100 Prozent Sängerin: Jenifer Brening
Neues Album und eine Nominierung in Hollywood
Elena Kretschmer war bei Jenifer Zuhause und hat sie als sehr fröhlichen Menschen erlebt, der sehr offen ist. Jenys Stimme hat sie umgehauen.








In einer Castingshow hat Jenifer Brening erste Erfahrungen gesammelt. Doch längst ist sie es leid, darauf beschränkt zu werden. Die 19-Jährige geht ihren eigenen Weg und das ziemlich erfolgreich. Es klingt recht nüchtern, wenn Jeny auf ihre Erfahrungen bei „Deutschland sucht den Superstar“ im Jahr 2014 zurückblickt: „Ich habe aus dieser Zeit viele neue Bekanntschaften und Kollegen mitgenommen. Dass man mal vor Dieter Bohlen stehen konnte, war natürlich das Highlight überhaupt“, so die 19-Jährige. Doch obwohl er sich sogar als Fan von Jenys Gesang outete, war nach dem Recall Schluss. „16 Jahre, ein wirkliches Talent. Du hast natürlich auch prima gesungen, aber ich kann keine von den anderen nach Hause schicken. Es tut mir echt leid. Du bist nicht weiter“, versuchte sich Bohlen zu erklären. „Mir wurde auch gesagt: komm‘ wieder, wenn du 17 bist. Aber ich habe es jetzt dabei belassen und versuche, es auf meine eigene Art und Weise zu schaffen“, sagt die Lauingerin.
Und das gelingt ihr tatsächlich sehr gut: ein neues Album, eine Nominierung für den Hollywood Music in Media Award im Bereich Pop für ihre Single „Miracle“, fast 20 000 Facebook-Fans und knapp 8000 Abonnenten auf Youtube. Doch wo hat Jenifer eigentlich singen gelernt? „Ich hab’s ehrlich gesagt gar nicht gelernt, das kam irgendwann mal“, verrät sie. Zwei Stunden Gesangsunterricht bei einer Opernsängerin zeigten Jeny, das ist nicht ihr Ding, und so brachte sie sich alles selbst bei. „Sie hat von den Besten gelernt“, witzelt ihre Mutter Lilli und spielt auf Stars wie Christina Aguilera oder Kelly Clarkson an. „Irgendwo sind diese Covers auch eine Schule gewesen.“ Aber gesungen habe Jenifer im Grunde schon immer.
Entscheidend war eigentlich der erste Auftritt auf Mamas Geburtstag, woraufhin mehr und mehr Verwandte anfragten, ob Jenifer nicht bei dieser oder jener Familienfeier singen könnte.
„Dann hat meine Tante gemeint: da müsst ihr jetzt was draus machen“, so die Sängerin. Bei „Heidenheim sucht den Superstar“ 2010 war sie die Gewinnerin, bei der Bravo-Starwahl 2011 des gleichnamigen Jugendmagazins schaffte sie es unter die Top zehn. Ein weiteres Jahr später nahm die gebürtige Berlinerin an der Sat.1-Talent-Show „The Winner is ?“ teil und wurde Zweite. Bis zu ihrer Teilnahme an DSDS 2014 stand ihr Youtube-Kanal im Fokus. Im selben Jahr noch wurde sie mit dem EMM (Eldani Musik und Media) Awards als Beste Newcomerin ausgezeichnet. Dadurch begann die Zusammenarbeit mit Universal Music.
Jenifer konnte eine Power-Balladen-Version ihres bei den Awards ausgezeichneten Songs „Not that guy“ von und mit Eike Lüchow, einem ehemaligen Mitglied von Stanfour, und dessen schwedischen Kollegen Kaz veröffentlichen. „Die haben den Song sozusagen neu produziert und komplett neu aufleben lassen“, erzählt die 19-Jährige mit glänzenden Augen. Es öffneten sich die Türen zu deutschen Musikgrößen und Produzenten. Das Lied ist eines von dreien, die sie gemeinsam mit einem Produzent aus New York und einem aus England aufgenommen hat. Sie waren über Jenifers Youtube-Video-Cover von Miley Cyrus‘ „Wrecking Ball“ auf sie aufmerksam geworden und wollten einen Song für sie schreiben. „Ich habe damals nur auf die Möglichkeit gewartet, eigene Songs rauszubringen, die noch nie jemand vorher gesungen hat“, schwärmt sie. Fürs Selberschreiben habe es zu dem Zeitpunkt noch nicht gereicht. Zu den drei Songs wurden schließlich in nur drei Tagen drei Videos produziert.
