Heiligs Blechle (3): Autoteile statt Alkohol

Andreas Stolze ist ein Mensch, der in Relationen denkt. Im Vergleich zu einem VW Polo mit dem kleinsten Motor braucht sein 3er BMW natürlich eine ganze Menge Sprit, im Vergleich mit einem amerikanischen SUV – nicht. Ähnlich verhalte es sich mit dem Geld, das er Monat für Monat fürs Autoschrauben ausgebe: „Andere Leute in meinem Alter gehen zu jeder Party und investieren in den nächsten Rausch, ich bestelle Ersatzteile. Solange ich den E30 fahre, ist das alles nur ein teures Hobby. Aber sobald ich ihn verkaufe, ist es eine Wertanlage.“ Sein Ziel: Den Wagen so herzurichten, dass der TÜV im Zuge der Oldtimer-Zulassung auch ein entsprechend passables Wertgutachten erstellt. Stolze: „Vor einem Jahr hat das Auto 7500 Euro gekostet. Billiger wird der jetzt nicht mehr, im Gegenteil. Ab jetzt steigt der Wert.“

Mit Kollegen trifft sich der Anlagenmechaniker nach Feierabend und an den Wochenenden in einer geräumigen Garage. Gemeinsam werden die Fahrzeuge hergerichtet, jeder kann ein bisschen was anderes, man hilft sich gegenseitig. Bei seinem E30 hat Stolze bisher hauptsächlich an der Technik gefeilt. Der Austauschmotor mit seinen 2,8 Litern Hubraum stammt aus einem E36 und will gepflegt werden. Freundin Celina hilft da gerne und oft mit, trotz ihrer künstlichen Fingernägel: „Es ist egal, wenn mal einer abbricht. Dann klebe ich halt einen neuen drauf. Mir macht das Autoschrauben voll Spaß.“ Mindestens genauso viel Spaß machen Ampelrennen mit diesem BMW. In der Spitze schafft er mit 230 Sachen keine außergewöhnliche Höchstgeschwindigkeit, aber in der Beschleunigung ist der top. Trotzdem überlegt Stolze, in ein paar Jahren mit der Familientradition zu brechen und statt eines BMWs mal einen Subaru oder Toyota zu kaufen – „da gibt es schon ein paar Modelle, die mich interessieren würden.“

Fotos: Christian Thumm

Der dritteTeil der Serie „Heiligs Blechle“. Jede Woche werden hier ein Auto und sein junger Fahrer vorgestellt.

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