Giengener Schüler diskutieren mit Stadträten

Was kann die Kommunalpolitik für die Giengener Jugend tun? Um diese Frage ging es im Bürgerhaus Schranne. Die Mitglieder der Politik AG am Margarete-Steiff-Gymnasium hatten in die Schranne eingeladen, um vor der Kommunalwahl am Sonntag mit den Stadträten über Politik zu sprechen.

Als Teil des Podiums stellten sich die Vorsitzenden der drei Gemeinderatsfraktionen, Gaby Streicher (SPD), Elisabeth Diemer-Bosch (CDU Wählerblock) sowie Alexandra Carle (Unabhängige & Grüne) den Fragen der Schüler. Oberbürgermeister Dieter Henle sprach den Schülern zu Beginn seine Hochachtung für die Organisation der Veranstaltung aus, und nutzte zudem die Gelegenheit, alle Anwesenden zur Teilnahme an Kommunal- und Europawahl aufzurufen.

Handlungsbedarf bei Schulen

Im Zuge der Diskussion kamen zahlreiche Bereiche zur Sprache, die gerade für Jugendliche und Schüler von Interesse sind. Die Moderatoren des Podiums interessierten sich unter anderem für den Zustand der Giengener Schulen, von denen viele Sanierungen nötig hätten. Laut Alexandra Carle gebe es hier in der Tat viel zu tun. Gleichzeitig gab sie jedoch zu bedenken, dass solche Maßnahmen stets teuer seien. Daher müsse man abwägen, welche Maßnahmen gerade am dringendsten seien.

Auch Elisabeth Diemer-Bosch sah Handlungsbedarf, schließlich seien sämtliche Giengener Schulen bereits in den 1960er oder 1970er Jahren entstanden. Gaby Streicher zog den Vergleich zu Fabriken, Arztpraxen oder Büros, die sich alle in den vergangenen 40 Jahren stark verändert hätten. „Warum also sollten Schulen noch in Räumen funktionieren können, wie man sie in den 1970er Jahren noch gebaut hat?“

Abseits der Schulen stellten die Jugendlichen fest, dass Giengen allgemein sehr viel für Senioren mache. Dies sei auch gut so, allerdings gebe es kaum Möglichkeiten für junge Menschen, sich außerhalb von Schule und Verein, „einfach so“ zu treffen. Die Frage nach solchen Angeboten wollte Carle zumindest zum Teil an die Jugendlichen zurückgeben. Der Gemeinderat bestünde nun einmal aus eher älteren Menschen. Sie rief die Jugendlichen daher dazu auf, sich mit ihren Ideen beim Gemeinderat zu melden: „Kommt auf uns zu.“ Das Gremium könne sich dann darum kümmern, ob und wie die Vorstellungen der Jugendlichen umsetzbar seien.

Diemer-Bosch hielt dazu fest: „Jugendliche sind im städtischen Alltag in Giengen kaum zu finden.“ Sie sah es wie Carle, und schlug vor, die Politik AG einmal in den Gemeinderat einzuladen. Streicher indes wollte auch festhalten, dass es bereits viel Gutes gebe, etwa das Schülerferienprogramm, „das sich sehen lassen kann.“ Aber: „Es fehlen Plätze, wo ihr chillen könnt“, fasste die Stadträtin das Problem zusammen. Zur Frage, was man bei den Politikerinnen von einem Jugendgemeinderat für Giengen halte, waren sich diese einig: Für ein solches Projekt brauche es eben den Willen und vor allem das anhaltende Interesse der Jugendlichen.

Die Innenstadt beleben

Auch die Belebung der Innenstadt lag den Schülern am Herzen. Diemer-Bosch erinnerte hierzu an Zeiten, in denen die Marktstraße voll mit kleinen Läden und Geschäften war. Für eine Verbesserung der Situation sah sie die Verantwortung zunächst bei jedem Einzelnen: Man solle, wo möglich, in Giengen einkaufen. Carle gab zu bedenken, dass es sich offensichtlich nicht jeder leisten könne, einen Laden aufzumachen. Sie wies zudem darauf hin, dass dieses Problem kein Giengener Phänomen sei. Dem pflichtete auch Streicher bei, Probleme mit den Innenstädten beträfen alle Kommunen. Was man dennoch als Stadt tun könne, sei, die richtigen Voraussetzungen zu schaffen. Beispielsweise beim Parkplatzsystem habe man inzwischen seine Hausaufgaben gemacht.

Politik AG zufrieden

Schließlich hatten in einer Fragerunde die Zuhörer selbst Gelegenheit, dem Podium ihre Fragen zu stellen. Nach kurzem Zögern nahmen dies auch zahlreiche Bürger in Anspruch, wobei deutlich wurde, dass sich bei den Themen des Abends bei Weitem nicht nur Jugendliche angesprochen fühlten.

AG-Mitglied und Neuntklässlerin Laura Steinwinter zog am Ende ein positives Fazit. „Die Politikerinnen waren in vielem einer ähnlichen Meinung. Trotzdem glaube ich, dass wir uns jetzt ein bisschen mehr unter den Fraktionen vorstellen können.“ So habe man jetzt einen besseren Eindruck, wer da am Sonntag überhaupt zur Wahl stünde. Am Ende der Veranstaltung hätten sich die Schüler noch mit vielen der Anwesenden unterhalten und ausgetauscht: „Wir sind sehr zufrieden.“

Rund 25 Schüler der neunten und zehnten Klasse sind Teil der Politik AG am Margarete-Steiff-Gymnasium. Seit Mitte Februar haben sie sich einmal wöchentlich getroffen, um die Podiumsdiskussion vorzubereiten. Betreut wird die AG dabei von den Lehrern Verena Vollert und Simon Palaoro.

Den Anfang hatte das dreitägige Seminar „Politik erlebt“ im Studienhaus Wiesneck bei Freiburg gemacht. Dort beschäftigte sich die AG mit Politik und Geschichte, und simulierte eine Podiumsdiskussion sowie eine eigene Gemeinderatswahl mit fiktiven Parteien und Kandidaten.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die Schüler auf unterschiedlichen Kanälen Werbung gemacht, etwa mit Flyern oder in den sozialen Medien. Zu Beginn der Diskussion zeigten die Schüler zudem einen kurzen Film, für den sie Giengener Bürger nach ihrer Meinung zu lokalen Themen befragt hatten. Die Diskussion selbst konnte live über den Instragram-Account der AG verfolgt werden.

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