21 und schon Fahrlehrerin

Nervös wirkt Amelie Marianek nicht, als sie in das Auto der Fahrschule Nemeth steigt. Warum auch, schließlich übt die 16-jährige Heldenfingerin bereits seit rund zwei Monaten das Autofahren. Nun heißt es Sicherheitsgurt anlegen, Spiegel richtig einstellen, Motor an – und es kann losgehen. Das Besondere an dieser Fahrstunde: Amelie ist nur wenige Jahre jünger als ihre Fahrlehrerin: Mit gerade mal 21 Jahren ist Anna Unterstab die jüngste Fahrlehrer-Anwärterin im Kreis Heidenheim. Auch ihre Kollegin bei der Fahrschule Nemeth, Christina Effinger (22), gehört zu den Jüngsten in der Region.

Beruflich haben die beiden allerdings zunächst etwas ganz anderes gemacht. Mit 18 Jahren fing Christina an, als Flugbegleiterin zu arbeiten. Ob Dubai oder Gran Canaria – ihre Arbeit führte Christina über die ganze Welt. „Cool war’s“, berichtet die 22-Jährige, doch irgendwann habe sie sich dazu entschlossen, einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen. Anna hat eine Ausbildung in einer Ulmer Modedesignschule gemacht, nach drei Jahren kam sie aber zu der Erkenntnis, dass ihr Hobby lieber einfach Hobby bleiben sollte. Im Familienbetrieb der Fahrschule Nemeth wurde sie schließlich fündig.

Ausbildung dauert mindestens ein Jahr

Doch wie wird man eigentlich Fahrlehrer? Hauptvoraussetzung ist – natürlich – ein eigener Führerschein, sowohl für Pkw als auch für Anhänger. Danach stehen acht Monate Fahrlehrerschule an, welche Anna und Christina in Kirchheim absolviert haben. Nach bestandener schriftlicher und mündlicher Prüfung darf man sich Fahrlehrer-Anwärter nennen. „Danach stehen zwar noch zwei Lehrproben an, im Prinzip ist man als Anwärter aber ein ganz normaler Fahrlehrer“, erklärt Christina. Insgesamt dauert es also mindestens ein Jahr, bis man ein „richtiger“ Fahrlehrer ist.

Anna und Christina sind bereits als Anwärterinnen voll in das Geschäft der Fahrschule eingespannt. Mit ihrer Fahrschülerin Amelie ist Anna inzwischen im Steinheimer Industriegebiet angekommen, Rückwärtsbogen üben. „Du bist noch ein ganz kleines bisschen zu nah am Bordstein“, merkt Anna an. Amelies Schulterblick sitzt hingegen schon perfekt. Nach den Pfingstferien soll die 16-Jährige ihre praktische Fahrprüfung antreten. „Schon komisch, bei mir ist es auch noch nicht so lange her“, erinnert sich Anna an ihre eigene Prüfung. Obwohl die 21-Jährige durchschnittlich 15 Schülern pro Woche das Fahren beibringt, darf sie selbst kurioserweise noch nicht als Begleitperson beim begleiteten Fahren mitmachen. Erst mit 30 Jahren kann man sich dafür eintragen lassen.

(K)eine Frage des Alters

Am wichtigsten sei es, den Fahrschülern das Gefühl zu vermitteln, dass man selber nicht aufgeregt ist, erzählt Christina. „Wenn ich denen sage, dass ich auch Pedale auf meiner Seite habe und jederzeit eingreifen kann, dann beruhigt das die Schüler.“ Hin und wieder müssen die Fahrlehrer-Anwärterinnen auch tatsächlich eingreifen, „aber eher, weil die anderen Verkehrsteilnehmer Fehler machen“, wie Anna berichtet. Es sei auch schon vorgekommen, dass Fahrschüler zunächst nicht mit den beiden fahren wollten. Zu jung seien sie, mit zu wenig Erfahrung. Am Ende hätten sie es dann aber doch nicht bereut.

Inzwischen sind rund sechs Monate vergangen, seit Anna und Christina bei der Fahrschule Nemeth angefangen haben. Wie lautet ihre Zwischenbilanz? „Den Theorieunterricht habe ich mir einfacher vorgestellt“, gibt Anna zu. Im praktischen Teil gehe sie jedoch auf: „Im Auto zu sein, das liebe ich einfach.“

Nach ein paar Einparkübungen auf dem Parkplatz des Schnaitheimer Pennys geht es für Amelie und Anna zurück nach Herbrechtingen. „Wie war es denn heute für dich?“, will Anna wissen. „Gut“, antwortet Amelie. Nur das mit dem Parken laufe noch nicht ganz rund. „Das üben wir noch mal“, versichert die junge Fahrlehrerin. Ein paar letzte Schönheitsfehler ausmerzen und die 16-Jährige ist einen Schritt näher am eigenen Führerschein.

 

Drei Fragen an Anna Unterstab

Ist das eigene Auto blitzblank oder eher ein Saustall?

Im Moment ist es sauber, davor war es aber nicht so.

Benziner oder Elektroauto?

Benziner. Elektroautos mag ich nicht.

Welche Roadtrip-Musik geht gar nicht?

Techno.

 

Drei Fragen an Christina Effinger

Automatik- oder Schaltgetriebe?

Schaltgetriebe – das macht einfach mehr Spaß.

Leder- oder Stoffsitze?

Ledersitze.

Gemäßigtes Tempo oder lieber Vollgas?

Gemäßigt, aber, wenn man kann, dann auch mal schnell.

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