Hat eine Fernbeziehung auch nur die geringste Chance?

Was bedeutet es überhaupt, in einer Fernbeziehung über Länder- und Kontinentalgrenzen hinweg zu leben? Man kann sich nicht schnell auf einen Kaffee in der Mittagspause, einen Kinoabend oder ein gemeinsames Frühstück verabreden. Es bedeutet, schwierige Tage allein durchzustehen –  wenn man Glück hat, in einer Telefonkonferenz mit dem Partner. Genauso bedeutet es aber auch, nicht den erstaunten Gesichtsausdruck vom Gegenüber sehen zu können, wenn man eine gute Neuigkeit zu erzählen hat- darauf gemeinsam mit einem Glas Wein anzustoßen fällt sowieso komplett aus dem Rahmen der Möglichkeiten.

Man fragt sich, wieso sich Menschen so etwas antun, wieso man die tägliche Sehnsucht aushält, wenn man sich doch bewusst ist, dass diese Beziehung von vorne herein unter einem schwierigen Stern steht. Es stellt sich die Frage, ob die Distanz ein unüberbrückbares Hindernis ist. Wie sich Menschen so etwas antun können, habe auch ich mich immer wieder gefragt. Und dann kam von einem auf den anderen Tag alles anders…

Verliebt in Italien

Während manche Beziehungen es nicht schaffen, ein Auslandsjahr des einen Partners zu überleben, so ist bei mir das Gegenteil eingetroffen. In meinem Semester an der Universität Verona war mir zwar stets bewusst, dass Südländer einen gewissen Touch haben, mit dem sie eine Frau mit einem bloßen Lächeln überzeugen können. Sich auf mehr einzulassen als einen kleinen Blickkontakt kam für mich deshalb nie in Frage. Schlag auf Schlag hat sich dann jedoch alles verändert: ER war in meinem Blickfeld, ER hat mich angelächelt und ER hat sich Tag für Tag ein kleines bisschen mehr Platz in meinem Herzen freigeschaufelt.

Für alles weitere wäre ein Kitschroman der richtige Ort. Deshalb etwas allgemeiner: Seit ich im Juni aus Verona abgereist bin, führe ich eine Fernbeziehung von über 530 Kilometern. Das geht locker? Mit Nichten! Hierzu gehört viel Geduld, um den anderen zu verstehen, viel Zeit, um Reisen zu organisieren, viel Kraft, schwierige Momente allein durchzustehen und sich immer wieder zu verabschieden, vor allem aber gehört dazu viel Vertrauen. Ohne Vertrauen ist eine Fernbeziehung meiner Meinung nach nicht möglich, man kann nicht immer wissen, wo der andere sich gerade befindet, man kann dies auch nicht prüfen.

Abgesehen vom Partner, der selbstverständlich der Richtige sein sollte, braucht man vor allem gute Freunde, die die schwierigen Tage verstehen und alles machen, um dir schönere Tage zu bereiten. Was Freundinnen vielleicht leichter nachvollziehen können, fällt der Familie umso schwerer. Kein Elternteil will sein Kind leiden sehen, geschweige denn einmal im Monat zuschauen, wie die Tochter mit vollem Koffer und breitem Grinsen die Tür verlässt, und mit verheulten Augen und zehn nassen Taschentüchern wieder zurückkommt. Und gerade deswegen ist es umso wichtiger, es trotzdem zu akzeptieren und zu unterstützen. Denn im Endeffekt muss und kann es auch niemand verstehen, der nicht selbst schon einmal in der Lage war, lieber eine Zeit lang Hürden zu laufen, um dann irgendwann mit dem richtigen Partner zusammen zu sein, als eine schöne Beziehung kampflos aufzugeben.

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