Ideen, aber kein Geld

Über drei Millionen Dollar hat die Crowdfunding-Kampagne für die Fortsetzung des PC-Rollenspiel-Klassikers „Shroud of the Avatar  eingebracht. Nicht nur Spieleentwickler greifen inzwischen vermehrt zur Methode der Schwarmfinanzierung: Über Plattformen im Internet versuchen auch unzählige Start-up-Unternehmen, ihre Projekte finanziell abzusichern. Kapitalgeber sind dabei Internetnutzer. Auch in Heidenheim und im Umkreis versuchen immer wieder Projektstarter ihr Glück auf Crowdfunding-Plattformen – mit mehr oder weniger Erfolg.

Eine der bekanntesten unter den deutschen Crowdfunding-Plattformen ist startnext.com, durch die auch der Filmemacher Karl Stefan Röser sein Filmprojekt „Der unberührte Garten“ realisieren konnte. Nur einen geringen Teil der Kosten hat der gebürtige Schnaitheimer gemeinsam mit der Co-Regisseurin nach Ende der Dreharbeiten aus eigener Tasche beigesteuert, da die angestrebte Crowdfunding-Summe sehr knapp kalkuliert war. Knapp 3500 Euro sind letztendlich zusammen gekommen.

Film finanziert duch die Masse

Ob die Filmidee auch ohne Crowdfunding hätte realisiert werden können? „Vielleicht, weil uns die Geschichte sehr am Herzen lag“, erklärt Röser, „aber dann wäre letztendlich wohl ein ganz anderer Film entstanden“. Crowdfunding habe völlig neue Möglichkeiten eröffnet, so Röser. „Der unberührte Garten“ war der erste von Rösers Filmen, der durch Schwarmfinanzierung realisiert werden konnte. Und er soll möglicherweise nicht der einzige bleiben: Für die Zukunft schließt Röser nicht aus, auch weitere Filme auf diese Weise zu finanzieren.

Weniger erfolgreich als Rösers Crowdfunding-Kampagne gestaltete sich die des „Swabian Lights“-Projektteams. Bei den Brüdern Banzhaf aus Gussenstadt stand die Idee von Trinkgläsern, in deren Boden Leuchtdioden eingebaut sind, ganz am Beginn ihres Start-up-Unternehmens. Um mit der ersten Serie der Gläser in Produktion zu gehen, entschieden sich Rafael und Tobias Banzhaf für eine Finanzierung durch Crowdfunding. Durch diese Methode, so dachten die Brüder, müsse sich das Projekt doch realisieren lassen.

Das Crowdfunding floppte und dann?

Doch weit gefehlt, laut Tobias Banzhaf konnten nur 40 Prozent der angestrebten Schwellen-Summe von 10 000 Euro erreicht werden. Letztendlich führte Crowdfunding das Team von „Swabian Lights“ dann aber auf ganz andere Weise zum Erfolg: Denn durch die Kampagne wurden mehrere Firmen auf die ungewöhnlichen Gläser aufmerksam. Für eines davon, ein Unternehmen aus der Möbelbranche, entwickeln die Brüder Banzhaf derzeit ein individualisiertes Beleuchtungssystem, das auf der Technologie der leuchtenden Trinkgläser beruht.

Für das Scheitern des Crowdfundings nennt Tobias Banzhaf mehrere Gründe: Startnext sei zwar die größte deutsche Crowdfunding-Plattform, seiner Meinung nach sind dort aber wohl eher Kultur- und Umweltprojekte erfolgreich. Auch die hohen Produktionskosten für die Gläser und der daraus resultierende zu hohe Endpreis habe sich negativ ausgewirkt, so Banzhaf.

Segeln ohne Reue: Das ist das Ziel einiger Heidenheimer DHBW-Studenten. Die Gruppe rund um Projektleiter Julian Glaab entwickelt eine ökologische Alternative zu den nicht gerade ressourcenschonenden, aber in Segelyachten durchaus üblichen Dieselmotoren. Unter dem Projektnamen „Solarsails“ werden Segel konstruiert, in die eine Lage flexibler Solarzellen integriert ist. „Zunächst war geplant, den Segel-Prototyp durch Crowdfunding zu finanzieren“, sagt Johannes Riedel vom Projektteam „Solarsails“.

Wann klappt’s und wann nicht?

Das hatte aber nicht den gewünschten Erfolg: „Nur elf Prozent der benötigten Summe von 3500 Euro sind über die Crowdfunding-Plattform startnext.com zusammengekommen, sagt Riedel. Die erreichten 400 Euro seien deutlich zu wenig, um das „Solarsails“-Projekt zu realisieren. Doch wo lag nun letztendlich das Problem beim Crowdfunding der Heidenheimer Studenten? „Die Segel sind ein Nischenprodukt“, sagt Riedel „und außerdem hauptsächlich für die ältere Zielgruppe interessant.“

„Konsumgüter, Produkte für die breite Masse sind  für Crowdfunding optimal geeignet“, so der Student des Wirtschaftsingenieurwesens. doch auch wenn Crowdfunding für die Heidenheimer Studenten nicht den gewünschten Erfolg brachte, der Prototyp kann nun doch umgesetzt werden. Durch eine Kooperation mit einem Segelhersteller kann die Entwicklung des Solar-Segels doch noch in die heiße Phase gehen.

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