Disc-Golf: Mehr als Frisbees werfen

Wenn Max Tkocz einen Treffer im Korb versenkt, klirren die Ketten. Denn die Rede ist hier nicht von Basketball und als „Korbleger“ könnte man so einen Treffer auch nicht im Entferntesten bezeichnen. Max Tkocz ist Disc-Golfer – statt mit Bällen wirft er mit speziellen Frisbee-Scheiben. Die Körbe, in denen sie versenkt werden müssen, sind aus Stahl.

Disc-Golf – Ob das überhaupt eine ernstzunehmende Sportart ist? Im ersten Moment klingt es nicht danach: Frisbee – das ist doch bloß etwas fürs Freibad, möchte man meinen. Aber ganz so ist es nicht, denn mit dem gemütlichen Hin- und Herwerfen, wie man es vom Frisbee-Spielen als Kind kennt, hat Disc-Golf recht wenig zu tun. „Disc-Golf ist Präzisionsarbeit und sowohl eine körperliche als auch mentale Herausforderung“, sagt Tkocz. Der 21-Jährige spielt bereits seit elf Jahren Disc-Golf beim Sportclub Albuch in Söhnstetten.
Dort gibt es einen eigenen Parcours mit 18 Bahnen, wo der Verein sich jeden Dienstag zum freien Spiel trifft. Doch wer möchte, kann jederzeit dort vorbeikommen, denn für Disc-Golf braucht es nicht viel. Markierungen, Bahnbeschreibungen und Körbe sind fest installiert, nur die Frisbee-Scheiben bringt jeder Spieler selbst mit.
Max Tkocz hat davon einen ganzen Rucksack voll, den er von Bahn zu Bahn mit sich trägt. Mehr als 20 Scheiben stecken darin: „So habe ich für jeden Wurf die passende Scheibe dabei“, erklärt er. Denn die Scheiben sind alle unterschiedlich: Manche sind biegsam und flexibel, einige eignen sich besser für einen langen Wurf und mit anderen macht man am besten nur den finalen Wurf auf den Korb.


Wie auch der Name ist Disc-Golf dem herkömmlichen Golf gar nicht so unähnlich: „Ziel des Spiels ist es, den Parcours mit möglichst wenig Punkten zu bewältigen“, erklärt Tkocz. Nur wird beim Disc-Golf eben nicht eingelocht, sondern auf einen Korb geworfen, und statt Schläger und Golfball braucht es Frisbee-Scheiben.
In Söhnstetten zeigen Info-Tafeln und Markierungen, wo eine Bahn beginnt. Wie weit der Korb entfernt ist, ist dabei ganz unterschiedlich – zwischen 40 und 150 Metern ist alles dabei. „Mit dem ersten Wurf versucht man, die größte Distanz zum Korb zu überwinden“, sagt Tkocz. Dieser Wurf nennt sich „Drive“. Mit dem „Approach“ verschafft sich der Spieler dann eine ideale Ausgangsposition, um mit dem „Put“ die Scheibe schließlich im Korb zu versenken.
Bei Max Tkocz sieht das ganz einfach aus: Pfeilschnell und schnurgerade surrt die Scheibe über die Bahn und landet nur wenige Meter vom Korb entfernt. Er marschiert über den Platz, sammelt die Scheibe wieder auf und nimmt eine andere zur Hand. Kurz das Ziel anvisiert, ein lockerer Wurf aus dem Handgelenk – wieder klirren die Ketten. Zwei, drei Würfe – mehr braucht er meist nicht, bis die Scheibe im Korb landet.


Was ihn an dieser Sportart reizt? „Der Erfolg“, gibt er ganz offen zu. Denn der stelle sich bei diesem Spiel gegen sich selbst rasch ein: „Man merkt sehr schnell, wie man besser wird.“ Das Gefühl, wenn man den Wind richtig eingeschätzt hat, die passende Scheibe gewählt hat und diese dann auf dem richtigen, angepeilten Kurs direkt in den Korb fliegt – „das ist einfach etwas, das man selbst erlebt haben muss“.
Doch wie kommt man überhaupt zu einer solch ausgefallenen Sportart? Bei Max Tkocz war es sein Vater, der ihn zum Disc-Golf gebracht hat. „Als Pädagoge war er immer auf der Suche nach Neuem, das er mit Kindern ausprobieren konnte“, erklärt Tkocz. Spielen, Sport und das auch noch an der frischen Luft – sein Vater sei sofort begeistert gewesen und habe ihn als Zehnjährigen gleich mitgenommen in den Verein nach Söhnstetten. In Geislingen, wo Tkocz herkommt, gab es damals keinen Disc-Golf-Verein und auch bis heute hat sich das nicht geändert. „Der nächste ist, soweit ich weiß, in Reutlingen“, meint der 21-Jährige.
Rund 100 Mitglieder hat die Disc-Golf-Abteilung, die zum Steinheimer Sportclub Albuch gehört. In der Disc-Golf-Szene ist Söhnstetten jedenfalls nicht unbekannt: Bereits drei Mal fanden dort seit 1986 die deutschen Meisterschaften statt, 2008 wurden sogar die Disc-Golf-Europameisterschaften in Söhnstetten ausgetragen.
Jedes Jahr veranstaltet der Sportclub außerdem die „Albuch Classics“: ein Disc-Golf-Turnier, an dem rund 70 Leute teilnehmen. „Das ist die Obergrenze für ein Turnier auf unserem Parcours“, erklärt Tkocz. Mitmachen würden eigentlich sogar noch mehr, denn die Bahnen in Söhnstetten haben für erfahrene Spieler einen großen Reiz: Das Gelände ist nicht nur bewaldet, sondern fällt zum Teil auch steil ab. Wer hier zu weit wirft, bekommt leicht Probleme, die Scheibe wieder Richtung Korb zu befördern – und muss zudem mit einem Strafpunkt rechnen, wenn die Scheibe von der Bahn abgekommen ist. Für die Söhnstetter Disc-Golfer zwar völlig normal – wer den Sport jedoch nur von ebenerdigen Park-Anlagen kennt, hat hier durchaus zu kämpfen.
Wer einmal eine Runde über den weitläufigen Parcours gedreht hat, weiß zumindest hinterher eines mit Sicherheit: Disc-Golf ist nicht nur mental anspruchsvoll, da man präzise zielen und verschiedene äußere Bedingungen in den Wurf einkalkulieren muss – man kann durchaus auch ins Schwitzen kommen.

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