Wer rettet das Klima?

Am 29. November ruft „Fridays for Future“ zum nächsten globalen Streik auf. Der Anlass: Die Weltklimakonferenz, zu der sich Politiker der Vereinten Nationen ab dem 2. Dezember in Madrid treffen. Die Jugendlichen von „Fridays for Future“ fordern Klimagerechtigkeit – und sind der Meinung, dass es nichts bringt, Politiker nur wiederholt auf ihre Verantwortung in Sachen Klima hinzuweisen. Dieses Mal wollen sie laut, wütend und unbequem sein, Einkaufsstraßen und Klassenzimmer übernehmen, auf öffentlichen Plätzen und Straßenkreuzungen auf sich aufmerksam machen. Auch die Heidenheimer Gruppe ist am Start.

Die Bewegung „Fridays for Future“ geht von der Jugend aus: Freitags wird die Schule geschwänzt, um für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Doch wie sieht die junge Generation diese Bewegung? Was tut sie selbst dafür, um Umwelt und Klima zu schonen? Und wen sieht sie in der Verantwortung, zu handeln?

 

Anna Gessler
NOISE-Autorin
18, Niederstotzingen

„Zugegebenermaßen habe ich selbst noch nie an einer „Fridays for Future“-Demo teilgenommen. Das liegt jedoch nicht daran, dass ich nicht an den Klimawandel glaube, oder gar ein Gegner solcher Bewegungen bin, sondern weil ich es wichtiger finde, selbst darauf zu achten, wie man mit der Umwelt und dem Müll umgeht.

Aus diesem Grund versuche ich unter anderem, Plastik zu vermeiden. Ich habe mir Strohhalme aus Metall gekauft, ein Netz aus Baumwolle für Obst und Gemüse aus dem Supermarkt und eine Flasche aus Glas, welche ich immer wieder mit Leitungswasser auffülle. Außerdem nutze ich hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel und fahre nicht wie die meisten meiner Kommilitonen mit dem Auto zur Uni.

Allgemein stelle ich mir oft folgende Fragen: Brauche ich dieses Produkt jetzt wirklich, oder ist es besser für die Umwelt, wenn ich es sein lasse? Brauche ich für diese Strecke wirklich das Auto, oder wäre es sinnvoller, das Fahrrad zu benutzen? Jedoch muss ich ganz klar zugeben, dass sich dieses Umweltbewusstsein bei mir erst durch die „Fridays for Future“-Bewegungen gebildet hat, so wie wahrscheinlich bei vielen anderen Menschen auch.

Aus diesem Grund finde ich es eine gute Sache, dass sich so viele junge Menschen an den Demonstrationen beteiligen und auf die Probleme unseres Konsumverhaltens aufmerksam machen. Und ich glaube, auch wenn man nicht selbst Teil dieser Bewegung ist, setzt man sich trotzdem im Privaten intensiver mit dem Thema Umweltschutz auseinander und macht sich Gedanken über die Probleme, die uns bevorstehen könnten.“

 

Yunus Topal
Auszubildender bei der Heidenheimer Zeitung
27, Heidenheim

„Ich finde „Fridays for Future“ eine richtig gute Sache. Junge Leute wachen dadurch auf und lernen, wie man etwas bewegen kann. Greta Thunberg finde ich ziemlich cool; in der Weltgeschichte gab es selten eine einzelne Person, die das Thema Klimaschutz so angegangen ist, wie sie.

Demos sind zwar einerseits wichtig, auf der anderen Seite aber auch etwas sinnlos: Klimaschutz beginnt in den Köpfen der Leute; mit Demos ändert man keine Meinungen. Aufmerksamkeit von Politikern zu bekommen ist nicht dasselbe, wie Aufmerksamkeit in der Gesellschaft zu erlangen. Man muss sich nur einmal anschauen, wie „Fridays for Future“ in der Gesellschaft angesehen wird. Die eine Hälfte unterstützt die Bewegung, die andere kritisiert sie stark. Im Übrigen ist es nicht die Politik, die den Klimawandel stoppen muss, sondern wir selbst – die Verantwortung liegt bei uns.

Wenn ich Lebensmittel einkaufe, versuche ich zum Beispiel, Plastik zu vermeiden. Zudem kaufe ich Lebensmittel bewusst regional und saisonal. Im Winter brauche ich ja keine Erdbeeren aus Spanien. Auch beim Fleisch achte ich darauf. Die Nachfrage regelt das Angebot, wenn also die ganze Welt etwas boykottiert, macht der Anbieter Miese. Auf längere Sicht geht es meiner Meinung nach darum, das eigene Konsumverhalten zu überdenken.

Beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs liegt es an uns, die Regierung in den Schwitzkasten zu nehmen, um Bus, Bahn und Co. attraktiver zu machen. Wir 82 Millionen können etwas bewegen.

 

Miriam Herceg
NOISE-Autorin
19, Herbrechtingen

„Meiner Meinung nach sind die „Fridays for Future“-Demonstrationen eine tolle Möglichkeit, um Schülern die Gelegenheit zu geben, ihre Meinung auszudrücken. Den Standpunkt, dass Schüler diese Demonstrationen nur dafür nutzen, die Schule zu schwänzen, finde ich nicht besonders gut durchdacht, schließlich könnten sie den Unterricht auch zu jeder anderen Zeit ausfallen lassen. So wie ich das sehe, ist dieses Argument lediglich eine Ausrede, um Jugendlichen ihre Glaubwürdigkeit abzusprechen. Wenn hierbei bedacht wird, wie lange Schüler dafür kritisiert wurden, dass sie nicht genügend Interesse an politischen Themen zeigen, ist dieser Standpunkt sehr ignorant.

Leider habe ich selbst bislang noch nicht an einer der Demonstrationen mitgewirkt, da die Termine in Heidenheim bisher immer zu ungünstigen Zeitpunkten stattfanden, oder ich zu spät davon erfahren habe. Nichtsdestotrotz vertrete ich dieselbe Meinung und stehe hinter den Aussagen der Demonstrationen. Glücklicherweise sind die „Fridays for Future“-Aktionen aber nicht die einzige Möglichkeit, die Umwelt zu schonen und den Klimawandel zu bekämpfen, ohne den eigenen Lebensstandard maßgeblich verändern zu müssen.

Ich persönlich verwende beispielsweise keine PET-Flaschen, sondern nachfüllbare Wasserflaschen, Zahnbürsten aus Bambusholz, einen Metallrasierer sowie Kernseife anstelle von Duschgel. Beim Einkaufen benutze ich immer einen Jutebeutel und Gemüsenetze, um mir Plastiktüten zu sparen. Außerdem kaufe ich überwiegend Lebensmittel, die nicht in Plastik verpackt sind. Darüber hinaus versuche ich, so viel wie möglich zu Fuß zu gehen, um unnötigen Verkehr zu reduzieren.

Meiner Meinung nach ist jeder Einzelne vom Klimawandel betroffen und sollte sich auch dementsprechend verhalten. Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir unsere Lebensweise in ein paar Jahren drastisch verändern müssen. Oder aber wir ignorieren den Notstand und begeben uns bald in eine Abwärtsspirale, aus der wir unseren Planeten nicht mehr retten können. Selbstverständlich haben manche Menschen, wie zum Beispiel Politiker, einen größeren Einfluss auf mögliche Veränderungen, aber offensichtlich kann auch ein 16-jähriges Mädchen die ganze Welt bewegen, wenn sie nur hart genug dafür arbeitet.“

 

Benni Zeller
NOISE-Fotograf
17, Gerstetten

„Ich selbst war noch auf keiner „Fridays for Future“-Demonstration. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass junge Menschen für ein besseres Klima und eine bessere Umwelt auf die Straße gehen und demonstrieren, es geht ja schließlich um unsere Zukunft. Wenn ich aber die Bilder der „Fridays for Future“-Demonstrationen in den Medien sehe, frage ich mich, warum nur während der Schulzeit demonstriert wird, und nicht auch in den Ferien. Ist da etwa ein Großteil der Demonstranten mit den Eltern auf umweltverschmutzenden Kreuzfahrtschiffen im Mittelmeer unterwegs, oder auf Kurzstreckenflügen zu Sparpreisen?

Die Verantwortung für den Klimawandel sehe ich in erster Linie bei den Industrienationen, die durch die fortschreitende Industrialisierung nicht genug zur Reduktion von umweltschädlichen Emissionen tun, aber auch bei jedem einzelnen von uns. Ich finde, man sollte bereits kleine Kinder in der Familie, in Kindergärten und in Grundschulen über Klimaschutz aufklären und sie dazu erziehen, verantwortungsvoll mit unserer Erde umzugehen.

