„Umm!“

Reaction-Videos zu irgendwelchen Songs sind bei Youtube ja nichts Neues mehr, und meistens geht es den Machern nur darum, mit möglichst viel „OMG!!!“ darzulegen, wie GRAU-EN-VOLL sie den Song gerade finden. Das ist noch lustig, wenn kleine Kinder oder Senioren mit Metal-Tracks konfrontiert werden, aber wenn man mal ehrlich ist, nützt sich der Witz ziemlich schnell ab.

Ganz anders ist es auf dem Youtube-Channel „Lost in Vegas“. Hier sind die beiden Macher Ryan und George seit gut einem halben Jahr aktiv. Das Konzept war anfangs ganz simpel: die beiden schauen sich ein Hiphop- oder R’n’B-Video an und erzählen parallel, was sie davon halten.

Metal-Reactions bringen Abonnenten

Und weil sie beide in dieser Szene sehr fit sind, kommt das auch sehr kompetent rüber. Ganz nebenbei ist da auch extrem lustig, weil die Jungs ziemlich unverstellt reden, ohne in den Gaga-Sprech vieler anderer Channels zu verfallen.

Der Wandel – und damit auch eine wahre Explosion der Abonnentenzahlen – kam im Juli 2017, als Ryan und George beschlossen, über ihre Szenegrenzen hinauszublicken und erstmals einen Metal-Song öffentlich anzuhören: „Enter Sandman“ von Metallica – ganz nach dem Motto „Talent ist Talent“.

Es dauerte nur Sekunden, bis die bekennenden Rap-Liebhaber knopfnickend und „Yeah!“ brüllend vor dem Laptop saßen und Metallica feierten. Die Zuschauer waren ebenso begeistert und forderten in den Kommentaren weitere Metal-Reaction-Videos ein.

Ryan und George lieben gute Grooves

In der Folge luden sie Clips mit Slayer, Anthrax, Black Sabbath oder Pantera hoch. George erwies sich dabei als Fan von fetten Drum-Grooves, der jedesmal ausrastet, wenn ein Schlagzeuger Vollgas gibt. Wenn er im Takt nickt und gepresst „Umm!“ sagt, kann man sicher sein, dass er den Groove geil findet.

Das Coole an „Lost in Vegas“ ist nicht nur die Begeisterung, mit der bei beiden sich durch teils extreme Songs hören. Sie haben auch eine ganz anderen Sicht auf Metal und Rock. Säßen da zwei ausgekochte Metal-Nerds, die alle Details den Genres längst bis ins Mark verinnerlicht haben, käme wahrscheinlich ein eher ödes Gespräch heraus.

Begeistert von Extrem-Franzosen

Weil für Ryan und George das meiste aber völliges Neuland ist, das sie mit viel Offenheit und Neugier erforschen, kommen immer wieder grandiose Videos heraus. Bestes Beispiel: Ihre Reaktion auf „Stranded“ von Gojira. Für Metaller fast schon Mainstream, müssen die Franzosen für die beiden tiefster Underground sein. Aber sie gingen in dem düster groovenden Song völlig auf. Seither streuen sie immer wieder auch Extrem-Metal-Songs ein.

Jüngstes Metal-Video war „Ghost of Perdition“, ein Prog-Death-Brocken der Schweden von Opeth, der von vielen Usern gewünscht worden war. Ihre erste Reaktion: Augenbrauch erstaunt nach oben! Dann hadern sie schon wie bei Sepultura ein paar Wochen zuvor mit dem brutalen Gesang. Als Mikael Akerfeldt dann in sanften Gesang umschaltet, jubeln sie aber schon. Und selbst bei Opeth finden sie noch ausreichend Groove, auch wenn sie vorsichtig andeuten, dass die Nummer dann doch etwas ausufernd und zu wenig flüssig arrangiert war…

Hier könnt ihr das Reaction-Video zu „Stranded“ von Gojira sehen:

Das neueste aus der Rubrik Klicktipp