Vernissage der Raver

Als junger Mensch wünscht man sich oftmals einfach nur Platz und Freiraum zum Ausprobieren. Genau den haben die aktiven Mitglieder des „Whild-Stage“-Kollektives nun bekommen. Bekannt ist die Vereinigung in Heidenheim vor allem für ihre Techno-Raves, für ihre Partys also. Nun wagt sich ein Teil der Gruppe mit seinen persönlichen Kunstwerken auf eine Bühne vor ein anderes, vielleicht auch älteres, Publikum. Im Meeboldhaus neben dem Heidenheimer Rathaus dürfen sie ausstellen, was sich über die Zeit in dem Kollektiv angesammelt hat und was einzelne Mitglieder gestaltet haben.

„Das hat sich einfach so ergeben. Ich hätte vor ein paar Monaten gar nicht darüber nachgedacht, ob ich meine Fotografien irgendwo zeigen könnte“, erzählt Carolin Michalk, bei der die Fäden für die Vernissage zusammenlaufen. Dass sie ihre Kunst nun doch einem größeren Publikum präsentieren kann, machte die Agentur „Ich für uns“ möglich. Sie ist im Meeboldhaus angesiedelt, im oberen Stockwerk des Hauses sei aber einfach viel Platz frei. Diesen Platz dürfen die jungen Künstler nun füllen. Die Vernissage und der Beginn der Ausstellung ist am Samstag, 29. Juni, ab 10 Uhr geplant. Michalks Fotografien sind dabei nur der Anfang: Rund sieben junge Leute stellen Zeichnungen, Gemälde, poetische Texte und Skulpturen aus. „Es gibt Poesie und Sachen zum Anfassen“, beschreibt es die Organisatorin der „Whild-Stage“-Kunstsammlung. Alle Künstler werden bei der Vernissage für Gespräche vor Ort sein.

Ausgestellt werden viele bunte Stücke, die auch schon auf den Partys von „Whild Stage“ dabei waren. Foto: Sabrina Balzer

Wer die Partys der „Whild-Stage“-Truppe kennt, wird im Meeboldhaus einiges wiedererkennen. Die Holzkonstruktionen von Florian Görlitz, die normalerweise die Tanzfläche schmücken, werden in verkleinerter Modellform ausgestellt. Für ihre Veranstaltungen haben die jungen Technofans auch schon große bunte Pilze, einen Löwen und ähnliche Figuren aus Pappmasche oder Gips gebaut. „Was davon in die Ausstellung kommt, wissen wir aber noch nicht“, erklärt Michalk. Nur eines sei sicher: Die Ausstellung wird sich stetig verändern und weiterentwickeln. „Wenn wir etwas für eine Party brauchen, dann nehmen wir es einfach mit und bringen es vielleicht später wieder zurück“, schildert Michalk erste Pläne. Außerdem sollen immer wieder neue Künstler dazukommen und andere Werke wieder verschwinden.

Ein klares Konzept oder Vorgaben für die Künstler gibt es dabei kaum. Auch die Beschreibungen, die jedes Werk bekommen soll, sollen von jedem unterschiedlich und individuell formuliert werden. Nur eines zieht sich durch die Kunst der Jugendlichen – Hinter jedem Bild und jedem Stück steckt ein kreativer Gedanke. Außerdem verfolgen alle ein Ziel: „Wir wollen zeigen, dass auch junge Leute etwas auf die Beine stellen können“, sagt Michalk.

In dieser Hinsicht ist das Projekt im Meeboldhaus tatsächlich einmalig. Michalk und ihre Mitstreiter planen alles selbst und setzen ihre Pläne auch allein in die Tat um. Wer nach Förderungen oder einer Struktur die von außen kommt sucht, wird nicht fündig werden. Das war der Gruppe wichtig. Sie wollen zeigen, dass es eine aktive Jugend gibt. Mit der Ausstellung möchte „Whild Stage“ auch bei einer älteren Generation als der Technopartygemeinde präsent sein.

Die Mitglieder des Kollektivs zeigen auch ihre Fotografie. Foto: Carolin Michalk

„Deshalb wird es vielleicht eine Toninstallation geben. Die Leute wissen ja oft gar nicht, was wir für Musik machen“, verrät Michalk noch mehr Details der Präsentation. Ein DJ, der auch bei den Partys von „Whild Stage“ auftritt, soll mit einigen seiner Hörproben zeigen, wie viel Kunst in Technomusik und im DJ-Dasein stecken kann. Die Musik sei nicht nur Teil der Kunst, sondern auch Motivation für andere Kunstwerke, erklärt die Hauptorganisatorin der Ausstellung.

Wir haben noch etwas Angst, dass zur Vernissage Niemand auftaucht. Die, die zu unseren Partys kommen, könnten sich vielleicht nicht so sehr für unsere Kunst interessieren, und ältere Menschen kennen uns nicht“, befürchtet die 20-Jährige, die dieses Jahr ihre Ausbildung bei der Bank beendet hat.

Eine weitere Hürde sei die Installation der Werke: „Wir dürfen keine Schrauben oder Nägel verwenden. Insgesamt können wir nirgends Löcher machen“, sagt Michalk. Nach der Vernissage, wird die Ausstellung zu den normalen Öffnungszeiten des Meeboldhauses geöffnet sein. Jeder kann kommen wann er möchte und die Werke betrachten, denn die Stücke werden das Meeboldhaus erst endgültig verlassen, wenn dieses in den nächsten Jahren abgerissen wird. Bis dahin hofft das „Whild-Stage“-Kollektiv, die Räumlichkeiten in dem gelben Haus in der Innenstadt immer mit neuer aktueller Kunst von jungen Heidenheimern füllen zu können.

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