Im Duell mit dem eigenen Kopf

Wenn Helen Schenk auf dem Golfplatz in Hochstatt steht, spielt die 20-Jährige gegen sich selbst: Gegen den eigenen Kopf, gegen ihr Handicap, immer gegen den Platz. Und meistens spielt sie auch gegen ihren Bruder Henrik: Die Geschwister hielten zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand, kaum dass sie richtig stehen konnten.

Golfen gehört bei den Schenks zum Familienleben dazu. „Unser Vater hat vor über 20 Jahren damit angefangen und wir sind ­quasi auf dem Golfplatz aufgewachsen“, erzählt Henrik Schenk. Auch die Mutter sei mitgezogen worden, doch mittlerweile haben Papa und Mama gegen den Nachwuchs keine Chance mehr: Die Geschwister stehen allerdings nicht nur auf der Familien-Rangliste ganz oben. Auch bei Turnieren in Hochstatt und auf anderen Golfplätzen spielen die Geschwister vorne mit – Henrik Schenk ist etwa amtierender Clubmeister in Hochstatt, seine Schwester spielt in der ersten Bundesliga. In diesem Moment ist Helen Schenk in München: Dort werden vom 22. bis 25. August 2019 die diesjährigen deutschen Meisterschaften im Golf ausgetragen. Das Ziel: bis in die vierte Runde zu kommen – und damit unter die besten 20 Golferinnen Deutschlands.

Helen Schenk fährt zu den Deutschen Meisterschaften im Golf. (Foto: Oliver Vogel)

Junge Golfer auf dem Vormarsch

Versnobt, elitär, teuer.  Vielmehr ein Statussymbol für reiche alte Männer als ein richtiger Sport. Vorurteile über Golf gibt es viele – Helen und Henrik Schenk haben sie alle schon zig Mal gehört.

„So war es früher vielleicht“, sagt der 23-jährige Hendrik Schenk. Da seien die Voith-Vorstände auf dem Platz in Hochstatt noch unter sich gewesen – und wollten das wohl auch bleiben. Doch heute sei Golf ein Sport für jeden: „Für den Golfclub ist es schließlich auch attraktiver, wenn viele Leute kommen – statt ein paar wenigen, die dafür Geld haben.“ Das braucht es nämlich gar nicht: Klar könne man pro Schläger bis zu 600 Euro ausgeben, eine vernünftige Ausstattung bekommt man aber bereits für einen Bruchteil dieser Summe.

Reich sein muss man also nicht, doch das mit den alten Männern stimmt schon ein bisschen: „Auf dem Golfplatz sieht man immer noch überwiegend silberne Köpfe“, meint Helen Schenk. Allerdings verändere sich die Altersstruktur, es kommen immer mehr junge Leute dazu. „Seit einiger Zeit wird viel mehr in Sachen Jugendarbeit gemacht als früher“, sagt die Studentin. Als sie angefangen habe zu golfen, sei es ihr manchmal schwergefallen, sich zu motivieren: Gleichaltrige und ein Jugendtrainer haben gefehlt. Vor knapp zehn Jahren allerdings habe sich das in Hochstatt geändert, und mit dem richtigen Trainer ging es dann auch in Sachen Turniergolf für die Jugend richtig los.

Nur Männer gibt es noch immer mehr als Frauen. „Helen spielt in Hochstatt eigentlich außer Konkurrenz“, sagt ihr Bruder. Doch an Wettbewerb mangelt es ihr nicht, denn am liebsten duellieren sich die Geschwister untereinander – und beide können nicht gut verlieren. Wer von beiden dann besser ist? „Laut Handicap: er“, gibt Helen Schenk zu. „Noch gewinne ich öfter – aber es wird immer enger“, sagt Henrik Schenk. Sich miteinander zu messen ist für beide immer ein Anreiz, zu spielen.

Volle Konzentration: Für Hendrik Schenk auch beim 18. Abschlag kein Problem. (Foto: Oliver Vogel)

Alles eine Frage der Einstellung

Und klar geht es beim Golfen wie in jeder anderen Sportart auch ums Gewinnen – aber eben nicht nur. Denn der eigentliche Gegner ist immer das eigene Mindset, und genau deshalb hat Golfen für Helen und Hendrik Schenk so einen großen Reiz: „Alles hängt von deiner Einstellung im Kopf ab. Es geht nicht um Kraft und auch der Gegner kann dir nichts versauen – man ist beim Golf immer selbst für sein Spiel verantwortlich“, sagt Henrik Schenk.

Um erfolgreich zu sein braucht es Ausdauer – in den Beinen und im Kopf. Schließlich ist man bis zu vier Stunden für ein Spiel auf dem Golfplatz unterwegs. „Wenn man dann am 18. Abschlag steht, ist der mentale Druck sehr groß“, sagt Helen Schenk. Während es ihr manchmal schwerfalle, ruhig Blut zu bewahren, läuft ihr Bruder dann zu Hochform auf.

„Es gibt nichts, was man mit Golf vergleichen kann – und der Sport macht einfach süchtig“, sagt Henrik Schenk. Und ja – ein Sport sei es definitiv. Das Klischee des caddyfahrenden Golfers trifft nämlich in der Regel nicht zu: Wer laufen kann, läuft. Und trägt seine Ausrüstung noch obendrein – zwölf bis 14 Schläger etwa. Beim Golf selbst werden bei einem Schlag fast alle Muskeln beansprucht, auch wenn für ein erfolgreiches Spiel letztlich Konzentration viel wichtiger ist als Kraft.

Etwa einmal pro Woche schaffen es die Schenk-Geschwister auf den Golfplatz nach Hochstatt. Mehr ist zeitlich nicht drin. Da sie aus Langenau kommen, dauert allein die Hinfahrt rund 40 Minuten. Und mittlerweile sind beide nicht mehr all zu häufig zu Hause – er studiert Sport in Stuttgart, sie Landschaftsarchitektur in Freising. Beide wollen ihr Hobby am liebsten zu einem Teil ihres Berufs machen: So macht der Bruder gerade ein Praktikum bei einem Golfausstatter, während die Schwester später einmal Golfplätze gestalten will.

Am liebsten duellieren sich die Schenk-Geschwister gegenseitig. (Foto: Oliver Vogel)

Golfen selbst ausprobiert

Rund 800 Mitglieder hat der Golfclub Hochstatt mit seinem großen Einzugsgebiet. Auch als Nicht-Mitglied kann man sich mal beim Golfen versuchen. Während der der Saison wird regelmäßig Schnuppergolfen angeboten: Am zweiten Samstag (ab 16 Uhr) und vierten Sonntag (ab 14.30 Uhr) jeden Monat können Interessierte unter Anleitung erste Golfschwünge und Puts ausprobieren. Die Ausrüstung wird dabei vom GC Hochstatt gestellt.

Anmelden kann man sich bis sieben Tage vorher telefonisch unter 07326.5649 oder unter info@golfclub-hochstatt.de

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