https://youtube.com/watch?v=byDOuvTWXE4%3Flist%3DRDcjLNvDLrXhA
Irgendwann kam dann noch der Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. „Da bin ich nach der Abstimmung auf Platz elf gelandet“, erklärt Jeny. Und schiebt sofort hinterher: „Man merkt, wenn eine Tür sich schließt, dann geht eineandere auf.“ Zum Beispiel spielt Jenifers Song „ASAP“ – ihr erster selbstgeschriebener – dank Universal jetzt in der Werbung bei RTL. „Auch irgendwie lustig: von RTL gekickt, von RTL gespielt“, witzelt sie. Nach diesem Lied kam erstmal eine Weile gar nichts: „Ein paar Auftritte, aber songtechnisch nichts.“ Im Oktober 2015 waren Jeny und ihr „Mamager“, wie sie ihre Mutter und Managerin gerne nennt, dann noch bei einem Gesangswettbewerb in Kasachstan. „Der hieß ,neue Namen‘ und den habe ich gewonnen“, so Jenifer stolz. Im Januar dieses Jahres kam schließlich ihr zweiter selbstgeschriebener Song „Miracle“ heraus. „Und im November kommt das Album mit 14 selbstgeschriebenen Songs“, verrät die 19-Jährige. Studioarbeit und Schule sind zwar nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen – alles ein bisschen „tricky“, so Jeny – aber reinhängen tut sie sich in beides.
Ihre Mama jedenfalls steht – wie die gesamte Familie – voll hinter Jenifer: „Wir unterstützen das, was sie gerade macht. Egal, wohin das Ganze geht.“ Denn sie und ihr Mann seien nicht nur Eltern, sondern auch richtige Fans ihrer Tochter. Der Auslöser ist für Mama Brening ganz klar: Als die kleine Jeny mit acht Jahren ohne Vorderzähne, mit leichten Segelöhrchen dastand, um der Mama „Für dich“ von Yvonne Catterfeld als Geburtstagslied vorzusingen – „Da haben wir uns gedacht: also irgendetwas hat das Kind.“ Jetzt ist die stolze Mama immer im Studio dabei und erlebt ihre Tochter sehr kreativ. „Mitproduzent André beherrscht das Musikalische, schafft es aber gleichzeitig, das was Jenifer meint, umzusetzen. Er ist geduldig und fängt sie auf“, so Lilli Brening. „Da ziehe ich meinen Hut und ich glaube, einen Zweiten wie ihn werden wir in diesem Leben nicht finden.“ Deswegen nehme die Familie auch jedes Mal gerne den langen Weg ins Studio nach Bielefeld auf sich.
Von nichts kommt nunmal nichts. Erfolg muss man sich verdienen. Ob Jeny sich schon als erfolgreich bezeichnen würde, beantwortet sie mit: „Ich würde sagen, es geht immer mehr. Es gibt theoretisch keine Grenze nach oben.“ Dennoch sei das, was sie bisher erreicht habe, für ein 19-jähriges Mädchen schon sehr viel. „Aber irgendwie noch nicht genug“, fügt sie hinzu. Jeny will von den Leuten gehört werden. Schließlich schreibt sie ihre Songs, um den Leuten zu vermitteln, dass sie mit bestimmten Situationen nicht alleine sind. „Klar wäre es der Hit, wenn ich irgendwo hinkomme und plötzlich mein Song gespielt wird.“ Aber so weit sei es bis jetzt noch nicht gewesen. Obwohl der Papa es erlebt hat: in einem Fastfood-Restaurant lief „Miracle“ im Musikfernsehen. „Alles, was kommt, nehme ich gerne an und wenn nichts kommen sollte, dann ist es eben so“, sagt Jeny rational. Bis dahin habe sie hoffentlich ihr Abi in der Tasche.
