Louisa Leoff ist Miss Ulm

Warum bist du bei der Wahl zur Miss Ulm angetreten?

Ich war schon immer wettbewerbsorientiert und wollte mich der Konkurrenz stellen. Schon vor einigen Jahren habe ich von der Miss Germany Corporation gehört. Allerdings hat es zeitlich und örtlich nie 100 Prozent gepasst. Als ich im Radio von der Wahl gehört habe, war mir klar, dass ich mich bewerben möchte. Am gleichen Tag bewarb ich mich auf der Website von Donau3FM. Kurze Zeit später hatte ich ein erstes Radio-Interview.

Was hast du auf der Anfahrt nach Ulm gedacht?

Ich war sehr gelassen und entspannt. Ich hatte mir ehrlicherweise keine großen Chancen auf den ersten Platz ausgerechnet. Diese Gelassenheit hat mir wohl letztlich zum Sieg verholfen.

Die Wahl fand im Blautal-Center statt. Wie war die Stimmung und die Atmosphäre?

Anfangs habe ich mich ehrlicherweise nicht besonders wohlgefühlt, weil alle sehr auf ihr Aussehen bedacht waren und die Blicke in den Spiegel überhandnahmen. Das war für mich etwas völlig Neues. Bei den Proben legte sich dieses Gefühl allerdings und ich fing an, Spaß zu haben. Zu dem Zeitpunkt habe ich dann gemerkt, dass ich an Ort und Stelle genau richtig bin.

Warum gerade „Miss Ulm“?

Seit ich klein war, habe ich viel Zeit in Ulm verbracht. Es ist für mich eine wunderschöne Stadt mit vielen Kindheitserinnerungen. Da das Blautal-Center von meinem Heimatort Burgberg nur gut 30 Minuten entfernt ist, war das ein weiteres schlagendes Argument.

Was gefällt dir am besten an Ulm?

Ich liebe es, Zeit am Donauufer zu verbringen. Am liebsten bei schönem Wetter und Sonnenschein. Außerdem liebe ich das Fischerviertel, das einen ganz gewissen Charme hat. Auch in der Innenstadt bin ich sehr gerne. Mit Blick auf das Ulmer Münster lässt es sich wunderbar shoppen.

Das war deine erste Misswahl, bei der du mitgemacht hast und du hast sie gleich gewonnen, hättest du damit gerechnet?

Nach dem ersten Durchgang in Abendkleidung habe ich meinem Freund eine Nachricht geschrieben, die lautete: „Erster Lauf war ganz okay.“ Nach dem zweiten Durchgang dann: „Ja passt schon. Glaub immer noch, dass es nix wird. Sind paar sehr hübsche Mädels dabei.“ Das spiegelt sehr gut wider, dass ich mir bis zur letzten Sekunde nicht sicher war, wie sich die Jury entscheiden wird. Ich habe mein Bestes gegeben, aber auch immer wieder den anderen Mädels gesagt: „Wir haben es nicht in der Hand!“ – und so war es: Die Subjektivität einer solchen Wahl kann man nur minimal beeinflussen.

Gegen 16 Frauen bist du angetreten, wie war denn die Stimmung unter euch?

Im Großen und Ganzen sehr gut. Es gab natürlich auch ein paar Mädels, die sehr verbissen an die Sache rangegangen sind. Ich habe mich eher mit den Mädels umgeben, die es ähnlich entspannt wie ich gesehen haben. Dadurch hatte ich viel Spaß und konnte den Tag voll und ganz genießen und alle Eindrücke aufnehmen. Ich glaube, wenn man 16 Konkurrentinnen hat, kann das sehr hart sein, wenn man gegen alle ankämpft. Ich habe deshalb versucht, zu allen eine gute und nette Beziehung aufzubauen – mit denen, die das auch wollten, hat das auch wunderbar geklappt.

Ist so ein Schönheitswettbewerb nicht sehr oberflächlich?

