„Wir wollen alles“

Ins Radio haben es Marcel Stuhr alias Mosaique und Patrick Kwincz alias Patwah schon geschafft. Mit ihrem Song „Alles“, den sie Ende August auf Youtube veröffentlicht haben, nahmen sie an einem Newcomer-Voting des Radiosenders BigFM teil und heimsten sogleich den Wochensieg ein. Der Monatssieg für November folgte prompt und damit haben sich die Rapper einen Platz in der offiziellen Playlist des Senders erkämpft. Während des Monats Dezember wird ihr Song damit immer wieder abgespielt. Daran, die eigenen Songs nicht nur auf Youtube zu hören, könnten sich die beiden Herbrechtinger natürlich gewöhnen. Deshalb arbeiten sie weiter hart daran, wollen ihr momentanes Hobby, so abgedroschen das auch klingen mag, langfristig zum Beruf machen.

Marcel Stuhr ist 24 Jahre alt und momentan in der Marketing-Branche beschäftigt, sein Kumpel Patrick Kwincz, 26 Jahre alt, arbeitet im sozialen Bereich, insbesondere mit Jugendlichen. Zusammen Musik machen die beiden, die sich gemeinsam Noego nennen, seit zwei Jahren. Aber schon in der Zeit davor haben die beiden für sich die Rap-Musik als ihre Leidenschaft entdeckt und Texte geschrieben – bloß hat die eben keiner gehört.

Jetzt sieht das schon anders aus: Seit dem 30. August kann sich jeder den Song „Alles“ feat. Moné Blak im Internet anhören. Moné Blak haben sie für den ersten Song mit im Boot gehabt. Er kommt aus Stuttgart und hat beim Soundtrack für den Film des Rappers Cro „Unsere Zeit ist jetzt“ mitgearbeitet. Produziert hat den Song Amain Johnson, ebenfalls aus Stuttgart, der auf die beiden zugekommen ist und ein Treffen vereinbaren wollte. „Das war alles Zufall. Wir haben immer wieder laienhafte Aufnahmen gemacht und die kamen über Bekannte von uns bis zu Amain Johnson“, erzählt Mosaique von den Anfängen. Lange überlegen mussten die Rapper nicht. Es hieß: ab nach Stuttgart, ab ins Tonstudio. Produzent und Rapper haben sich vor Ort, so die Jungs, auf Anhieb verstanden. „Es hat ein bisschen Anlaufzeit gebraucht, bis man den richtigen Sound gefunden und sich auf eine Richtung geeinigt hat, in die es gehen soll“, erinnert sich Patwah. Das war im Mai dieses Jahres, drei Monate später sollte der Song online gehen, mittlerweile wurde er knapp 40 000 Mal geklickt. Der Text ist zum Großteil in Zusammenarbeit entstanden. Jeder, so beschreibt es Mosaique, schreibe daheim zwar ein wenig vor, aber erst im Studio werde alles zusammengefügt und passend zum Beat perfektioniert. In „Alles“ drücken die beiden den Wunsch aus, den sie beide haben: „Es geht um den Ansporn, damit erfolgreich zu werden und ganz nach oben zu kommen.“

Um von Anfang an alles richtig zu machen, durfte ein vernünftiges Musik-Video nicht fehlen. Auch dafür haben sich die Herbrechtinger jemanden ins Boot geholt. Sascha Richter, der ursprünglich aus Heidenheim kommt und mittlerweile in Ludwigsburg lebt, hat diesen Part übernommen. Nach einer zweiwöchigen Vorbereitungszeit haben alle Beteiligten in Heidenheim gedreht, neben den Musikern haben weitere Freunde als Statisten agiert. „Hinter der ganzen Geschichte steht ein Team aus acht Leuten, das sind nicht nur wir“, betont Patwah. Zwei Tage lang wurde gedreht, auf einer Dachterrasse und auf einem Parkdeck nahe der Dualen Hochschule. Eine Woche hat es noch gedauert, bis das Video geschnitten worden und damit alles fertig war.

Von da an ging es vor allem darum, das Video unter die Leute zu bringen. Um die Vermarktung haben sich die zwei selbst gekümmert, haben die Werbetrommel vor allem über die sozialen Mediennetzwerke gerührt. Weitere Anlaufstellen waren DJs und Clubs, die den Song spielen sollten.

„Haben im Vorfeld dick aufgetragen“

„Wir haben im Vorfeld dick aufgetragen und waren deshalb extrem angespannt. Das hätte total schiefgehen können“, so die Rapper. Es sei ziemlich schwer, Aufmerksamkeit zu generieren, weil der Markt überflutet sei. Doch es ging alles gut: Mittlerweile seien sie mehr als erleichtert, die positiven Reaktionen und die Klickzahlen hätten ihre Erwartungen übertroffen. Jugendliche auf der Straße hätten den Song gehört und auch gegrüßt, das vermittle ein Gefühl von Bestätigung.

Mit diesem positiven Gefühl gingen die Rapper gleich wieder ans Werk. Zunächst haben beide jeweils einzeln einen Song veröffentlicht, am 22. November dann kam ein neuer Song von den beiden mit Video heraus. „Hölle/Paradies“ lautet der Titel, gedreht wurde das Video dazu wieder von Sascha Richter, diesmal allerdings in Hamburg. Dort durften die Rapper auch ihr erstes Interview für ein Hip-Hop-Magazin geben.

Ohne zu wissen, wohin sie die Musik noch führen wird, investieren sie sehr viel Zeit und Geld in eine gute Qualität ihrer Arbeit und damit in ihre Karriere. Pro Woche stehen drei bis vier Treffen an. „Es geht nicht nur um Aufnahmen, manchmal sprechen wir uns auch einfach ab, das ist genauso wichtig“, erklärt Patwah. Inspirieren lassen sie sich übrigens überwiegend vom Künstler Kevin Gates, einem US-amerikanischer Rapper, genauer aus New Orleans.

Neue Pläne fürs kommende Jahr

Was jetzt noch fehlt ist Geld, das ihnen die Musik einbringt. Über Youtube wird das, so die Rapper, nicht funktionieren. „Wir haben 400 Abonnenten und man braucht glaube ich 10 000, um Youtube-Partner zu werden und damit Geld zu verdienen“, ordnet Mosaique ein. Am Ende müssten die Songs schlicht ins Radio und daran werden die Herbrechtinger weiter hart arbeiten. Für nächstes Jahr haben sie sich vorgenommen, ein größeres Projekt in Angriff zu nehmen – vielleicht eine Extended Play mit mehreren Songs.

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