Heiligs Blechle: Es muss nur blau sein

Alina interessiert sich nicht sonderlich für Autos. Als sich ihr Stiefvater und ihr Bruder auf die Suche nach einem Anfängerwagen machten, gab sie den beiden Autonarren deshalb nur zwei Kriterien mit auf den Weg: ein Budget von maximal 4000 Euro und einen Farbwunsch. „Blau ist meine absolute Lieblingsfarbe, sogar beim Schminken“, sagt die 20-Jährige. „Wenn es ein besseres Angebot als diesen Suzuki Alto gegeben hätte, hätte ich mich ganz klar gegen blau und für die Vernunft entschieden. Aber so habe ich mich sehr über dieses Auto gefreut.“ Sieben Jahre ist es inzwischen alt, hat 80 000 Kilometer runter und einen kleinen Schönheitsfehler. Weil das Schloss klemmt, lässt sich der Kofferraum nur mit fremder Hilfe öffnen. Eine Person zieht an einem Hebel unterhalb des Lenkrads, die andere rüttelt an der Klappe.

Weil die Orthopädietechnikerin meist alleine unterwegs ist, hat sie die Kofferraumabdeckung ausgebaut. So kann sie über den Rücksitz in den Stauraum greifen und Decke und Kissen herausholen. Eigentlich sind diese Utensilien für Notfälle gedacht oder beispielsweise für einen langen Stau in der kalten Jahreszeit. Alina: „Aber manchmal mache ich bei schlechtem Wetter auch Mittagspause im Auto. Dann höre ich Musik und esse in Ruhe mein Vesper. Im Winter ist es gut, dann eine Decke dabei zu haben.“ Einen Wunsch hatte die Sontheimerin übrigens doch noch, was ihr Auto angeht: Sie gab den Einbau eines Radios mit Aux-Eingang in Auftrag. Weil bei der Arbeit in der Werkstatt pausenlos das Radio läuft und selbst die neuesten Lieder schnell ausgehört sind, will sie hinterm Steuer selbst die Titelwahl bestimmen. Auf dem Handy hat sie zahlreiche Lieder gespeichert, die allesamt zwei Kriterien erfüllen: Pop plus Melodie, „dann bin ich zufrieden.“

Fotos: Christian Thumm

Der sechste Teil der Serie „Heiligs Blechle“. Jede Woche werden hier ein Auto und sein junger Fahrer vorgestellt.

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