Katja Sieder im Interview
156 Folgen in der Serie „Verbotene Liebe“
Katja Sieder spielte die Caroline Schulz in der ARD-Serie „Verbotene Liebe“, was sagt sie über ihre Rolle und die andere Schauspieler von VL?
Schon seit über 20 Jahren wird die Seifenoper Verbotene Liebe (VL) in der ARD ausgestrahlt. Im vergangenen Jahr gab es großen Aufruhr, denn die Sendung sollte abgesetzt werden. Nun wird die Serie doch fortgesetzt – seitFebruar wird sie aber nur noch wöchentlich ausgestrahlt, so der Pressesprecher der ARD.
Die Schauspielerin Katja Sieder verkörperte die Rolle der Caroline Schulz. Seit November ist Caroline Schulz allerdings nicht mehr in der Sendung zu sehen. Wie geht es mit der Rolle weiter, und was macht Katja Sieder nun. Darüber und, wie sie das Fast-Aus von „ Verbotene Liebe“ erlebt hat, sprach Stefanie Kirsamer mit der 32-Jährigen.
156 Folgen spielten Sie bei VL die schüchterne Caroline Schulz, die Modedesignerin werden wollte und im Schatten ihrer Schwester stand. Haben Sie Gemeinsamkeiten oder sind Sie privat ganz anders als Caro?
Ich bin Schauspielerin und habe die Rolle als eine Herausforderung gesehen, weil Caroline Schulz so ganz anders ist als ich. Obwohl eine Gemeinsamkeit habe ich mit Caro Schulz schon. Sie kämpfte auch für ihren Traum. Und dass tat ich ja auch, um Schauspielerin zu werden. Nur habe ich viel früher damit angefangen als Caro. Ich denke nicht, dass ich mit 30 Jahren noch Schauspielerin hätte werden können und wenn dann sehr schwer. Da hatte Caro Schulze als Modedesignerin mehr Glück.
Die Serie Verbotene Liebe gibt es ja nun schon seit über 20 Jahren, waren Sie als Teenager auch ein Fan?
Ja klar, damals habe ich die Sendung jeden Tag geschaut. Irgendwann als ich älter wurde, habe ich es weniger geschaut, aber immer hin und wieder mal. Also ganz abgeschworen habe ich der Sendung nie.
Ging für Sie ein Kindheitstraum in Erfüllung, als Sie die Rolle der Caro in Verbotene Liebe bekommen haben?
Nein, es war kein Traum von mir, als Kind hätte ich das niemals gedacht. Vor allem war es wichtig für mich in der Weiterentwicklung als Schauspielerin Dreherfahrung zu sammeln und mich im reduzierten minimalistischen Spiel vor der Kamera zu üben.
Warum sind Sie Schauspielerin geworden?
In der Schule gab es eine Theater-AG und das hat mir sehr gefallen und so habe ich meine Leidenschaft für das Schauspielern entdeckt. Nach dem Abitur war eben die Frage was mache ich jetzt? Damals war mir der Beruf Schauspielerin noch völlig fremd. Mein Theater-Lehrer Gerhart Kraner, dem ich den Zugang zum Theater verdanke, gab letztlich den Anstoß mich an einer Schauspielschule zu bewerben. Das habe ich versucht und es hat geklappt.
Aber so einfach war es nicht, oder?
Nein, ich habe an vielen Schulen vorgesprochen und nach einem Jahr hat es dann an der Universität der Künste in Berlin geklappt – das ist die größte Kunsthochschule Europas. Unter vielen Bewerbern wurde ich für einen der zwölf Plätze ausgewählt.
Danach sind Sie nicht zum Fernsehen, sondern zum Theater. War es einfach eine Stelle zu finden?
Nein, viele freie Stellen gibt es an deutschen Theatern nicht. Als Studentin hatte ich mein erstes Engagement in Berlin am Renaissancetheater, danach gastierte ich am Maxim Gorki Theater in Berlin, in Bonn und in Kiel. Meine erste feste Stelle hatte ich dann am Anhaltischen Theater in Dessau, wo ich noch heute zum Ensemble gehöre.
Wie sind Sie zum Fernsehen und zur „ Verbotene Liebe“ gekommen?
Man kann sich als Schauspieler von einer Agentur vertreten lassen und diese bemüht sich um Film- und Fernsehauftritte. Meine Agentin Wiebke Reed hat mir eine Einladung zum Casting von „Verbotene Liebe“ besorgt. Das erste Casting fand in Potsdam Babelsberg statt, danach ging es für die zweite Runde ins Verbotene-Liebe-Studio nach Köln. Ich bekam die Rolle der Caroline Schulz und kurz darauf, im September 2013 begannen auch die Dreharbeiten.