Ich selbst nutze in meinem Heimatort das Fahrrad oder gehe zu Fuß, außerdem vermeide ich es, unnötige Strecken mit dem Auto zu fahren. Meinen Ausbildungsplatz erreiche ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fahrgemeinschaften. In den Urlaub bin ich in den letzten Jahren fast ausschließlich mit der Bahn gefahren. Ich finde, dass die Preise für den öffentlichen Verkehr drastisch gesenkt werden sollten und auch die Fahrpläne müssten optimiert werden. Dadurch würden sicher mehr Bürger den öffentlichen Nahverkehr nutzen und einen weiteren Beitrag zu einem besseren Klima leisten.“

 

Franci Valentin
NOISE-Autorin
20, Heidenheim

„‚Fridays for Future‘ ist das perfekte Beispiel dafür, dass eine einzige Stimme etwas Großartiges bewirken kann. Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich lese oder höre, wie viele Menschen weltweit für diese Bewegung auf die Straße gehen. Die Demos schaffen ein Problembewusstsein; die Welt beschäftigt sich immer mehr mit der Umwelt und wie man sie schützen kann. Problemzonen bekommen mehr Aufmerksamkeit und Politiker werden aufgefordert, zu handeln. Zusätzlich wird aber auch jeder Einzelne motiviert, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Ich für meinen Teil achte beispielsweise darauf, weniger bis gar kein Fleisch mehr zu konsumieren, und wenn, dann nur vom regionalen Metzger. Auch Obst und Gemüse kaufe ich ohne Verpackung und – wenn es mein studentischer Geldbeutel erlaubt – bio und regional. Allgemein besteht jeden Tag die Möglichkeit, etwas Gutes für die Umwelt zu tun: Man kann beispielsweise eine Plastikzahnbürste durch eine Holzzahnbürste ersetzen, Duschseife statt in Plastik verpacktem Duschgel benutzen, zudem gibt es wiederverwendbare Strohhalme, Wattestäbchen und Stoffservietten. Außerdem kann man Müll, der auf der Straße liegt, aufheben und wegschmeißen, wiederverwendbare Flaschen statt PET-Versionen kaufen, oder auch beim regionalen Bäcker einkaufen.

Es gibt tausend Dinge, die jeder Einzelne tun kann. Die Verantwortung im Klimawandelstopp liegt neben der Politik also auch bei jedem von uns. Wenn jeder seinen Beitrag leistet, das Thema weiterhin publik macht und Forderungen an die Gesellschaft und die Regierung stellt, kann damit einiges erreicht werden.“

 

Philipp Hruschka
Volontär bei der Heidenheimer Zeitung
28, Heidenheim

Ich bin zu alt für „Fridays for Future“. Zumindest, um selbst als Schüler für das Klima zu streiken. Genau richtig ist mein Alter allerdings, um sich für den Klimawandel und seine Folgen zu interessieren. Deshalb finde ich es gut, dass es „Fridays for Future“ gibt. Dass die Bewegung eine große Wirkung erzielt, steht außer Frage. Durch die Proteste sind die Gefahren des Klimawandels viel mehr Menschen bewusst geworden, vor allem aber wird Druck auf die Politik ausgeübt, das Thema ebenfalls aufzunehmen. Konkrete Schritte, wie etwa das Klimapaket der Bundesregierung, greifen leider trotzdem noch viel zu kurz.

Egal, was man persönlich von den Demonstrationen hält: Die große Aufmerksamkeit, die die Aktivisten bekommen, erhalten sie nur dadurch, dass Regeln gebrochen werden. Es wäre eben nicht dasselbe, wenn die Schüler am Wochenende oder während der Ferien protestieren würden. Nicht umsonst heißt es „Streik“: Ein Streik soll wehtun, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und das hat ganz eindeutig gut funktioniert.

Die Klimaproteste laufen jetzt schon seit langer Zeit und werden wirklich überall diskutiert. Trotzdem merke ich auch an mir selbst, dass die Dringlichkeit der Situation immer wieder aus dem Bewusstsein verschwindet. Statt ein für alle mal festzustellen, welche Schritte wie schnell notwendig wären, um das wichtige 1,5-Grad-Ziel noch erreichen zu können, wird oft lieber über Recht und Unrecht streikender Schüler oder Greta Thunbergs Reden gestritten. Gerade die personalisierte Kritik, die immer wieder in Beschimpfungen und Anfeindungen gegen Protagonistinnen wie Thunberg oder Luisa Neubauer umschlägt, zeigt: Vielen Gegnern der Klimaaktivisten fehlen eigentlich die Argumente.

 

Übrigens: Mehr über die Klimastreiks und die Initiatorin der Heidenheimer Proteste gibt’s im Podcast „Unterm Dach“ mit Anna Prasser zu hören.

Das neueste aus der Rubrik Campus