Ballern in der Bücherei

Schon zum zweiten Mal veranstaltete die Zuständige für den Gamingraum der Bibliothek, Margit Gerstenmayer, eine Lan-Party. Diesmal wurde die ganze Nacht Battelfield gezockt: Also kein Eintritt unter 18 Jahren. Zusammen mit den Spielern aus dem Clan „Syntax-Crew“ auf dem virtuellen Schlachtfeld stehen und schwerbewaffnet gegen andere Teams antreten: Das erwartete Gäste der vergangenen Gaming-Nacht.

Die Bibliothek bietet Platz für Gamer um zusammen in einem Raum aktuelle Spiele zu spielen. Dazu gibt es noch eine meterhohe Leinwand, auf die die Bildschirme abwechselnd übertragen werden, damit auch Zuschauer etwas von dem Spektakel haben. Die Teilnehmer hatten Spaß zusammen. Es herrschte eine ruhige Stimmung, fast wie beim Schachspielen, nur, dass sich die Gamer gegenseitig abschossen – zuerst gegeneinander und dann online gegen den Rest der Welt. Trotz aller Vorteile der Bibliothek kamen neben den Mitgliedern des Clans „Syntax-Crew“ nur sieben Spieler zu der Veranstaltung.

Die Leute trauen das der Stadtbibliothek nicht zu

Wieso das so war? „Die Leute trauen das der Bücherei und einer Frau wie mir, die selber nichts mit der Materie zu tun hat, einfach nicht zu“, gibt Margit Gerstmayer eine Erklärung. Sie ist sich sicher: Werden die Gaming-Veranstaltungen erstmal bekannter, fänden sich auch mehr Interessierte. Die Organisatorin selbst ist begeistert von dem Gaming-Sport und den Spielern selbst. „Es ist irre, was man da alles können muss. Die Hand-Auge-Koordination ist gefragt und die Spiele sind hoch taktisch und strategisch“, sagt Gerstmayer. Jeder sollte sich laut der Bibliothekarin bis zu einem gewissen Grad mit modernen Computerspielen auseinandersetzen, denn die Technik der Spielewelt sei grundlegend, um sich auch in der restlichen digitalen Welt zurechtzufinden. Die Art der Bedienung sei maßgebend auch für andere Systeme, die wir tatsächlich im Alltag brauchen oder brauchen werden.

Außerdem könne ein Konflikt zwischen den Generationen, den es beim Thema Gaming und vor allem Gewaltspielen noch immer gibt, nur beigesetzt werden, wenn sich beide Parteien auskennen. Ballerspiele wie Battelfield seien laut Gerstmayer unbedenklich, solange man sich an die Altersbeschränkungen hält – auch in der Bibliothek. „Die Spieler sind ganz normale höfliche, nette Männer. Niemand wird durch die Spiele aggressiv. Auch früher hat man Krieg gespielt, der Unterschied ist nur, dass man sich alles selbst vorgestellt hat“, erklärt Gerstmayer. Die Spiele seien anspruchsvoll und strategisch. „Es ist schade, wenn man es nur als gewaltverherrlichend ansieht“, meint die Zuständige für das Gaming.

Das Zocken ist wie ein Sport, den man im Verein ausübt

Drei PCs hat die Bücherei an dem Abend gestellt. Alle anderen wurden selbst mitgebracht und auch die Clan-Mitglieder hatten ihre eigenen Gaming-Computer dabei. Für den Clan-Leader Henning Meltz war die Teilnahme an dem Event wichtig. Damit zeige man den Leuten, dass man das Gamen auch geregelt mit einer Gruppe von Freunden angehen kann, wie einen Sport im Verein. „Um in einem Clan zu spielen, muss man auch teamfähig sein und sich mit den anderen Mitgliedern verstehen. Die Aufgabe des Leaders ist es, neue Mitglieder zu finden, bei Streits zu vermitteln und zum Beispiel einen Server einzurichten“, erklärt der 21-Jährige. Er glaubt, dass niemand sich von Spielen, auch wenn man aufeinander schießt, beeinflussen lässt. Im Vordergrund stehe der Ehrgeiz, die schnellen Reaktionen und das taktische Spiel.

Bei der „Syntax-Crew“ gehe es relativ zwanglos zu. In anderen Clans, die bis zu 50-Mitglieder haben können, gebe es feste Online-Zeiten. „Bei uns geht die Familie vor. Genauso wie der Job und das ganze Real-Life“, sagt Alexander Matanov, ein Mitglied der „Syntax-Crew“.

Zur Info:

Um auch einer älteren Generation den Zugang zu Computerspielen zu ermöglichen und vor allem zu erklären, dass die Spiele nicht gefährlich sind, sollen Kurse in der Bibliothek angeboten werden. In diesen Kursen gehe es hauptsächlich um Aufklärung, was hinter scheinbar reinen Gewaltspielen steckt. Margit Gerstmayer möchte dafür mit dem Kreismedienzentrum kooperieren und das Programm an Vorlagen einer Computerspielschule ausrichten. Sie hofft auch die Elterngeneration der „Zocker“ zwischen 15 und 25 Jahren für das Thema öffnen zu können. Alle weiteren Infos findet Ihr hier.

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