„Venedig sehen und sterben“ – Ist das wahr?

„Venedig sehen und sterben“ heißt es, doch was bedeutet diese Aussage? Hat man, wenn man Venedig besucht hat, tatsächlich alles im Leben gesehen und erlebt? Der Satz ist meiner Meinung nach definitiv übertrieben. Es gibt so vieles, was nicht mit Venedig vergleichbar ist- New York, Tokio, Barcelona, Paris oder Rio de Janeiro. Dass diese Orte nicht mit Venedig vergleichbar sind, ist aber nichts Negatives. Das heißt nicht, dass sie schöner sind. Sondern es heißt lediglich, was das Wort „unvergleichbar“ auch aussagt, dass sie anders sind. Anders schön, jede auf ihre Weise. Trotzdem: Venedig ist einmalig.

Ich persönlich habe mir nicht viel erwartet, von der Stadt die oft als „stinkend“ und „touristenüberlaufen“ bezeichnet wird. Trotzdem habe ich die Möglichkeit ergriffen, mir ein eigenes Bild davon zu machen. Bei einem Urlaub in Verona hat sich ein Venedig-Ausflug aufgrund der Nähe angeboten. Die Verbindung Verona-Venedig ist auf viele Weisen umzusetzen: Auto, Bus und Bahn. Da wir kein Auto dabei hatten und das Parken in Venedig sich aufgrund des Autoverbots als schwierig gestaltet, blieben demnach nur noch die weiteren zwei Möglichkeiten. Bus und Bahn brauchen ungefähr gleich lang, um von Verona nach Venedig zu gelangen. Da man mit dem Zug jedoch den Autoverkehr auf den Straßen gut umgehen kann, und so die Möglichkeit für eine Verspätung durch Stau ausgeschlossen ist, haben wir uns für den Zug entschieden.

Mit dem Zug kann man sich zwischen zwei verschiedenen Bahnhöfen in Venedig entscheiden: Venedig Mestre und Venedig Santa Lucia. Mestre ist ein Stadtteil von Venedig und wird aufgrund seiner Größe und seiner Entfernung zum Stadtkern oft als eigene Stadt bezeichnet. Santa Lucia hingegen ist mitten im Zentrum. Beim Aussteigen aus dem Zug sieht man bereits das Meer, ab dem Verlassen des Zuges sieht man weit und breit kein Auto mehr. Nur einige Schritte gerade aus dem Bahnhof erreicht man bereits die erste „Wasserbus-Station“. Deshalb finde ich es sehr empfehlenswert, diesen Bahnhof zu wählen.

Die Wasserbushaltestellen sind leicht zu erkennen, sie sehen aus wie kleine Häuschen auf dem Wasser und haben ein gelbes Dach. Hier kann man sich zwischen verschiedenen Ticketoptionen entscheiden. Eine einzelne Fahrt, eine Hin- und Rückfahrt oder ein Tagesticket. Je nach Option variiert natürlich auch der Preis. Wir hatten uns entschlossen, gleich zur Rialto-Brücke zu fahren und von dort aus den weiteren Plan auszumachen.

Der Blick von der Rialto-Brücke.

Das Witzige daran war: Wir hatten keinen Plan. Wir haben uns vorher nicht viele Gedanken gemacht, haben keinen Stadtführer gekauft, haben nicht online Informationen eingeholt. Selbstverständlich waren uns Attraktionen wie die bereits genannte Rialto-Brücke, die Seufzerbrücke und der Markusplatz von Begriff. Selbstverständlich haben auch wir bereits Filme über Venedig gesehen und ungefähr gewusst, was wir besuchen wollen. Aber: Wir wollten uns leiten lassen, von den Gerüchen, den Menschen, den Eindrücken und unserer eigenen Eingebung. Deswegen haben wir uns ein Tagesticket für das Bootfahren gekauft. Um flexibel und frei entscheiden zu können, ob wir laufen oder doch wieder in das nächste Boot steigen- und das hat sich als die richtige Entscheidung erwiesen.

Das Bootfahren war einmalig! Erst wenn man sieht, dass in dieser Stadt wirklich alles mit dem Boot erledigt werden muss, realisiert man die Tragweite. Kellner fahren mit den Booten Getränke durch die Gegend. Familien fahren ihre Einkäufe vom Supermarkt nach Hause. Von den Bus-Booten, Gondeln und Privatbooten ist auf dem Wasser ein reger Verkehr zu beobachten. Und trotz all der Sehenswürdigkeiten: Das Bootfahren hat mir letztendlich am besten gefallen.

Typisches Venedig: Kleine Gässchen und Privatboote vor den Häusern.

Von unserem ersten Weg zur Rialto-Brücke haben wir immer wieder das Boot genommen. Wir sind auch viel durch das Zentrum zu Fuß gelaufen, durch überlaufene Gässchen und Ortsteile, wo weit und breit niemand zu sehen ist. Und das ist für mich das echte Venedig: Die Kombination aus viel und wenig, laut und leise, überfüllt und romantisch.

Um dem Trubel ein wenig zu umgehen sind wir nach Lido gefahren, ein kleines Städtchen ganz in der Nähe. Von der Boothaltestelle am Markusplatz waren es ungefähr zwanzig Minuten. Dort haben wir uns ein Fahrrad geliehen, eines für vier Personen. Damit sind wir zum Strand gefahren. Es war das perfekte Highlight des Tages. Eine perfekte Kombination: das laute Venedig und der leise, menschenleere Strand.

Am liebsten würde ich euch Venedig nicht empfehlen. Um dieses kleine Städtchen vor noch mehr Touristenanstürmen zu schützen. Ich würde euch lieber sagen, dass es nicht sehenswert ist und ihr keinesfalls dort hinmüsst. Aber das wäre gelogen, Venedig ist definitiv eine Reise wert. So etwas wie Venedig gibt es nirgendwo anders.

Venedig ist definitiv eine Reise wert.

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