Heiligs Blechle (7): Reue mit 75 PS

Natürlich weiß Cintia Balatanszki, dass es ein Fehler war. Sie hatte von einem Privatanbieter einen alten Vierergolf gekauft, Baujahr 98, 215 000 Kilometer, 75 PS und allerlei Mängel. Das Geld war knapp. Die Angestellte bat ihre Mama um Auslage des Kaufpreises. In Raten wollte sie die 750 Euro abstottern. Zur Überführung wurden die Kennzeichen vom Auto des Vaters abgeschraubt und zur Übergabe mitgenommen. In der Aufregung passierte ein folgenschweres Missgeschick. Die Schilder wurden vertauscht, hinten statt vorne, vorne statt hinten. Bei der Fahrt nach Hause fiel die Familie einer Polizeistreife auf. Die Mutter, die am Steuer saß, wurde zur Verantwortung gezogen. Strafe: 1200 Euro. „Wir wussten, dass das nicht erlaubt ist. Aber wir wollten uns die Ausgaben für die roten Kennzeichen sparen. Unterm Strich hat das Auto fast 2000 Euro gekostet. Für das Geld hätte ich einen deutlich besseren Wagen bekommen.“

Doch wie es aussieht, bleibt es nicht bei dieser Summe. Der VW hat schon mehrere Werkstattaufenthalte hinter sich. Die 18-Jährige ärgert sich darüber, dass immer wieder ein Teil ihres Lohns für Reparaturen drauf geht. Sie überlegt deshalb, den Golf bald wieder zu verkaufen. „Ich weiß nicht, was ich machen soll. Mit dem Auto komm ich wenigstens in die Arbeit und wieder zurück. Aber wer weiß, was als nächstes kaputt geht.“ So legt sie nun Geld zurück für ihr Wunschauto. Sie hofft, einen günstigen Honda Civic in gutem Zustand zu finden. Cintia Balatanszki: „Eigentlich sollte schon der erste Wagen ein Honda sein, aber zu der Zeit gab es kein gutes Angebot. Vielleicht hätte ich einfach warten sollen. Ich hoffe, mit dem nächsten Auto habe ich mehr Glück.“

Fotos: Christian Thumm

Der siebte Teil der Serie „Heiligs Blechle“. Jede Woche werden hier ein Auto und sein junger Fahrer vorgestellt.

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