Seit diesem Jahr gibt es bei der Miss Germany Corporation in den Städte- und Länderwahlen keine Präsentation in Bademode mehr. Das hat mich sehr positiv überrascht und trägt mit dazu bei, dass die Oberflächlichkeit immer weniger wird. Die Jury legt nicht nur Wert auf das Äußere, sondern vor allem auch auf die Persönlichkeit und die Ausstrahlung der Kandidatinnen. In einem Laufsteg-Interview soll mehr über die jeweilige Kandidatin erfahren werden. Für mich hat es sich also nur bedingt oberflächlich angefühlt. Und natürlich weiß man bei einem Schönheitswettbewerb auch schon vorher, worauf man sich da einlässt.

Wie genau lief die Wahl eigentlich ab? Und wie lange musstet ihr zittern, bis die Entscheidung gefallen war?

Es gab zwei Durchgänge. Im ersten Durchgang wurde Abendmode präsentiert. Ich habe mich für einen schwarzen Jumpsuit entschieden, wodurch ich mich schon von den anderen Mädels, die alle Kleider trugen, unterscheiden konnte. Im Anschluss daran fand eine kurze Vorstellung auf dem Laufsteg statt. Im zweiten Durchgang wurde Sommerkleidung präsentiert, dabei sollte man entweder ein weißes oder beiges Sommerkleid tragen und dieses auf dem Laufsteg präsentieren. Die zwei Läufe sowie das Interview wurden dann von der Jury mit Punkten bewertet. Daraufhin fand die Siegerehrung statt. Insgesamt war ich sieben Stunden im Blautal-Center. Darin sind auch die Probe der Choreografie, die Vorbereitungen, die unterschiedlichen Durchgänge und letztlich die Siegerehrung und Nachbereitung dabei.
Schwarzer Jump-Suit und weißes Kleid, hast du deine Outfits dort bekommen?
Nein, ich habe beides von zu Hause mitgebracht. Es aber nicht extra neu für die Misswahl eingekauft.

Und was war mit Haare und Make-up?

Die Haare wurden vor Ort von Hair-Stylisten aus Ulm gemacht. Beim Make-up waren wir auf uns selbst gestellt. In beiden Fällen war es mir wichtig natürlich zu bleiben und nicht wie eine Barbie auszusehen.

Bist du denn generell zufrieden mit deinem Aussehen?

Alles in allem ja. Ich glaube eine Frau findet immer kleine Makel an sich und Dinge, die sie gerne verändern würde. Würde ich ein bisschen mehr Sport machen, wäre ich sicherlich noch zufriedener. Trotzdem mag ich mich so wie ich bin und möchte mich nicht beschweren.

Und wer hat dich im Blautal-Center begleitet?

Ich war ganz alleine dort. Außer meinem Freund habe ich niemandem davon erzählt. Das hatte auch einen Grund, denn ich hatte schließlich absolut nicht mit einem so positiven Ergebnis gerechnet. Und falls es für mich nicht positiv ausgegangen wäre, wäre ich nicht in Erklärungsnot gekommen. Außerdem habe ich versucht, mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren, was gut geklappt hat. So konnte ich abends meine Familie mit den positiven Neuigkeiten zu Hause überraschen.

Und was hat deine Familie dazu gesagt?

Ich bekomme rundum positives Feedback und viel Lob. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass meine Freunde und vor allem meine Familie immer hinter mir steht und mich niemals verurteilen würde – ganz im Gegenteil: Sie sind begeistern von meiner Eigeninitiative und immer wieder überrascht von meinen Aktionen.

Was sagt denn dein Freund zu dem Ganzen?

Mein Freund hat mich von Anfang an in dem Vorhaben unterstützt. Er freut sich sehr für mich, dass es in Ulm geklappt hat, aber bedauert es, nicht dabei gewesen zu sein. Bei der Wahl zur Miss Baden-Württemberg wird er mich auf jeden Fall begleiten.

Wie fühlt man sich, wenn man für sein Aussehen so viel Lob bekommt?

