Aggro-Schwaben

Wenn Undertow-Frontmann Joachim Baschin bei einem musikalischen Heimspiel Hochdeutsch spricht, kann man sich als Zuschauer schon mal wundern. Er müsse das tun, sagte „Joschi“ am Samstagabend im Aalener Rock It, sonst verstünden ihn ja die aus weiter Ferne angereisten Freunde und Fans ja nicht: „Oder vrstosch du mi!? Siehsch!“

Klar, dass es kein normales Konzert war, für das manche Besucher ein paar Hundert Kilometer Anfahrt auf sich genommen hatten. Undertow feierte im vollen Rock It die Veröffentlichung des achten Album „Reap the Storm“ und gleichzeitig das 25. Bandjubiläum.

Mit Vollgas auf die Mütze

Bei aller Feierlaune haute das Quartett aber kräftig auf den Putz. Die erste halbe Stunde gab es ausschließlich musikalisch auf die Mütze, mit schnellen Brechern wie „Zero Type X“ vom neuen Album oder „The Bitter Taste“, auch das fast neu-metallische Titelstück der neuen CD machte sich in dieser Reihe recht gut.

Nachdem sich der rabiate Schlagzeuger Oliver Rieger, Gitarrist Markus Brand und der seine meterlangen Dreadlocks schwingende Basser Andreas Hund warmgespielt hatten, traten sie auf die Bremse und spielte einige jener Songs, die Undertow den Ruf einer Doom-Band eingebracht haben: bleischwer walzende Beats, zähflüssige Riffs und Baschins klagendes Brüllen.

Metal-Kabarett

Dass die Band eine Runde „Jägermeister“ ausgab, war dem Anlass der Party geschuldet, manch einer der Gäste hätte an diesem Punkt schon erfrischendes Wasser brauchen können. Und die Stimmung flaute natürlich auch nicht ab, als End-of-Green-Sänger Michael Huber alias Michelle Darkness als Gast auf die Bühne kam.

Der tiefschwäbische Verbal-Schlagabtausch zwischen Baschin und dem Düstersänger von End of Green hatte absolut kabarettreife Züge, quasi „Joschi und der Huber“ statt „Hannes und der Bürgermeister“. Huber ließ seine brunnentiefe Stimme bei „Beyond Dreaming“ und dem großartigen neuen Song „Empire“ vibrieren, bevor Undertow zu viert wieder aufs Gas trat. Eine würdige Party.

Sludge mit Mundharmonika

Das Anheizen hatte die Doom Division aus Leonberg übernommen, die ganz stark nach Crowbar und ganz leicht nach Only Living Witness klang. Der Fünfer wuchtete seine Songs mit ordentlich Druck in den Zuschauerraum, ein bisschen fehlte es den gespielten Stücken aber an Abwechslung. Die beim letzten Song eingesetzte Mundharmonika war dann aber doch eine gelungene Überraschung.

Den Ausklang des Abend bestritt das ominöse Akustik-Cover-Trio „Darkness, Blacksmith & Kerker“ hinter dem unter anderem Musiker von End of Green steckten.

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