Zeitungsbier

Das Phänomen ist bekannt, man taucht in der Zeitung auf und ahnt schon einen Kasten Bier kaufen oder in der nächsten Bar eine Runde Bier ausgeben zu müssen. Es geht um das Phänomen des Zeitungsbiers. Ähnlich wie die Redewendung „Wettschulden sind Ehrenschulden“ ist auch das Zeitungsbier ein Ritual, dem man nachkommen muss.

Wenn also unser NOISE-Fotograf mal wieder unterwegs ist und die Gesichter Heidenheims ablichtet hagelt es in den Tagen nach der Veröffentlichung Zeitungsbiere in Heidenheim. Derjenige, der entdeckt wird, zahlt „traditionsgemäß“ ein Bier. Es ist doch sehr verwunderlich bei der Bekanntheit dieses Rituals keine offizielle Definition oder Wortherkunft finden zu können und möchte man von nicht deutschsprachigen Mitmenschen ein „Newspaper Beer“ wird man schräg angeschaut.

Doch woher kommt nun diese Tradition? Die Antwort auf diese Frage herauszufinden gestaltete sich schwieriger als gedacht. Das Zeitungsbier ist zwar im Schwabenland und Umgebung sehr bekannt, allerdings kennt es überregional tatsächlich kaum jemand.

Zunächst würde mich interessieren woher jeder das Zeitungsbier kennt. Ist es in Sportvereinen üblich oder haben Brauereien womöglich etwas damit zu tun? Maike Rockinger, 26, aus Heidenheim sagt Folgendes dazu: “Das lernt man sobald man selber in der Zeitung auftaucht. Und vom Hören-Sagen. Also auch wenn die Eltern irgendwo in der Zeitung sind und dann erzählen, dass sie ein Zeitungsbier zahlen müssen. Weil man eben nicht alltäglich in der Zeitung ist. Ach und sobald man das kennt, wendet man das natürlich immer selber an. Gibt dann schließlich was umsonst.“

Den finanziellen Aspekt muss man also auch bedenken. Außerdem wird das Zeitungsbier von Generation zu Generation weitergegeben.

Marc Albrecht, 24, aus Heidenheim sagt: „Zeitungsbier entstand vermutlich in einer Gruppe junger Leute, die im Alltag nicht in der Öffentlichkeit stehen. Eine Person schaffte es durch eine super Leistung – bestimmt sportlicher Natur – oder einen dummen Zufall mit einem Bild in die Lokalzeitung. Das wurde in der Gruppe gefeiert und derjenige musste seinen Jungs und Mädels einen Kasten spendieren.“ Der Gedanke an Sportmannschaften verbindet grundsätzlich den Team Gedanken und das Biertrinken in Gesellschaft, ein guter Grund um das Zeitungsbier einzuführen.

Auch Luca Benitsch, 23, aus Nattheim sieht die Sportmannschaft als zentralen Gedanken: „Das Zeitungsbier wurde sicher von den Sportvereinen eingeführt, da nach dem Training gern Bier getrunken wird und man immer auf der Suche nach Gründen ist, warum jemand Bier mitbringen könnte. So ist jemand auf die Idee gekommen, dass Bier mitgebracht werden muss, wenn man einen Mannschaftskamerad in der Zeitung sieht. Man hat quasi nach  Gründen gesucht, sodass jede Woche jemand Bier mitbringt, und da nicht jede Woche jemand Geburtstag hat, hat man sich nach Alternativen umgeschaut.“

Finn Wiedener, 25, aus Lübeck kann dazu nur Folgendes sagen: „Zeitungs – was?!“

Die Frage ist, wenn das Zeitungsbier sich vor allem innerhalb von Sportmannschaften etabliert hat und diese in ganz Deutschland verteilt sind, weshalb ist es dann hauptsächlich regional bekannt?

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