Das ist eine Sache, die ich absolut nicht gewohnt bin. In meinem Alltag wird das Aussehen nicht bewertet, vielmehr wird fachliche Kompetenz und Eifer bewertet. Dementsprechend ist das für mich jetzt eine völlig neue Erfahrung. Ich genieße es umso mehr, jetzt viel Lob für mein Äußeres zu bekommen. Habe aber auch kein Problem damit, wenn das manche Leute nicht so sehen – ist eben Geschmackssache.

Abgesehen vom Lob für dein Aussehen gab es aber auch einen Preis, oder?

Als Miss Ulm darf ich mich mit der Schärpe der Miss Germany Corporation schmücken. Außerdem habe ich zwei Tageskarten für den Europapark Rust und einen Gutschein für eine Zahnaufhellung bekommen. Zudem habe ich mich für die Wahl zur Miss Baden-Württemberg qualifiziert.

Wie findet dein Arbeitgeber, dass du bei einer Misswahl mitgemacht hast?

Mein Arbeitgeber hatte erstmal keinen Einfluss darauf, denn ich habe erst im Nachhinein davon erzählt. Der erste Tag im Büro nach der Wahl war aber sehr spannend und aufregend. Alle waren sehr interessiert und begeistert. Ich kann mich voll und ganz auf meine Kollegen und meinen Arbeitgeber verlassen. Das ist sehr wichtig, vor allem falls es für mich noch ein bisschen weitergehen sollte.

Was genau arbeitest du denn?

Ich arbeite seit Februar in Vollzeit bei Zeiss Vision Care in Aalen im globalen Marketing für Brillengläser. Außerdem mache ich berufsintegriert mein Masterstudium in International Management.

Und wie sehen deine Karriereziele aus?

Ich werde im Januar 2020 mein Masterstudium abschließen. Was danach kommt, ist noch völlig offen. Mein Arbeitgeber bietet tolle Möglichkeiten, gleichzeitig ist es mir aber wichtig, dass ich mich 100 Prozent mit dem Job, den ich mache identifizieren kann. Mit Abschluss meines Masters sehe ich mich in der Lage, erste Führungsverantwortung zu übernehmen und mich langfristig im Marketing oder der Marketing-Kommunikation zu etablieren.

Was sind denn deine Aufgaben als Miss Ulm?

Als Miss Ulm bekomme ich die Möglichkeit, die Stadt Ulm und ihre Umgebung bei der Wahl zur Miss Baden-Württemberg am 31. Oktober in Karlsruhe zu vertreten. Das macht mich sehr stolz. Die Miss Baden-Württemberg tritt dann wiederum bei der Wahl zur Miss Germany an. Außerdem vertritt man als Miss Ulm seine Stadt und kann von Organisationen und der Presse zu Terminen geladen werden.

Kurz nach deinem Sieg sagtest du in einem Interview, dass du dir schon vorstellen könntest, Miss Germany zu sein. Willst du das wirklich?

Es war auf keinen Fall von Anfang an mein Ziel „Miss Germany“ zu werden. Zunächst freue ich mich jetzt erstmal auf die Wahl zur „Miss Baden-Württemberg“ und hoffe dort genauso punkten zu können wie zuletzt in Ulm. Natürlich wäre es ein Traum, wenn der Weg für mich als Miss noch weitergeht und trotzdem bin ich auch jetzt schon sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Ich versuche das nicht zu verbissen zu sehen und mit derselben Gelassenheit wie bisher zur nächsten Wahl zu fahren.

Was erhoffst du dir durch den Titel?

Die Wahl zur Miss Germany eröffnet aus meiner Sicht viele Chancen für das weitere Leben. Es wäre eine Lüge zu sagen, dass ich diese Erfahrung nicht gerne mitnehmen würde und keine Ambitionen habe. Ich nehme das mittlerweile schon etwas mehr ernst als zuletzt in Ulm.

Das neueste aus der Rubrik Noise’n’style