Santana im Brenzpark?

Carlos Santana 2015 im Brenzpark? Siggi Schwarz würde mitbieten, wenn ihm jemand hülfe, das Risiko zu tragen

Christina Stürmer, die „Spider Murphy Gang“, 2800 Besucher an zwei Tagen . . . Das war das Brenzpark-Festival 2014. Für Veranstalter Siggi Schwarz zählen allerdings nicht nur die harten Fakten, wie er Manfred F. Kubiak während eines Gesprächs verrät, in dem es dann unter anderem auch noch um Carlos Santana geht.

Mit zwei Tagen Abstand, Herr Schwarz: Waren Sie zufrieden oder unzufrieden mit der achten Auflage ihres Brenzpark-Festivals?

Zufrieden.

Ohne Einschränkungen?

Ja, ohne Einschränkungen. Sicher hatte ich mir, als ich sie gebucht habe, ein paar Zuschauer mehr bei Christina Stürmer erwartet, aber von solchen Aspekten des Ganzen mache ich nicht meine Zufriedenheit abhängig, zumal ich schon am Wochenende wusste, dass das alles auch finanziell aufgehen würde. Meine Zufriedenheit aber ziehe ich für mich selber daraus, dass alles harmonisch verlaufen ist, dass alles völlig reibungslos vonstatten ging, dass es dem Publikum und den Bands gefallen hat, dass ich hinter der Bühne ausschließlich mit entspannten Tourmanagern zu tun hatte, und dass wir, wenn ich mir noch einmal vor Augen führe, wie es am Sonntag dann geregnet hat, auch insgesamt mit dem Wetter Glück gehabt haben.

Sie haben es also wieder mal genossen?

Ja, ich genieße immer wieder vor allem das Drumherum, wenn die Anspannung der Vorbereitungen von einem abfällt, wenn ich die glücklichen Menschen im Park beobachte, da geht mir das Herz auf. Das ist Glück.

Trotzdem konnte man in jüngster Zeit fast den Eindruck gewinnen, jemand habe Sie mit einem Fluch belegt: Erst müssen Sie ihr Guitar-Festival mangels Nachfrage vom Lokschuppen ins „Deluxe“ verlegen, dann sogar den kompletten dritten Tag des Brenzpark-Festivals absagen. Wem haben Sie was getan?

(lacht) Tja, das weiß man nie so genau, oder? Aber im Ernst, Stichwort Guitar-Festival: Da hatte ich mit Albert Lee und Hannes Bauer wirklich große Gitarristen an Land gezogen, die aber, das muss man auch wissen, rein vom Namen her in der zweiten Reihe stehen und nur den wirklichen Insidern auf Anhieb etwas sagen. In kleinen Städten wie Heidenheim kann man sich damit als Veranstalter dann eben auch mal schwer tun, weil hier die Anzahl der Spezialisten, die ich mit einem solchen Konzert auf jeden Fall erreiche, von vornherein wesentlich kleiner ist als in einer Großstadt.

Sie nehmen es also gelassen.

Ja, was bleibt mir anderes übrig? So etwas kommt vor. Mir ist ja etwas Ähnliches vor einigen Jahren mit Mick Taylor in Mergelstetten passiert. Der Mann hat immerhin bei den „Rolling Stones“ gespielt und eine ganze Generation von Gitarristen maßgeblich geprägt. Hier hat er aber bloß 200 Leute ins Konzert geholt, was ich damals kaum glauben wollte. So ist das eben manchmal, und auch ein Chris Thompson oder ein Bobby Kimball füllen solo auch nicht größere Hallen, steht aber „Manfred Mann’s Earthband“ oder „Toto“ auf dem Plakat, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Es braucht halt heute meistens eine „Trademark“. Aber deshalb muss man sich ja nicht davon abhalten lassen, Konzerte zu veranstalten. Und deshalb wiederum werde ich das nun abgesagte Hip-Hop- und Rap-Konzert auch am 6. Dezember mit derselben Besetzung nachholen. Mal schauen, was dann mit ein wenig mehr Vorlauf gehen wird. Die Idee war ja sehr kurzfristig aufgekommen und vor allem dazu gedacht gewesen, der Heidenheimer Nachwuchsszene eine Auftrittsplattform zu geben, wenn im Brenzpark eh schon eine Bühne aufgebaut ist.

Lassen Sie uns ruhig noch einmal gedanklich in den Brenzpark zurückkehren und mal fernab von Besucherzahlen den Anspruch eines solchen Festivals diskutieren, auch in Bezug auf die Vergangenheit dieses Open Airs. Ich behaupte nun, ohne despektierlich klingen zu wollen, dass eine „Spider Murphy Gang“, ganz abgesehen davon, dass hier unzweifelhaft gute Musiker am Werk sind, eher ein Festzelt-Act ist als das, was ein Festival wie dieses als Anspruch formulieren sollte, um ernsthaft als in Konkurrenz mit anderen großen Festivals stehende Veranstaltung wahrgenommen zu werden.

Das ist so, ja. Im Gegensatz zu Christina Stürmer, die diesem Anspruch vollauf gerecht wird, auch wenn sie derzeit offensichtlich die Massen nicht so zieht, wie das schon der Fall gewesen ist, lebt die „Spider Murphy Gang“ vom Party-Rock-‘n‘-Roll und ist, sieht man von München einmal ab, eher in einem kleineren Umfeld zu Hause.

