Heiligs Blechle (1): Die Treue Notlösung

Eigentlich war der leuchtendblaue Skoda Fabia nur eine Notlösung. Als Roxana Alic der Arbeit wegen vor drei Jahren nach Deutschland kam und in Heuchlingen bei Gerstetten Unterkunft fand, verzweifelte sie an der miserablen Anbindung des Dorfes an den öffentlichen Nahverkehr. Für 800 Euro kaufte sie sich ein Stück Freiheit, wohl wissend, dass ein Auto mit 200 000 Kilometer auf dem Buckel seine Wehwehchen haben würde. Tatsächlich war der Wagen schon wegen zig Kleinigkeiten in der Werkstatt. Aktuell scheppert der Auspuff. „Wenn ich von Bolheim, wo ich inzwischen wohne, nach Heidenheim fahre, hört man mich dort schon kommen“, sagt die 23-Jährige und lacht laut. „Es ist ständig was kaputt, das ist ein bisschen ärgerlich. Aber wenn es drauf ankam, hat mich der Wagen nie im Stich gelassen. Das ist es, was zählt. Ich mag mein Auto.“

Stolze 100 000 Kilometer hat die gebürtige Berlinerin mit dem Fabia in anderthalb Jahren runtergespult: monatlich ein Heimatbesuch in Ungarn, wo sie ab dem Grundschulalter aufgewachsen ist, dazu eine Urlaubsreise nach Kroatien, aus Abenteuerlust bis Paris und wieder zurück. Roxana Alic ist gerne und viel unterwegs im Landkreis Heidenheim und auf den Straßen Europas. Aber es wird weniger. Grund: Seit kurzem leben auch ihr Bruder und dessen Frau im Landkreis Heidenheim, bald kommt noch der Freund der Qualitätsmanagerin nach. Dann wird der Skoda in Altersteilzeit geschickt. Roxana: „Ich werde dieses Auto auf jeden Fall für die kurzen Strecken behalten. Aber die Fahrten nach Ungarn werden dann komfortabler. Mein Freund und ich kaufen uns einen Audi A7.“

Fotos: Christian Thumm

In der Serie „Heiligs Blechle“, die heute mit dem ersten Teil startet, stellt NOISE-Autorin Manuela Wolf junge Autofahrer und ihre treuen Gefährten auf vier Rädern vor. Jede Woche erscheint ein neuer Teil der Reihe.

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