Denn Plan B, wenn es mit der Musik am Ende doch nicht klappen sollte, sieht so aus: „Ich habe überlegt, dass ich studieren möchte. Zuerst Internationale BWL und dann noch einen Master in ,Industrial Management‘.“ Mama Lilli fügt hinzu: „Was Handfestes – davon war schon immer die Rede. Wir unterstützen das Ganze, solange die Schule nicht drunter leidet.“ Es gebe so viele tolle Künstler auf der Welt und deshalb dürfe man sich nicht darauf verlassen, berühmt zu werden. Jeny erklärt: „Ich habe schon immer gewusst, wenn das mit dem Gesang nicht klappt, dann will ich auf gar keinen Fall was Anderes mit Musik machen – also nichts in der Richtung studieren. Weil dann wird’s in dem Bereich gar nicht mehr klappen.“
Doch noch ist alles offen, das Album steht in den Startlöchern. Alle 14 Songtexte sind hundertprozentig von Jeny geschrieben. Es geht vor allem um die Liebe, aber auch um den „Stress in der Welt“, so Jenifer, trotz dem man aber nie vergessen sollte, dass es auch eine gute Seite gibt – eine märchenhafte. Außerdem beinhaltet das Album sehr tiefsinnige Balladen, zum Beispiel einen Song an ihre Großmutter, die verstorben ist. Ein anderes Lied hat Jeny ihrem Bruder gewidmet, als Dankeschön für alles, was er für sie getan hat. „Es ist alles bunt gemischt. Da ist für jeden was dabei.“ Einen absoluten Lieblingssong hat die 19-Jährige gar nicht. „Der neueste Song, der fertig ist, ist immer der coolste“, sagt sie strahlend. Allerdings gibt sie zu, in Bezug auf ihre Songs extrem selbstkritisch zu sein. „Und es gibt so Momente, wo Stars Songs rausbringen und ich mir denke: hey, warum bin ich nicht darauf gekommen?“ Daher nehme sie aber auch oft ihre Inspiration.
Jeny hofft, mit ihrem neuen Album Erfolg zu haben. Doch das bedeutet auch, viel im Rampenlicht zu stehen. „Alles Künstlerische läuft super, aber das mit den Medien, da bin ich nicht ganz so locker“, erzählt Jenifer. Es habe eine Weile gedauert bis sie den Dreh raus, was Interviews betrifft: „Vieles, was ich erzähle, klingt dann plötzlich ganz anders oder wird anders ausgelegt.“ Es sei schon ein Unterschied, ob man mit Leuten spreche, die einen kennen oder mit Fremden, bei denen das Gesagte ganz anders ankomme. Doch da müsse sie durch. Wünsche für die Zukunft hat die Lauingerin freilich: „Das Optimale wäre natürlich, wenn das Album direkt in die Charts gehen würde und das Video auf den Musiksendern rauf und runter laufen würde.“ Sie ist fest davon überzeugt, dass ihre Fans sie unterstützen: „Die erwarten das Album und wissen, was davon Jeny ist.“ Sie freue sich schon sehr darauf, wenn ihre Supporter es hören. „Sie werden sehen, dass ich nicht nur „Cover-Queen“ bin, sondern ein Mensch mit eigener Geschichte, die er auch preisgibt.“ Das Album sei mit richtig viel Arbeit verbunden gewesen, Arbeit, die die meisten Leute gar nicht sehen.
Aber es ist auch Arbeit an sich selbst. Denn Jeny, die sich als „lieb, ab und zu impulsiv, fleißig, zielstrebig, aber manchmal auch faul, nicht nachtragend und ziemlicher Morgenmuffel“ bezeichnet, war früher „total unsicher und gar nicht selbstbewusst“. Ihre Erfahrungen in der Musikbranche hätten ihr gezeigt, dass es wichtig ist, an sich zu glauben und von sich selber überzeugt zu sein. Doch ansonsten sei sie eine ganz normale junge Erwachsene, die sich gerne mit Freunden trifft und quatscht, Kaffee trinkt, in die Disco geht, tanzt und viele Familienfeiern besucht. Ein „Höhenflug“, so Jeny, sei gar nicht drin, weil ihre Eltern sie ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Und sie auf die vielen Events begleiten, auf die Jeny eingeladen wird. Im April durfte sie beispielsweise die Echo-Verleihung besuchen. „Nicht Auftritt-technisch, aber ich durfte dabei sein“, erklärt sie. Es sei schließlich immer gut, sich mit Musikerkollegen auszutauschen.
Jetzt im Herbst folgen noch einige Highlights: Nächste Woche, am 21. Oktober, veröffentlicht Jenifer zunächst ihre neue Single „Remember“ und gleich im Anschluss, am 4. November, das dazugehörige Album „Recovery“. Mitte November wird die 19-Jährige dann sogar in Hollywood weilen. Dort ist sie für ihre zweite Single „Miracle“, die sie im Januar auf dem Label KHB Music veröffentlicht hat, in der Kategorie „Pop“ bei den „Hollywood Music in Media Awards“, kurz HMMA, nominiert. Am 17. November findet die Verleihung statt. „Sie ist die einzige Deutsche“, sagt ihre Mutter Lilli stolz. Ansonsten sind bei diesem Wettbewerb Künstler aus den Staaten und anderen Weltmetropolen vertreten. Man darf also gespannt sein.
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