Argentinien-Austausch: „Wieso isst du kein Fleisch?“

„Das Fleisch schmeckt hier ganz anders.“ Das fällt der 18-jährigen Malena Soria als einer der ersten Unterschiede zwischen der Ostalb und ihrer Heimat Argentinien ein. Und tatsächlich: Auch für Larissa Weber aus Heidenheim, die als Vegetarierin ein Jahr in Malenas Heimatstadt Fernandez verbrachte, war Fleisch ein schwieriges Thema. „Da kann es sein, dass einfach fünf Kilo Rind auf dem Grill liegen – und sonst gibt es nichts“, erzählt sie und kann aber darüber schmunzeln.

Während Malena das argentinische Grillen, die Asado, hier in Deutschland vermisst, musste Larissa viele Fragen beantworten: „Wie du isst kein Fleisch? Was isst du denn dann?“ Meistens sei aber auch sie dann ganz gut satt geworden. „Probleme hatte ich nirgends. Und gut geschmeckt hat es dann auch meistens“, erzählt sie zurück in Deutschland. In Argentinien machte sie einen weltkirchlichen Friedensdienst mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Über die Herbrechtinger Gemeindepartnerschaft landete sie in der Stadt Fernandez bei der Kirchengemeinde. Sie engagierte sich im Chor und der Band und arbeitete in einer Sonderschule. Außerdem betreute sie Kinder in dem Armenviertel „La Loma“ und half bei den Hausaufgaben.

Malena lernte die 19-Jährige in Argentinien kennen. Zusammen traten sie dort sogar zwei Mal mit ihren Geigen vor dem einheimischen Publikum auf. Die Musik war nicht das einzige, das sie verband, denn jetzt macht die Argentinierin den gleichen Austausch, nur rückwärts. Vor zwei Monaten kam sie nach Deutschland. Sie verbringt hier ein Jahr und arbeitet in der Pistoriusschule in Herbrechtingen. Schon nach dem ersten Monat sind Malena noch mehr Unterschiede als der Fleischkonsum zwischen ihrer Heimat und dem viel hügeligeren Süddeutschland aufgefallen: „Das schwierigste ist die Pünktlichkeit“, gibt sie zu. Die Zeit werde generell ganz anders wahrgenommen. „Es war komisch, in Argentinien auf einmal so viel Zeit zu haben“, formuliert es Larissa aus deutscher Perspektive. Sie flog direkt nach dem Abitur am Schillergymnasium nach Südamerika.

Eine Freundin der Familie wohnte bereits in Fernandez und unterstützte Larissa vor Ort. Sie arbeitete unter anderem auch für den Radiosender der Gemeinde. Sie recherchierte Themen, plante die Beiträge und sprach letztendlich auch die Sendungen ein – und das alles auf Spanisch, einer Sprache, die sie zwangsläufig schnell lernen musste und mittlerweile flüssig spricht. „Am eindrucksvollsten war aber die Arbeit mit den Kindern im Armenviertel für mich. Die waren so dankbar“, sagt die Studentin rückblickend. Die Hausaufgabenbetreuung wird auch nun, da Larissa wieder in Deutschland ist, fortgeführt. Entweder von anderen Freiwilligen, oder von Mitgliedern der Kirchengemeinde in Fernandez.

Auch dank ihres Einsatzes in der Herbrechtinger Partnerstadt entschied sich Larissa schließlich dafür, Umweltwissenschaften zu studieren. Deshalb hat sie gerade wenig Kontakt mit der argentinischen Besucherin Malena, die sich derzeit in Herbrechtingen befindet und auf ihre Arbeit in der Pistoriusschule vorbereitet wird. „In Herbrechtingen möchte ich auch in einem Orchester spielen“, erzählt die 18-Jährige von bereits gesteckten Zielen für die Zeit in Deutschland. Während ihres Aufenthalts wohnt sie bei ihrem Freund, auch ein ehemaliger Austauschpartner der Städtefreundschaft zwischen Fernandez und Herbrechtingen.

Langsam merke Malena schon, wie sie in Deutschland ankommt. Das mit der Pünktlichkeit werde immer besser, erklärt sie auf Deutsch. Die Sprache lernt sie erst, seit sie im Sommer hier ankam, verstehen kann sie schon viel. Neben den Asados mit argentinischem Rindfleisch vermisst sie aber schon jetzt noch eins: Herzliche Umarmungen. Die Deutschen seien viel Distanzierter, als sie es gewohnt ist. „Ich glaube es fehlt manchmal etwas Vertrauen“, sagt sie nach kurzem Überlegen.

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