Heiligs Blechle (12): Katastrophenfahrt mit „Gürkchen“

„Rot ist das neue Grün“, sagt Nicole Frei. Sie steht neben ihrem knallroten Chevrolet Matiz und strahlt. „Deshalb habe ich das Auto Gürkchen genannt. Ich liebe es einfach.“ Zuverlässig bis auf ein paar kleine Wehwehchen wie beispielsweise eine kaputte Lichtmaschine, hat sie mit dem Kleinwagen schon viele tausend Autobahnkilometer zurückgelegt. Montag bis Freitag pendelt sie von Westhausen nach Heidenheim, wo sie im Albert-Schweitzer-Kindergarten als Erzieherin arbeitet. 70 Kilometer pro Tag kommen da zusammen. Die Spritkosten sind enorm und stehen in einem schlechten Verhältnis zum Einkommen der 22-Jährigen: „Die Arbeit mit den Kindern macht sehr viel Spaß, auch, weil man den Tagesablauf recht frei gestalten kann. Leider sind alle sozialen Berufe nicht besonders gut bezahlt.“ „Gürkchen“ hat sie deshalb von ihren Eltern zur Volljährigkeit geschenkt bekommen. Baujahr 2003, 64 PS, inzwischen hat der Wagen mehr als 100 000 Kilometer auf dem Buckel. „Ich fahre den noch so lange, bis er auseinanderbricht“, sagt sie.

Die allererste Fahrt mit dem Matiz endete übrigens in einer Katastrophe, zumindest, was die Emotionen angeht. Nicole Frei wollte damals in eine Sackgasse fahren. Ein Auto mit italienischem Kennzeichen fuhr voraus, stoppte plötzlich und setzte dann einfach zurück. Rums! Anstatt sich zu entschuldigen und sich nach dem Befinden der jungen Frau zu erkundigen, brüllten die Leute die ganze Straße zusammen und behaupteten, doch gar nicht gegen den Chevrolet geknallt zu sein. Die damals 18-jährige Westhausenerin rief schließlich die Polizei. Nicole Frei: „Der Schaden, der am Auto entstanden ist, war gering und die Polizisten haben mir geglaubt, obwohl drei Aussagen gegen eine standen. Aber der Schreck war groß. Diesen Tag werde ich nie vergessen.“

Fotos: Christian Thumm

Der zwölfte Teil der Serie „Heiligs Blechle“. Jede Woche werden hier ein Auto und sein junger Fahrer vorgestellt.

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