Heiligs Blechle (10): Mit 125 Sachen zur Burger-Bude

Mobilität bedeutet Freiheit. Mit den ersten Schritten erkunden Kleinkinder ihre unmittelbare Umgebung. Später wird der Radius größer und die Geschwindigkeit höher: Trettraktor, Inlineskates, Fahrrad. Mit 15 legte sich Max Müller ein Mofa zu. Gemeinsam mit seinen Kumpels tuckerte er ab und an von Hermaringen nach Giengen, Burger und Pommes holen, nicht mehr abhängig sein vom Eltern-Taxi, frei sein. Vor ein paar Tagen hat dieses Gefühl abermals an Tempo zugelegt. Max Müller feierte seinen 16. Geburtstag und beschenkte sich selbst – mit einer KTM Duke 125: „Die Maschine hab ich selbst bezahlt. Das stecken die Geldgeschenke zu Geburtstagen und Weihnachtsfesten der letzten Jahre drin und das, was ich mit meinen Ferienjobs bei der Gemeinde verdient hab.“ Bei einem privaten Händler nahe Würzburg holte Papa Müller, der selbst leidenschaftlich gerne Motorrad fährt, kürzlich die Maschine ab. 10 000 Kilometer, 15 PS, 3000 Euro, neuwertiger Zustand.

Mit der KTM wird der angehende Straßenbauer künftig zu Ausbildungsbetrieb und Berufsfachschule nach Günzburg fahren, und das mit maximal 125 Sachen, mehr gibt die Maschine von Haus aus nicht her. Die Kosten für die Versicherung übernehmen erst mal die Eltern, Sprit muss der 16-Jährige aus eigener Tasche bezahlen. 20 Liter reichen für 300 Kilometer – oder zahllose Fahrten zwischen Hermaringen und dem Fast Food-Restaurant in Giengen. Im Moment ist nämlich Max das Taxi. Weil er der erste in der Clique mit einer 125er-Maschine ist, shuttelt er seine drei Freunde hin und her. Bald schon macht aber der nächste Kumpel die praktische Führerscheinprüfung. Dann können sie gemeinsam los, jeweils zwei Jungs auf einer Maschine: „Das wird ’ne geile Zeit.“

Fotos: Christian Thumm

Der zehnte Teil der Serie „Heiligs Blechle“. Jede Woche werden hier ein Auto und sein junger Fahrer vorgestellt.

Das neueste aus der Rubrik Stories