Vergangenes Jahr nun war die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ der Top-Act im Brenzpark, eine unwidersprochen grandiose Band, aber schon auch ein wenig unterhalb des eben angesprochenen Anspruchs angesiedelt. Das war ja durchaus alles schon mal ganz anders beim Festival.

Gut, aber auch wenn nicht immer alles so klappt, wie man sich das selber auch wünschen würde, so hat sich an meinem Anspruch nichts geändert: Ich will hier, ob national, ob international, Bands aufbieten, die im Zeitgeist liegen, also aktuelle Radiomusik machen. Und wir hatten schon einige große Erfolge in dieser Hinsicht: „Silbermond“, „Ich und Ich“, „Culcha Candela“ zum Beispiel. Die andere Sache ist die, zusätzlich immer auch eine Band zu holen, die Rockgeschichte geschrieben hat und gleichzeitig für Stimmung sorgen kann. „Status Quo“ war beispielsweise da, „Jethro Tull“, „BAP“. Aber das Geschäft ist schwieriger geworden. Ich bin jetzt seit zehn Jahren auch als Veranstalter tätig, habe in dieser Zeit 82 Konzerte mit 180 Bands und 135 000 Besuchern organisiert, glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede, wenn ich hinzufüge, dass es sogar viel schwieriger geworden ist.

Inwiefern?

Die Pop-Schiene zum Beispiel wird immer schnellebiger, man muss den Zeitgeist erwischen, am besten noch vor allen anderen. Und für einen Veranstalter wie mich bedeutet das zum Beispiel auch, dass ich, möchte ich einen angesagten Act präsentieren, am besten, wie damals bei „Culcha Candela“, eine Band oder einen Künstler verpflichten muss, ehe er durchstartet und die Gagen explodieren und nur noch die ganz großen Hallen oder gleich die Stadien als Auftrittsorte infrage kommen. Da heißt es aufpassen wie ein Schießhund und das Gras wachsen hören. Und da ich mit solchen Wünschen nicht allein dastehe, kann man sich vorstellen, dass es alles andere als einfach ist, den richtigen Fang zu machen. Ansonsten wird’s halt ganz teuer, und da kann ich dann nicht mehr mithalten, auch wenn mich, wofür ich sehr dankbar bin, die Stadt jedes Jahr mit einem Zuschuss unterstützt, ohne den das alles schon jetzt genauso wenig möglich wäre wie ohne viele freiwillige Helfer und eine Reihe von privaten Sponsoren.

Nächstes Jahr, habe ich mir sagen lassen, wird Carlos Santana im Sommer unterwegs sein. Lassen Sie uns mal über eine solche Kragenweite reden.

(lacht) Stimmt, der wird 2015 auf Tour gehen. Und ich werde immer mal wieder auf ihn angesprochen, weil ich ja schon zusammen mit ihm gespielt habe. Da habe ich dann den Eindruck, die Leute denken, ich frage ihn, und der sagt dann: „Klar, Siggi, komme ich zu Dir nach Heidenheim und spiele auf eigenes Risiko.“ (lacht)

Nein, nein, ganz ernsthaft. Glauben Sie, dass es Ihnen gelingen könnte, solch eine Hausnummer nach Heidenheim zu holen – und, wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Also gut, ganz ernsthaft. Ja, ich glaube schon, dass ich einen Carlos Santana in den Brenzpark holen könnte. Aber mit Sicherheit würde ich es nicht alleine schaffen. Da müsste schon ein Sponsor sagen: „Ich helfe Dir“. Denn wir reden hier über Produktionskosten von zwischen 450 000 und 500 000 Euro. Da braucht man 9000 bis 10 000 Besucher, um wenigstens aus der Verlustzone zu kommen. Und in die möchte ich bei solchen Größenordnungen nicht geraten, da wäre ich als Veranstalter, der ja eigentlich nur dieses eine Pferd im Rennen hat, am Ende. Mit einem Groß- oder Hauptsponsor allerdings würde die Sache anders aussehen. Und ein Santana in der Stadt würde Heidenheim, da bin ich mir sicher, in Sachen Image ebenso gut zu Gesicht stehen wie der Fußball oder die Oper, bei denen ja ohne Sponsorship auch nicht alles möglich wäre. Zumal mit einem ernsthaften Sponsor an der Seite etwas in der Größenordnung von Santana ja durchaus regelmäßig in Heidenheim über die Bühne gehen könnte.

Weiter im Brenzpark ginge es aber auch ohne Sponsor, oder?

Ja, dieses Festival ist mir seit 2007 so ans Herz gewachsen, da müsste schon einiges passieren, bis ich über einen Ausstieg nachdenken würde. Ich würde dann eben weiter versuchen, immer so große Brötchen zu backen, wie das die geschilderten Umstände zulassen. Und diese Umstände bitte ich auch alle zu berücksichtigen, die meine Arbeit kommentieren. Es ist für einen Einzelkämpfer nicht immer so leicht, wie es, von außen betrachtet, aussehen mag. Lassen Sie mich deshalb Ihre Frage so beantworten: Ich bin Heidenheimer, und als solcher mache ich dieses Festival nach wie vor nicht nur für mich, sondern auch für diese Stadt. Ich mache es, weil ich will, nicht weil ich muss. // Interview: Manfred Kubiak

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