraum nochmal in mich. Verhalten mich da aber ganz normal wie andere auch, höre etwa Musik.Es gibt weltweit einige Fußballprofis, die sich ebenfalls öffentlich zu ihrem Glauben bekennen. Das aber noch mittels Tattoos oder Ähnlichem unterstreichen.

Trägst Du Tattoos mit religiösen Botschaften?

Nein. Darüber habe ich mir auch noch keine Gedanken gemacht. Bisher zählt für mich der Glaube, die Verbindung zu Gott allein. Wenn da jemand teilhaben will, bei mir an meiner Seite, ist er herzlich willkommen. Aber ich muss das nicht öffentlich machen. Ich orientiere mich auch nicht an religiösen Fußballern. Auch, wenn ich es cool finde, wenn sie sich zu ihrem Glauben bekennen.

Aber Du trägst eine Kette, wie man hört, wenn Du Dich bewegst?

Genau, ich trage sie fast täglich. Als Jugendlicher hatte ich sie oft als Ritual bei Spielen dabei. Ich habe gedacht, nur dann passt Gott auf mich auf. Mittlerweile mache ich das nicht mehr an materiellen Dingen fest. Die Verbindung zu Gott ist mir wichtig und sie besteht auch ohne Kette. Dennoch hängt sie auch heute meist in der Kabine.

Gibt es dennoch einen gläubigen Fußballer, der für Dich ein Vorbild ist?

Eigentlich nicht. Aber die Sprüche, die Neymar postet, schaue ich mir an. Und es freut mich, dass es Spieler gibt, die die Menschen auf diese Art und Weise an ihrem Glauben teilhaben lassen. Zu solchen Fußballern schaut man schon auf.

Und so wie Neymar postest ja auch Du hin und wieder Sprüche mit religiösen Botschaften in den sozialen Netzwerken. Was ist Dir dabei wichtig, zu vermitteln?

Ich versuche über die sozialen Medien jüngeren Spiele, die auch an Gott glauben, etwas mitzugeben. Sie sollen wissen, dass jeder etwas Besonderes ist. Jeder hat ein besonderes Talent. Bei mir ist es der Fußball, andere haben wiederum andere Talente. Wichtig ist dabei nur, dass man an sich glaubt.

Bekommst du Rückmeldung zu Deinen Posts?

Ab und zu schon. Ich stehe mit ein paar Leuten in Verbindung. Beispielsweise mit David Kadel, einem Autor, der sich mit Glauben und Fußball auseinandersetzt. Wir telefonieren ab und zu. Er gibt mir Ratschläge. So ein intensiver Austausch über Glaube und Religion ist auch mal schön.

Wie sieht es mit dem Austausch in Deiner Mannschaft aus? Ist den anderen Spielern der Glaube wichtig, oder bist du eine Ausnahme?

Es gibt bestimmt Spieler, die ähnlich gläubig wie ich sind. Patrick Schmidt beispielsweise. Viele aber glauben auch an andere Dinge.Du bekreuzigst dich, wenn du auf den Platz gehst.

Wie praktizierst Du Deinen Glauben im Alltag? Bist Du in einer Gemeinde aktiv?

Leider habe ich dafür gar keine Zeit. Ich kann aufgrund meines Berufs ja nicht an den Sonntagsgottesdiensten teilnehmen. Aber so schlimm ist das nicht. In die Kirche gehen, ist schön und gut. Aber für mich ist wichtig, wie ich zu Gott stehe. Ich bete täglich, danke Gott, dass es mir an nichts fehlt, wende mich mit Zielen an ihn, die ich erreichen will. Dabei ist es mir aber auch wichtig, dass ich für mich allein und ungestört bin.

Inwiefern lässt sich Dein Beruf als Fußballspieler mit Deinem Glauben vereinen?

Diese Frage stellt sich gar nicht. Das sind zwei Paar Schuhe. Fußball ist mein Beruf, Glaube meine Lebenseinstellung. Das kann man immer voneinander trennen.

Du bist erst 22, stehst mitten im Leben. Party machen und Alkohol trinken? Inwiefern lässt sich das mit Deiner Lebenseinstellung vereinbaren?

In meiner Einstellung hat das nichts mit Glauben zu tun. Ab und zu geht man weg, manchmal trinkt man, manchmal nicht. Aber mein Glaube schränkt mich da nicht ein oder schreibt mir etwas vor. Ich gehe sowieso selten feiern und trinken, vielleicht mal, wenn ich Urlaub habe – gerade auch durch den Fußball bedingt.

Das heißt, Du bist kein strenggläubiger Christ. Vielen jungen Menschen geht es da ja wie Dir. Schaut man mal, wer heute noch einen Gottesdienst besucht, sind das meist ältere Menschen. An was fehlt es der Kirche heute Deiner Meinung nach?

Viel mehr Jugendliche würden in die Kirche gehen, wenn sie moderner wäre. In der Kirche ist immer so eine Stille. Man darf nicht klatschen, nichts sagen. Der Sonntagsgottesdienst müsste wie der Jugendgottesdienst des evangelischen Jugendwerks Heidenheim aufgebaut sein, an dem ich mit Patrick Schmidt im November teilgenommen habe. Wir haben zusammen gesungen, gelacht, gequatscht. Wir haben darüber geredet, wie uns der Glaube im Fußball hilft. Solche Gottesdienste sind für Jugendliche und für mich viel schöner. Es ist erfrischender. Danach fühlt man sich befreit, man kann sich glücklich schätzen. Und das hält zusammen. Auch Gospel müsste es mehr in Deutschland geben. Er bringt viel mehr Freude in die Gemeinschaft.

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