Jobben im Land der aufgehenden Sonne

Japan – dieses faszinierende und sogleich so fremde Land im Osten unseres Planeten. Knapp 9000 Kilometer von Deutschland ist es entfernt, fast 127 Millionen Menschen nennen es ihre Heimat. Nun, genauer gesagt, 127 Millionen Japaner plus ein Heidenheimer. Denn seit wenigen Tagen weilt der gebürtige Mergelstetter und Wahl-Steinheimer Mario Brüssel in der japanischen Metropole Osaka. Doch nicht etwa, um Urlaub zu machen. Nein, der 21-Jährige absolviert dort seinen internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD). Jungen Menschen zwischen 18 und 26 Jahren soll ein solches Bildungs- und Orientierungsjahr praktische Lebens- und Arbeitserfahrung vermitteln.

„Ich hatte erst überlegt, Physik oder Informatik zu studieren“, erzählt Mario. Doch dann wurde dem Abiturienten klar, dass er sich erst einmal darüber klarwerden muss, was er eigentlich mit seinem Leben anfangen will. Sich gemeinnützig engagieren und gleichzeitig einen Einblick ins Berufsleben bekommen? Klingt nach einem Plan.

Warum also Japan? „Das Land hat mich einfach interessiert“, antwortet Mario. Faszinierend finde er die dortige Leistungsgesellschaft. „Wenn ich davon etwas mitnehmen könnte, wäre das schon praktisch.“ Organisiert wird das Projekt über die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (IJGD). Als sich Mario dort für den IJFD bewarb, wurde er – entgegen seiner geringen Erwartungen – auch prompt genommen.

Die Reaktionen seiner Familie darauf seien „interessant“ ausgefallen, verrät Mario: Die Mutter habe das ganze zunächst gar nicht ernst genommen, die Schwester war komplett dagegen – zu weit weg sei das Wahlland ihres Bruders entfernt. Nur die Oma, die sei begeistert gewesen, „auch wenn sie später zugegeben hat, dass sie sich innerlich gewünscht hatte, dass ich eine Absage bekomme“, berichtet der 21-Jährige. Denn für seine Großmutter übernehme er häufiger die Einkäufe, diese Alltagshilfe fällt nun natürlich weg.

Um ältere Mitbürger wird sich Mario in Japan zwar nicht kümmern, bei der gemeinnützigen Organisation NPO WING ist er dafür größtenteils für die pflegerische Versorgung von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen zuständig. Um ein Gefühl für den Pflegerberuf zu bekommen, hat Mario im Vorfeld ein zweiwöchiges Praktikum bei der Lebenshilfe Heidenheim gemacht. Toilettengänge, Windelwechseln, Hilfestellung beim Essen und Trinken geben sowie Pflegebedürftige aus dem Rollstuhl heben – all das stand während dieser Zeit auf dem Tagesprogramm.

Ob zwei Wochen Vorbereitung auch wirklich reichen? Mario zeigt sich optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass ich das hinkriege.“ Bis zur Anreise musste der 21-Jährige zudem nachweisbare Japanisch-Kenntnisse vorzeigen. Um das rechtzeitig zu schaffen, hat Mario kurzerhand eine eigene App geschrieben, die ihm – neben einiger Online-Sprachkurse – helfen soll, Japanisch zu lernen.

„Anfangs hatte ich Bedenken, in den pflegerischen Bereich zu gehen“, gesteht Mario. „Ich hatte damals ja keine Erfahrung. Aber dann habe ich mir gedacht, was Neues anzufangen, wäre auch nicht schlecht.“ Eine rein pflegerische Tätigkeit werde er in Japan im Übrigen nicht ausüben: Bei NPO Wing gehe es auch darum, den Menschen in der Einrichtung etwas zu bieten: Ausflüge in den Nachbarschaftsclub „Tamariba“ (auf Deutsch: „Treffpunkt“), integrative Freizeitangebote wie der Betrieb eines Second-Hand-Ladens, aber auch Tagesausflüge und Konzertbesuche gehören beispielsweise dazu. „Der Ansatz dabei ist es, weg vom rein Pflegerischen zu kommen und das zu tun, worauf die Leute Lust haben – ob einkaufen, kochen, oder einfach nur rausgehen“, erklärt Mario.

Was steht für den 21-Jährigen nach Ende seiner Zeit in Japan auf dem Plan? „Im Moment denke ich über ein Studium oder eine Ausbildung nach. Aber wer weiß, vielleicht bleibe ich auch in Japan. Der Gedanke kam schon einmal auf“, antwortet Mario augenzwinkernd.

 

Info

Wie finanziert sich der Internationale Jugendfreiwilligendienst?

Der IJFD ist für Teilnehmer weitestgehend kostenlos. Ohne den Aufbau von sogenannten Förderkreisen könnte das Programm jedoch nicht finanziert werden. Ein Förderkreis ist ein unterstützendes, privates Netzwerk, das die Teilnehmer des IJFD selbstständig aufbauen. Kurz gesagt wird durch eine Spende das interkulturelle Engagement von jungen Menschen im Ausland unterstützt.

Fördern – wie geht das?

Einen Teil der Kosten konnte Mario Brüssel bereits über Sponsoren auftreiben. Wer ihn und den IJFD weiter unterstützen möchte, kann dies über das Spendenportal GoFundMe tun.

Marios Abenteuer in Japan

Über seine Zeit in Japan berichtet Mario auf seinem Blog sowie auf Instagram.

Das neueste aus der Rubrik Reise