Ist ein Einzelkind einsam?

Bei einem Spiel mit Freunden, wobei man Fragen beantworten sollte, die jeweils die Mitspieler stellen, musste ich vor einigen Tagen eine Frage beantworten, welche mir bis heute regelmäßig durch die Gedanken schwebt. Deswegen, aber auch weil ich denke, dass das Thema zwar einerseits individuell mich und mein Leben betrifft, jedoch andererseits auch einige unter euch, habe ich mich entschlossen, meine Gedankengänge diesbezüglich mit euch zu teilen.

Die Frage, ob ich, wenn ich es denn könnte, etwas an meiner Vergangenheit, an meiner Kindheit ändern könnte, ob ich dies dann machen würde. Weiter, ob es etwas gibt, das ich mir im Nachhinein anders gewünscht hätte, etwas, das unerfüllt geblieben, was im „Hier und Jetzt“ auch nicht mehr nachzuholen ist. Intuitiv hätte ich am liebsten gleich „nein“ geschrien. Aus einem normalen Reflex heraus, der es nie zulassen würde, dass ich nur ein einzig negativ konnotiertes Wort über meine Kindheit ausspreche. Dies kommt daher, dass ich den Gedanken an die Vergangenheit sehr mag.

Ich liebe es, alte Bilder anzuschauen und mich an schöne Momente zu erinnern, ich liebe es, Erzählungen von früher zu lauschen und mich von meinen Gedanken zurück an glückliche Augenblicke leiten zu lassen. Meine Eltern, deren einziges Kind ich bin, waren schon immer, und sind selbstverständlich auch noch heute, meine wichtigsten Ansprechpartner, treuesten Freunde, und unersetzliche Stützpunkte, welche all ihre vorhandene Liebe und Kraft investiert haben, um mich zu derjenigen zu machen, die ich heute bin. Zu sagen, dass ich dafür dankbar bin, wäre wenig.

Die Behauptung, dass ich mit dieser Situation „glücklich“ bin, ist mehr als untertrieben. Die Frage ist nur, ob es nicht immer etwas gibt, das man sich innerlich immer gewünscht hat? Ehrlich gesagt, ja. Bis heute frage ich mich immer wieder, wie es gewesen wäre, mit Geschwistern aufzuwachsen. Ein großer Bruder, der auf einen aufpasst. Eine kleine Schwester, für die man zum Vorbild wird. Das sind Dinge, die man erleben muss, um zu wissen, wie es sich anfühlt, und in meinem Fall ist es eben so, dass dies nie passieren wird. Zu sagen, dass ich dies bedauere, oder etwas in meinem Leben vermisse, ist falsch ausgedrückt, aber ich hätte doch gerne gewusst, wie das ist.

Obwohl ich mich dadurch natürlich nie einem Streit unter Geschwistern aussetzen musste, was ich mir durchaus anstrengend vorstellen kann. Obwohl ich schon immer die kleine Prinzessin meiner Eltern bin, würde ich nicht behaupten, dass ich als verwöhntes Einzelkind bezeichnet werden könnte. Naja, vielleicht ein kleines bisschen. Trotzdem bin ich stolz zu sagen, dass ich gerade durch diese so starke Bindung genau weiß, dass ich es niemals bereuen könnte, wie mein Leben bis zum jetzigen Zeitpunkt gelaufen ist. Wo vielen Einzelkindern sicher ein Ansprechpartner in der Familie fehlt, war dies bei mir nie der Fall. Und obwohl ich in meinem Leben Freundinnen habe, die grob gesagt wie Schwestern geworden sind, dann ist es letztendlich doch immer so, dass Blut dicker als Wasser ist, und die Familie an erster Stelle steht – zumindest für mich, und das wird sich auch nicht ändern.

Allgemein finde ich es eine gute Idee, mal in aller Ruhe über sein Leben zu reflektieren. Und wenn man sich dann seiner Vergangenheit besser bewusst ist, kann man auch eventuell leichter planen, in welche Richtung es in der Zukunft gehen soll. Und wenn man sich mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat, werden einem eventuell Dinge bewusst, die man immer für selbstverständlich gehalten hat, während man jeden Tag, jeden Moment einfach genießen sollte. Und vor allem sollte man für das dankbar sein, was man hat – und wen man hat.

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