Feuer und Flamme fürs Fechten

Stahl blitzt auf, eine Klinge kreuzt die andere. „En Garde! Allez! Touché“, rufen die fast komplett weiß gekleideten Kämpfer. Ein Stoß, ein Treffer, eine rote Lampe leuchtet auf. Es herrscht Duellstimmung im Heidenheimer Fechtzentrum. Hier haben kürzlich die Anfängerkurse begonnen, mehrere Dutzend Juniorfechter trainieren in der großen Halle. Zwei von ihnen sich Noah Kress und Paul Reich: Die beiden 11-Jährigen sind Teil der C-Jugend beim HSB.

Bereits im Alter von vier Jahren hat Paul zum Degen gegriffen: „Mein Vater hat ebenfalls gefochten, das wollte ich selber auch mal versuchen.“ Noah hatte sich hingegen erst an Fußball und Leichtathletik versucht, bevor er den Fechtsport für sich entdeckte. „Das ist auch eher ein Sport, den nicht alle machen“, findet der junge Fechter. Er selbst betreibt den Sport seit drei Jahren. Am meisten fasziniere ihn beim Fechten, dass man dabei nie auslerne, sondern sich immer verbessern könne. Paul hat hingegen am meisten Spaß an den Turnieren: „Ein kleiner technischer Fehler kann schon zu einer Niederlage führen.“

Ein knallhartes Training

Der Spaß verlangt den beiden 11-Jährigen so einiges ab: Zweimal pro Woche gehen die beiden für zweieinhalb Stunden ins Training, dazu kommen drei je 20-minütige Theorieeinheiten. Viel Zeit für Freizeit bleibt da nicht übrig. „Wir gehen aber auf das Max-Planck-Gymnasium nebenan, da können wir nach der Schule einfach direkt hier rübergehen“, sagt Paul. Das Training ist hart: Dehnen, Beinarbeit trainieren, umziehen, fechten, wieder umziehen, dann eine Runde spielen zur Entspannung. „Manchmal werden wir gequält, manchmal nicht“, sagt Paul mit einem verschmitzten Lächeln.

Trotzdem sind die beiden Feuer und Flamme für den Sport. Während der Fechtertage durften sie sogar als Helfer für die Teilnehmer dabei sein. „Bei manchen gucke ich mir auch den ein oder anderen Trick ab“, verrät Paul. Irgendwann einmal Profifechter zu werden, das ist für die beiden gar nicht so unrealistisch. „Das ist nicht so wie beim Fußball“, findet Noah, „das kann man schaffen, wenn man will.“ Als Landeserster in seinem Jahrgang muss er es wissen. Auch Paul ist als bester Heidenheimer Fechter im Jahrgang 2007 ganz vorn mit dabei.

Am besten jung anfangen

Während die beiden zurück zu ihren Gruppen laufen, macht sich Thomas Zimmermann, Sportlicher Leiter des Fechtzentrums, zusammen mit einem weiteren Juniorfechter zum Einzelunterricht bereit. „Locker stehen. Arm strecken. Ausfallen.“ Zimmermann gibt kurze, knappe Anweisungen. Ganz langsam führt sein Schüler die Bewegungen aus, bis sie dann immer schneller werden. Auf einmal tut es einen Schlag und die Degenspitze bricht ab. Auch das kommt hin und wieder bei den Anfängerkursen vor.

Anfänger – wer kann das beim Fechten eigentlich werden? „Theoretisch kann man jederzeit in den Fechtsport einsteigen, allerdings sind Kinder aus der zweiten oder dritten Klasse im idealen Alter“, erklärt Zimmermann. „Es ist eine etwas komplizierte Sportart.“ Die koordinativen Bewegungen lassen sich am besten vor der Pubertät und dem damit verbundenen Längenwachstum erlernen.

Nach etwa einem Jahr Training legen die Juniorfechter die Anfängerprüfung ab, ab diesem Zeitpunkt sind sie dann berechtigt, an Turnieren teilzunehmen. Während dort in der Vergangenheit nach Jahrgängen aufgeteilt wurde, werden nach den diesjährigen Sommerferien jeweils zwei Jahrgänge zusammengelegt. Der Grund dafür, so Zimmermann, ist der zunehmende Rückgang an Anmeldezahlen. „Während davon in Heidenheim nichts zu spüren ist, gibt es im ganzen Land eindeutig immer weniger Fechter“, beklagt der Sportliche Leiter. Das liege vor allem daran, dass die Zahl der ehrenamtlichen Trainer abnehme. „Die alte Garde hört altersbedingt auf und niemand rückt nach.“

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