Was sind denn die Unterschiede zwischen Fernsehen und Theater?
Bei VL musste ich mehr Text in kürzerer Zeit lernen und den vergisst man dann auch wieder. Im Theater ist das anders, da probt man ein Stück sechs Wochen lang und spielt das über den Zeitraum von mindestens einem Jahr. Was ich beim Drehen für VL nicht vermisst habe, war das Lampenfiber, das ich oft beim Theaterspielen habe. Dort ist eben alles live, wenn beim Drehen etwas schief geht, wiederholt man es einfach, das geht natürlich beim Theater nicht. Doch selbst beim Fernsehen kann man nicht jede Szene unendlich oft wiederholen, denn die Zeit ist knapp bemessen, vor allem bei einer Serie wie VL, die fünfmal die Woche ausgestrahlt wird.
Wie funktioniert das bei „Verbotene Liebe“, die Sendung, die gestern ausgestrahlt wurde, wann wird die gedreht?
Verbotene Liebe hat einen großen Vorlauf, etwa drei Monate. Das war auch das Lustige als ich dort anfing, das war im September und es wurde schon die Weihnachtsfolge gedreht.
In der Serie entwirft Caroline Schulz immer wieder neue Outfits – Können Sie eigentlich zeichnen?
Nein, das kann ich nicht. Noch nicht. Wenn ich mal ein paar Striche machen sollte, hat das am Set immer für viel Gelächter und Freude gesorgt. Denn meine Zeichnungen sehen aus wie von einem Kindergartenkind gemacht.
Interessieren Sie sich eigentlich für Mode?
Ich gehe schon gerne shoppen und ziehe mich schön an, aber mit Mode befasse ich mich nicht übermäßig. Ich ziehe das an, was mir gefällt.
In der Serie ist die Rolle der Caro momentan mit ihrem Freund Thore Hellström (Philipp Oehme) in Paris. Kommt sie denn wieder zurück?
Die Serie war ja am Jahresende sehr im Umbruch. Erst hieß es sie wird abgesetzt, dann doch nicht. Deshalb kann ich dazu nicht viel sagen, nur so viel, also erstmal wird Caro Schulz nicht wieder kommen. Aber sie ist noch am Leben und bei VL kann man ja nie wissen, was passiert, sogar die „Toten“ kommen ab und zu wieder zurück.
Für viele Fans brach eine Welt zusammen, als es hieß Verboten Liebe soll abgesetzt werden, wie haben Sie das miterlebt?
Da war ich schon gar nicht mehr vor Ort, aber ich kann das schon verstehen, dass wen man 20 Jahre lang jeden Abend geguckt hat, man entsetzt war, als das Aus der Sendung zur Debatte stand. Man verliebt sich vielleicht sogar in manche Charaktere oder mag sie sehr gerne und die begleiten einen ja auch ein Stück weit im Alltag.
Wann wurde denn die letzte Folge mit Caro Schulz gedreht?
Letztes Jahr im Juni und ausgestrahlt wurde sie im Oktober.
Welche Schauspielerin bzw welchen Schauspieler von Verbotene Liebe haben Sie denn als Jugendliche besonders gemocht?
Ich hatte keinen Favoriten, aber es war schon ziemlich lustig, auf einmal neben Gabriele Metzger in der Maske zu sitzen, die die Charlie Schneider spielt.
Wie war das gemeinsam mit ihr zu drehen?
Mit Charlie habe ich leider nicht vor der Kamera gestanden, wir hatten keine gemeinsame Geschichte, aber es war schon sehr nett, sie am Set persönlich kennenzulernen. Wenn man eine Person schon so oft im Fernsehen gesehen hat, glaubt man sie zu kennen.
Aber im echten Leben sind die Schauspieler dann doch ganz anders, oder?
Ja doch, aber sie sind alle sehr nett, sogar die Bösewichte.
Was steht denn jetzt bei Ihnen an?
Ich würde gerne mal einen Kinofilm drehen oder einen 90-Minüter fürs Fernsehen. Gerade arbeite ich wieder am Theater in Dessau, wo ich nun mit den Proben für Goethes „Götz von Berlichingen“ beginne. Ich werde die Rolle der Maria haben. Aber mit „Verbotene Liebe“, das Kapitel ist erstmal abgeschlossen.
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