Das Leben jenseits des Meeresgrunds

James und Danny lernen sich in einem Hotel in der Normandie kennen und lieben. Doch ihre gemeinsame Zeit ist kurz: Sie wissen nicht viel übereinander, als der Geheimagent für einen Anti-Terror-Einsatz nach Somalia reist und die Biomathematikerin sich auf einen Forschungstrip mittels Tauchboot zum Meeresboden begibt. Der Kontakt bricht ab, als James gefangen genommen wird. Für beide beginnt eine Phase des Leidens – physisch wie psychisch.
James McAvoy und Alicia Vikander spielen in Wim Wenders‘ Einsamkeitsstudie das getrennte Paar. Während die gemeinsame Phase in Rückblicken erzählt wird, schildert der Film die einzelnen Wege der Protagonisten als parallele Handlungen, in denen die andere Person in Erinnerungen präsent bleibt.
Die Einsamkeit als zentrale Empfindung ist in den starken Bildern stets präsent – sei es in Szenen mit Gemälden des Romantikers Caspar David Friedrich oder in den Orten der Handlung auf dem Forschungsschiff bzw. im Folterkeller. Wenders erzählt die gebrochene Romanze ruhig, aber intensiv. Da wird über das Leben, die Liebe und den Tod philosophiert, über die Endlichkeit und die Ursprünge. Das in „Grenzenlos“ immer präsente Meer wird zur Metapher als Ursprung allen Lebens und zugleich als lebensfeindliche Welt.
Natur wird zu mehr als bloßer Kulisse: zum Gegensatz des zwischen Menschlichkeit und Grausamkeit, zwischen Angst und Verzweiflung pendelnden menschlichen Bewusstseins. Packende Bildkompositionen wie der eine Treppe hinuntergestoßene James und die Schiffstreppen hinaufeilende Danny illustrieren das Auseinanderdriften symbolhaft. Und doch hält Wenders Trost bereit, wenn er James sagen lässt: „Keiner stirbt, wenn er sich verliebt.“

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