Daheim auf den Wellen: Der 17-jährige Vizemeister im Windsurfen Maximilian Räuchle

Sylt, Gardasee und Mittelmeer. Der 17-Jährige Maximilian Räuchle hat die kommende Saison Großes vor. Seine Leidenschaft ist das Surfen, und zwar das Windsurfen. Im April beginnen für ihn die Wettkämpfe, doch bis dahin muss noch viel trainiert werden.

Begonnen hat alles in der vierten Klasse, als Maximilian Räuchle mit dem Segeln anfing. Das sei jedoch schnell langweilig geworden, erzählt er. Wie Papa Matthias Räuchle wollte auch er, das Windsurfen lernen. Doch der sagte ihm, dass er erst einen Segelschein bräuchte. Als er den in der Tasche hatte, durfte er 2014 endlich einen Surfkurs während des Gardasee-Urlaubs machen. Schnell war ihm klar: „Ich bin einfach der geborene Windsurfer.“

Inzwischen ist er ziemlich erfolgreich. Seit 2017 fährt Räuchle internationale Regatten. 2018 wurde er deutscher Vizemeister in der Disziplin Slalom, der „Formel 1“ des Windsurfens und belegte bei der Slalom-Europa-Meisterschaft der Junioren den vierten Platz. Zudem kam er bei der Slalom-Weltmeisterschaft des internationalen Verbandes IFCA (der höchsten weltweiten Amateurliga, bei der auch Profis mitfahren) auf den 19. Platz. 2019 belegte er bei der Weltmeisterschaft der IFCA auf Sylt den vierten Platz für die U 21. Auch dieses Jahr wird er sich wieder mit den besten seiner Disziplin messen.

Ohne gute Noten kein Windsurfen

Doch wie lassen sich beinahe wöchentliches Training am Gardasee und die Schule vereinen? Maximilian Räuchle zeigt da klare Kante: „Ich bin diszipliniert und die Noten passen“. Und das sollte auch so bleiben, denn der 17-Jährige weiß, dass er das eine nicht ohne das andere machen kann. Auch seine Eltern sind da sehr klar positioniert, erzählt er. „Wenn die Schule nicht passt, dann müsste ich beim Windsurfen kürzertreten.“

Zwar ist das Windsurfen sein Hobby, doch das sei auch mit einem großen finanziellen Aufwand verbunden. „Da bin ich meinen Eltern sehr dankbar“, sagt der 17-Jährige. Denn selbst wenn es mal ein Preisgeld gibt, reiche das leider noch lange nicht aus, um davon das ganze Material zu finanzieren.

Nicht nur seine Eltern unterstützen ihn bei seinem Hobby. Der Windsurfer besucht das Max-Planck-Gymnasium in Heidenheim und will hier 2021 Abitur machen. Das Sportgymnasium ermöglicht ihm, wenn nötig, einige Tage von der Schule frei zu bekommen, um seinem Sport nachzugehen. Doch auch hier gilt für ihn: konsequentes Lernen unter der Woche, damit am Wochenende mehr Zeit zum Surfen bleibt. Doch manchmal, wenn die Schule langweilig sei, falle einem die Disziplin ganz schön schwer und man wünscht sich aufs Brett.

Im Februar geht es für den jungen Windsurfer für zwei Wochen nach Teneriffa. Dort trifft er sich mit Freunden, die er beim Surfen kennengelernt hat, um für die anstehenden Wettkämpfe zu trainieren. Danach geht es fast jedes Wochenende an den Gardasee zum Trainieren. Seine Familie unterstützt ihn, wo sie nur kann bei seinem reiseaufwendigen (Noch-)Hobby. Meist fährt er mit Vater Matthias Räuchle übers Wochenende mit dem Wohnmobil an den Gardasee, wo Maximilian dann trainieren kann. Das, so sagt sein Vater, nehme man gerne in Kauf.

Foto: Matthias Räuchle

Aus Rivalen wurden Freunde

Torbole, das Surfer-Eldorado an der Nordküste des Gardasees, sei inzwischen zu seiner zweiten Heimat geworden. Er ist Mitglied des Clubs Circolo Surf Torbole und dessen Racingteams. Mit seinen italienischen Freunden unterhalte er sich größtenteils auf Englisch und lerne ganz nebenbei noch das ein oder andere italienische (Schimpf-)Wort. Zudem belegt er in der Schule eine Italienisch-AG, damit ihm die Kommunikationsprobleme in seiner zweiten Heimat, Torbole nicht im Weg stehen.

Auch wenn auf dem Wasser ein Konkurrenzkampf herrscht, sei an Land wieder alles o.k. Seine Rivalen seien inzwischen nämlich zu seinen Freunden geworden. Immerhin treffe man sich mehrmals im Jahr beim Training oder bei Wettkämpfen.

Nicht nur die Kombination Schule und Hobby erfordere Disziplin. Auch das Windsurfen an sich. Denn im Winter, wenn er nicht auf dem Wasser trainieren könne, halte sich Maxi Räuchle im Fitnessstudio und mit der Kampfsportart Krav Maga fit. Auch das Training auf dem Brett erfordere Konzentration: „Windsurfen macht sehr viel Spaß und es ist eine Lebensart, doch die Sportart ist technisch sehr anspruchsvoll, bei der der ganze Körper gefordert ist. Wenn man mit Tempo 60 und mehr übers Wasser fährt, erfordert das eine enorme Körperspannung“.

„Wenn mal eine starke Böe kommt, kann es schon mal passieren, dass man den Mast ins Gesicht bekommt“, erzählt Maxi. Das ein oder andere blaue Auge und mal eine dicke Lippe – mehr sei dem jungen Windsurfer noch nicht passiert, berichtete er. Doch, wenn man mit knapp 70 Stundenkilometer über das Wasser brettere, dann sei volle Konzentration gefragt.

Foto: Sabrina Balzer

Schweben über der Wasseroberfläche

Maximilian Räuchle fährt überwiegend die Disziplin Slalom, seit letztem Sommer macht er zudem Foil Racing, das 2020 olympisch sein wird. Bei dieser Art des Windsurfens schwebt das Board dank einer Tragflächentechnik über der Wasseroberfläche. Beim Slalom wiederum geht es darum, Bojen zu umfahren. Gestartet wird in Gruppen von fünf bis acht Surfern. Der Start sei extrem wichtig. Nur wer gut reinkomme, habe die Chance aufs A-Rennen (Winner’s Final). Außerdem fährt der junge Windsurfer auch Wave als Hobby im Hobby. Dabei macht man mit Brett und Segel waghalsige Sprünge in der Luft und spielt so mit den Wellen.

Das junge Windsurftalent ist zwar kein „Warmduscher“, aber dafür ein Warmsurfer, denn zum Training und auch für Rennen ziehe es ihn eher in die südlichen Länder.

Sobald er dann das Abitur in der Tasche hat, wolle sich der angehende Profisurfer erstmal für ein Jahr voll und ganz auf seine Surfkarriere konzentrieren, bevor er ein Studium beginnen möchte. Medizin oder etwas, bei dem man Menschen helfen kann. „Das Wichtigste ist, das ich meinen Sport machen kann.“

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