Aus dem Unterbewusstsein aufs Papier

Viele Worte zu verlieren hat sie nicht: Wenn Maike Kümmerle ein Gedicht schreibt, ist das meist nur wenige Zeilen lang. Doch obwohl oder vielleicht gerade weil die 21-Jährige ihre Buchstaben so sparsam aufs Papier wirft, lassen die ausdrucksstarken Kurzgedichte dem Leser Spielraum für Interpretationen. „Viele Leute denken, ich verarbeite damit etwas, das ich erlebt habe“, sagt die Dettingerin. „Und vielleicht mache ich das auch – aber dann eher unterbewusst.“

20 Preisträger aus rund 600 Einsendungen

Ihre Art zu schreiben, ihr ganz eigenes Talent erkannt haben die Juroren des Bundeswettbewerbs der Berliner Festspiele für junge Autoren, an dem Maike Kümmerle bereits zum fünften Mal teilgenommen hat. Mit ihren Gedichten ist sie schon zum zweiten Mal unter den aus rund 600 Einsendungen ausgewählten 20 Preisträgern, die sich ab heute für vier Tage in Berlin treffen. „Ich hätte gar nicht damit gerechnet“, sagt sie bescheiden. Auf die Zeit in der Hauptstadt freut sie sich jedoch sehr – auf den Austausch und die Workshops, bei denen die jungen Autoren ihren Stil verbessern und noch einiges lernen können.
Gedichte schreibt sie, seit sie zwölf ist – jedoch nicht regelmäßig, sondern nur dann, wenn ihr eben etwas in den Sinn komme. „Aber ich merke, dass ich mich weiterentwickelt habe“, sagt Kümmerle, die derzeit Soziale Arbeit in Würzburg studiert. Früher seien ihre Texte noch dramatischer gewesen, heute sei ihr Stil feiner.

Das Ziel: Irgendwann ein Buch schreiben

Schreiben – das ist für Kümmerle weder ein Ventil noch die große Leidenschaft. Ihre Gedichte entstehen meist aus Langeweile oder der passenden Gelegenheit heraus. Zu ihren Hobbys würde sie es darum auch gar nicht zählen: „Das ist eher das Reisen.“ Trotzdem: Ihr Ziel ist es, einmal ein Buch zu schreiben. Der Gedanke, sich beim Schreiben kreativ austoben und später einmal darauf zurückschauen zu können, gefällt ihr – noch besser gefallen würde es ihr jedoch, wenn jemand sich in ihrer Geschichte wiedererkennen würde. „Momentan fallen mir längere Texte aber noch schwer“, sagt Maike Kümmerle. Zu perfektionistisch sei sie dabei, zu schnell verwerfe sie die eigenen Ideen wieder, kaum dass sie ihr gekommen sind: „Kurze Gedichte zu schreiben ist einfacher.“

Auch darum freut sie sich über den Sieg beim Wettbewerb: In Berlin erhofft sie sich, sich von den erfahrenen Kennern der Literaturszene etwas abschauen zu können und Tipps zu bekommen. Es sei dort auch ein Verleger dabei, der unter anderem Gedichtbände verlegt.

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