Handy weg im Proberaum!

Eine Schulband braucht oft zwei oder drei gemeinsame Jahre, um sich einzuspielen und zu lernen miteinander zu harmonieren. Schade, wenn dann eine starke Besetzung ihrem Schulabschluss näherkommt und die Band und die Musik für die jungen Musiker in den Hintergrund rückt. Oft löst sich die Schülerband auf und Musiklehrer fangen mit neuen, jüngeren Spielern bei null an.

Ganz anders lief es bei „The Quips“: Auch sie starteten als Schülerband, fanden so zusammen und bekamen Unterstützung in der Georg-Elser-Realschule in Königsbronn. Erst nach ihrem Abschluss dort drehten sie aber so richtig auf: Im Jahr spielen die 17- und 18-Jährigen rund 15 Gigs, verdienen sich etwas dazu, veranstalten sogar ihre eigenen Minikonzerte, ihren sogetauften „Garagenrock“, und sind jetzt dabei ihre erste EP mit eigenen Songs aufzunehmen. Das alles machen sie, während sie an verschiedenen Schulen ihr Abitur nachholen.

In Oberkochen haben sie momentan ihren Proberaum im Keller der Großeltern von Sänger und Gitarrist Jonas Esslinger. Zusammen mit Gitarrist Paul Rathgeb, Sängerin Anaïs Bustaus, Bassist Christopher Andersson und Schlagzeuger Fabian Grimm hat er sich dort eine ganze Wohnung für die Zwecke der Band umgebaut. Mit extra Küche, zukünftigem Büro und Raum zum Entspannen und Texteschreiben. „Wir zahlen nur Strom und Heizkosten und übernehmen Gartenarbeiten und können dafür die Räume nutzen“, sagt Jonas. Den Proberaum hat die Gruppe so ausgebaut, dass man dort in Zukunft mit dem richtigen Equipment und Knowhow auch aufnehmen könnte.

Volle Konzentration auf die Musik

Anlage? Check! Mischpult? Check! Instrumente? Die fehlen. Das liegt daran, dass sie direkt von einem Konzert weiter auf das nächste gefahren werden, weil zwei Gigs auf zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden stattfinden. Auch nach einem Sofa, einem Kühlschrank oder gar einer Kaffeemaschine hält man direkt im Proberaum lange Ausschau. „Wenn hier die Tür zugeht, dann wird gearbeitet. Es ist früher öfter mal passiert, dass wir uns ablenken ließen. Dann kommt man aber nicht vorwärts“, erklärt Paul. Auch ihre Smartphones legen alle auf den Tisch für das Mischpult, sobald die Probe beginnt. Die fünf Musiker meinen es ernst: „Ich will auf jeden Fall Musiker werden. Wir arbeiten alle daran, die Band zu verbessern“, sagt Jonas.

Dafür hat sich „The Quips“ zumindest mal die Richtige Atmosphäre geschaffen: Die Wände sind gut gedämmt mit Schallschluckern aus Schaumstoff, schwarzen Vorhängen und einer zurechtgeschnittenen Matratze für die Tür. Das Schlagzeug steht auf einem Podest aus Paletten, „sonst bekommt man hier einen Gehörschaden“, sagt Christopher und lacht.

Apropos Gehörschaden, was sagen eigentlich Jonas Großeltern und die rentnergeprägte Nachbarschaft zum Rockerproberaum in der Einliegerwohnung? „Die finden das eigentlich alle cool. Meine Großeltern freuen sich, wenn wir da sind und die Nachbarn haben noch nie etwas gesagt. So laut ist das glaube ich auch wieder nicht“, verlässt sich Jonas auf die Schalldämmung.

„Thank You For Reasons“ erscheint im September

Während der Proben und auf ihren Gigs erklingen die neuen Songs von „The Quips“ bereits. „Wir können alles, was wir geschrieben haben, natürlich auch live spielen“, verspricht Jonas. Die EP erscheint aber erst am 15. September und soll „Thank You For Reasons“ heißen. Welche und wie viele Songs tatsächlich auf die CD kommen steht noch nicht fest. Es müssen nur noch ein paar Gitarrenlinien und Overdubs, also einzelne Effekte und Zwischenspiele eingespielt werden, der Rest ist schon aufgenommen. Bei der Produktion der EP wurden die jungen Musiker von der Musikschule Oberkochen/ Königsbronn und von Gitarren Lehrer Peter Kellert unterstützt. Auch sein Tonstudio konnten die fünf unter anderem nutzen.

Geschrieben wurden die Lieder aber alleine. Auch wenn sich die Band nicht klar auf ein Genre festlegen kann, haben doch alle Titel eines gemeinsam: Zuerst kam der Text, dann wurde die Musik darum herum komponiert. „Jonas, Christopher und ich schreiben die Texte. Dann kommen wir zusammen, fügen die Texte zusammen und verändern sie gemeinsam. Manchmal bleibt von einer Person nur ein einziger Satz tatsächlich so, wie er war“, sagt Paul. Steht ein Text dann nach oft wochenlanger Überlegungen fest, schreibt Jonas die Melodien.

Frei von Stilvorgaben

Dabei ist „The Quips“ frei von Stilvorgaben. Sie sehen sich selbst in einem weiten Feld zwischen Rock- und Popmusik. „Wenn wir covern, spielen wir aber auch oft sehr alte Lieder“, relativiert Anaïs. „Die Presse hat mal geschrieben, wir würden Kuschelrock machen. Das hat uns aber auch nicht gefallen“, hadert Jonas mit einer klaren Einordnung. Wie ihre Lieder klingen hängt von der Musik ab, die die Schüler gerade selbst hören und dem Text, auf den komponiert werden soll. Die Texte äußern sich manchmal kritisch und politisch, erzählen oft aber auch einfach nur Erlebnisse aus dem alltäglichen Leben der Musiker. Alles wird auf Englisch geschrieben. „Deutsch klingt einfach nicht so melodisch“, sagt Paul.

Das neueste aus der Rubrik Musik